Asset-Herausgeber

Frau streckt sich am Schreibtisch
Führung & HR

Betriebliches Gesundheitsmanagement: Maßnahmen, Prozesse, Vorteile

Schlaue Unternehmen sorgen sich um die Gesundheit ihrer Mitarbeitenden. Das betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) umfasst den Arbeits- und Gesundheitsschutz, das Eingliederungsmanagement und die betriebliche Gesundheitsförderung. ​​​​​​Wie funktioniert ein BGM-Prozess und wie setzt man BGM im Unternehmen um? Wir beantworten alle Fragen.

Was ist Betriebliches Gesundheitsmanagement?

Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) ist ein proaktiver Ansatz, der die Gesundheit, die Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden der Beschäftigten am Arbeitsplatz im Unternehmenskontext ganzheitlich und systematisch fördert bzw. stärkt.

Mit verschiedenen Maßnahmen, wie Bewegungsangeboten, Ernährungs- oder Suchtberatung und Stressmanagement, werden gesunde Arbeitsbedingungen gestaltet und den Beschäftigten gesundheitsförderliche Angebote an die Hand gegeben, um langfristig Krankheiten vorzubeugen.

Ist BGM gesetzlich vorgeschrieben?

Nein, BGM ist in Deutschland nicht gesetzlich vorgeschrieben. Aber es wird sehr empfohlen, da es die Gesundheit und das Wohlbefinden der Beschäftigten fördert und somit zu einer geringeren Krankheitsrate und höheren Produktivität führt. Allerdings gibt es verschiedene gesetzliche Vorgaben, die Unternehmen verpflichten, sich um die Gesundheit ihrer Beschäftigten zu kümmern.

Diese Vorgaben können als Grundlage für ein umfassendes BGM dienen:

  1. Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) legt fest, dass Arbeitgeber Maßnahmen zum Schutz der physischen und psychischen Gesundheit ihrer Beschäftigten treffen müssen. Dies umfasst beispielsweise die Durchführung von Gefährdungsbeurteilungen (GBU).
  2. Sozialgesetzbuch (SGB IX) legt fest, dass Arbeitgeber verpflichtet sind, ein Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) für Beschäftigte anzubieten.
  3. Berufsgenossenschaftliche Vorschriften geben spezifische Anforderungen zum Arbeitsschutz in verschiedenen Branchen und Arbeitsbereichen vor.
  4. Weitere spezifische Gesetze und Verordnungen,  wie das Arbeitszeitgesetz (ArbZG), die Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) oder die Bildschirmarbeitsverordnung (BildscharbV), enthalten Regelungen, die direkt oder indirekt auch den Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz betreffen.

Vorteile des Betrieblichen Gesundheitsmanagements für Unternehmen und Beschäftigte

Vorteile von BGM für Unternehmen

  • Weniger Krankheitsausfälle und Reduzierung der damit verbundenen Kosten
  • Gesteigerte Produktivität und Leistungsfähigkeit
  • Besseres Betriebsklima
  • Höhere Mitarbeiterzufriedenheit und Mitarbeiterbindung
  • Höhere Attraktivität als Arbeitgeber für neue Talente
  • Positive Unternehmenskultur

 Vorteile von BGM für Beschäftigte

  • Verbessertes Wohlbefinden
  • Gesünderes Privat- und Arbeitsleben
  • Höhere Arbeitszufriedenheit durch verbesserte Arbeitsplatzbedingungen

Die 3 Säulen des BGM

1. Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF)

Betriebliche Gesundheitsförderung ist ein wichtiger Aspekt des Betrieblichen Gesundheitsmanagements. Sie zielt auf die Verhaltensänderung der Beschäftigten ab. Ihr Ziel ist, das Wohlbefinden und die Gesundheit der Beschäftigten zu verbessern und zu erhalten. Die Maßnahmen können individuell gestaltet werden und beinhalten beispielsweise Fitnessprogramme, Ernährungsberatung oder Stressmanagement-Schulungen. Die Vorteile sind vielfältig: vom verbesserten Arbeitsklima über die Erhöhung der Mitarbeiterzufriedenheit bis hin zur Reduzierung von Krankheitsausfällen.

2. Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM)

Das Betriebliche Eingliederungsmanagement, kurz BEM, soll helfen, Beschäftigte nach längerer Krankheit wieder in den Arbeitsprozess zu integrieren. Es ist gesetzlich im Sozialgesetzbuch (SGB IX §167) verankert und obligatorisch für alle Arbeitgeber, wenn ein:e Beschäftigte:r innerhalb eines Jahres länger als sechs Wochen ununterbrochen oder wiederholt erkrankt ist. Das BEM ist ein eigenständiger Prozess und umfasst alle Aktivitäten und Leistungen, die dazu dienen, Beschäftigte nach längerer Arbeitsunfähigkeit wiedereinzugliedern oder vor einer langen Arbeitsunfähigkeit zu bewahren. Die Maßnahmen sind individuell auf die jeweilige Person zugeschnitten und können z. B. Anpassungen des Arbeitsplatzes, Veränderungen der Arbeitszeit oder eine stufenweise Wiedereingliederung beinhalten.

3. Arbeits- und Gesundheitsschutz

Der Arbeitsschutz beinhaltet die Vermeidung von Unfällen, Berufskrankheiten und arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren durch technische, organisatorische und persönliche Schutzmaßnahmen. Gesetzliche Grundlagen, wie das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG), geben die Rahmenbedingungen vor, innerhalb derer Unternehmen handeln müssen. Maßnahmen innerhalb des Arbeits- und Gesundheitsschutzes sind beispielsweise Gefährdungsbeurteilungen, Ergonomie am Arbeitsplatz, Schutz vor Lärm und gefährlichen Stoffen oder die Bereitstellung von Schutzkleidung.


 

​​​​​​​Welche Unternehmen sollten ein BGM umsetzen?

Jedes Unternehmen, unabhängig von Größe und Branche, sollte ein Betriebliches Gesundheitsmanagement umsetzen. Bei kleineren Unternehmen wie Start-ups beispielsweise kann es jedoch sinnvoll sein, externe Expert:innen hinzuzuziehen oder mit anderen kleinen Unternehmen zusammenzuarbeiten, um Ressourcen zu bündeln und effektive BGM-Maßnahmen zu implementieren. Außerdem ist es möglich, finanzielle Unterstützung durch z. B. Krankenkassen und Berufsgenossenschaften einzubinden.

BGM allein durchführen oder mit externem Anbieter?

Grundsätzlich kann jedes Unternehmen BGM einführen und umsetzen. Es erfordert die aktive Beteiligung aller Unternehmensebenen, insbesondere der Geschäftsführung, der Personalabteilung, der Betriebsärzt:innen, der Sicherheitsfachkräfte sowie der Beschäftigten selbst. Es kann sinnvoll sein, externe Expert:innen hinzuzuziehen, um effektive BGM-Maßnahmen zu implementieren. Auf dem Markt existieren viele Anbieter für Betriebliches Gesundheitsmanagement. Diese spezialisieren sich auf unterschiedliche Aspekte oder einzelne Säulen des BGM (BEM, BGF, Arbeitsschutz)

Einige bieten umfassende Programme an, die alle diese Bereiche abdecken. Es ist wichtig, dass Sie den richtigen Anbieter für Ihr Unternehmen auswählen. Achten Sie dabei z. B. auf dessen Erfahrung, Kundenbewertungen und die Passungen zwischen dem Portfolio und Ihren Bedarfen. Ein guter Anbieter wird immer auf die individuellen Bedürfnisse Ihres Unternehmens eingehen und maßgeschneiderte Lösungen anbieten. So profitieren Sie am meisten vom Betrieblichen Gesundheitsmanagement.

Wer darf im Unternehmen ein BGM durchführen?

Die Umsetzung von BGM erfordert die Beteiligung verschiedener Akteure, die  Schlüsselfiguren sind und idealerweise in einer Steuerungsgruppe zusammenkommen. Häufig sind dies die Geschäftsführung, die Personalabteilung oder speziell ausgebildete Gesundheitsmanager:innen. Es ist auch möglich, externe Anbieter einzubeziehen, die auf BGM spezialisiert sind. Sie bringen Expertenwissen mit und können individuell auf die Bedürfnisse des Unternehmens eingehen. Egal, wer das BGM durchführt, wichtig ist eine gute Kommunikation und die aktive Einbindung der Beschäftigten. Denn nur so kann ein nachhaltiges und erfolgreiches Gesundheitsmanagement im Betrieb gewährleistet werden.

Akteure innerhalb des Unternehmens

  1. Geschäftsführung sollte das BGM unterstützen und fördern, Ressourcen bereitstellen und eine gesundheitsförderliche Unternehmenskultur etablieren.
  2. Gesundheitsmanager:in: Falls eine eigene Stelle dafür vorhanden sein sollte, führt diese Person alle Fäden zusammen, moderiert die Steuerungsgruppe BGM und steuert das Projektmanagement.
  3. Personalabteilung spielt eine zentrale Rolle bei der Planung, Umsetzung und Evaluation von BGM-Maßnahmen.
  4. Betriebs- oder Personalrat sollte in die Planung und Umsetzung von BGM-Maßnahmen eingebunden werden und kann als Vermittler zwischen Beschäftigten und Geschäftsführung agieren.
  5. Betriebsärzte und Fachkräfte für Arbeitssicherheit bringen medizinisches und sicherheitstechnisches Know-how ein und unterstützen bei der Identifikation von Gesundheitsrisiken und der Entwicklung von Präventionsmaßnahmen.
  6. Führungskräfte haben eine Vorbildfunktion und sollten Gesundheitsförderung aktiv unterstützen und leben.
  7. Beschäftigte sollten aktiv in den BGM-Prozess einbezogen werden, z. B. durch Teilnahme an Umfragen, Gesundheitsaktionen oder in Arbeitsgruppen.

 Akteure außerhalb des Unternehmens

  1. Krankenkassen und Berufsgenossenschaften können finanzielle Unterstützung bieten und Fachwissen zur Verfügung stellen.
  2. Externe Dienstleister wie der pme Familienservice, Gesundheitsberater:innen, Psycholog:innen oder Fitness- und Ernährungsexpert:innen können spezialisierte Angebote und Beratungen anbieten.
  3. Netzwerke und Verbände bieten Plattformen für Erfahrungsaustausch und können Zugang zu Ressourcen und Best Practices ermöglichen.​​​​

​​​​​​

Dieser Vimeo Inhalt kann erst geladen werden, wenn Sie die Datenschutzbestimmungen von Vimeo, LLC akzeptieren.

Zu den Datenschutzeinstellungen »

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, um ein BGM im Unternehmen einzuführen?

Um ein Betriebliches Gesundheitsmanagement erfolgreich einzuführen, brauchen Sie vor allem die Unterstützung der Geschäftsleitung. Daneben spielt eine umfassende Analyse der Arbeitsbedingungen und Gesundheitsrisiken eine wesentliche Rolle. Zudem sollten Sie eine:n verantwortliche:n Gesundheitsmanager:in ernennen, der das BGM steuert. Es ist auch wichtig, die Beschäftigten einzubeziehen und deren Bedürfnisse zu berücksichtigen. Darüber hinaus sollten Sie einen Fahrplan mit konkreten Maßnahmen erstellen und regelmäßig überprüfen, ob die gesteckten Ziele erreicht werden. Dabei kann die Hilfe von externen Anbietern sinnvoll sein.

Wie sieht ein BGM-Prozess aus?

Ein BGM-Prozess beginnt immer mit einer genauen Analyse der Unternehmensstruktur, des Arbeitsumfelds und der aktuellen Gesundheitssituation in Ihrem Unternehmen. Dabei identifizieren Sie potenzielle Ressourcen und Gesundheitsrisiken. Anschließend werden Ziele und Maßnahmen entwickelt. Die Umsetzung dieser Maßnahmen wird kontinuierlich kontrolliert und angepasst.

Der Prozess ist zyklisch, das heißt, nach der Evaluation startet die Analyse erneut, um ständig Verbesserungen zu erzielen. Beziehen Sie Ihre Führungskräfte und Beschäftigten in die Planung und Durchführung von BGM-Maßnahmen ein. Dies erhöht die Akzeptanz und Effektivität. Ermutigen Sie Ihre Beschäftigten zur Teilnahme an Gesundheitsprogrammen und bieten Sie Anreize. Vergessen Sie nicht, regelmäßig den Erfolg Ihrer Maßnahmen zu überprüfen und anzupassen.

Die Schritte eines BGM-Prozesses

  1. Strategieentwicklung: Bei der Implementierung des BGM sollte zuerst eine Steuerungsgruppe mit den wichtigen Akteuren des Unternehmens (s. wer macht BGM) gebildet werden, um BGM in alle Unternehmensbereiche integrieren und langfristig umsetzen zu können. Die unternehmensspezifischen Ziele des BGM, das gemeinsame Verständnis, der zeitliche Umsetzungsfahrplan und die bereits bestehenden Ressourcen sollten festgelegt werden. 
  2. Analyse und Bewertung der Arbeitsbedingungen: Erfassung und Bewertung des Ist-Standes anhand von vorliegenden Analysen, Daten, Umfragen, um zu erfahren, wo der Schuh drückt und welche passgenauen Maßnahmen zur Förderung der Gesundheit oder Reduzierung von Belastungen umgesetzt werden können. Als Grundlage kann hierbei ebenfalls die GBU Psyche (Gefährdungsbeurteilung psychische Belastung) genutzt werden, um psychischen Belastungen und Risikofaktoren am Arbeitsplatz zu identifizieren.
  3. Ableitung von Handlungsfeldern und Maßnahmen: Aufgrund der Analyse sollten thematische Handlungsfelder festgelegt und konkrete Maßnahmen geplant werden. Synergien und bereits bestehende Angebote und Ressourcen können eingebunden werden. Zusätzlich sollte ein Kommunikationsplan festgelegt werden, um die Führungskräfte und Beschäftigten zu informieren und zu beteiligen.
  4. Umsetzung von Maßnahmen: Maßnahmen auf Ebene der Gesundheitsförderung und Prävention können z.B. Sport- und Bewegungsprogramme, Ernährungsberatung oder Stressmanagement, Resilienzseminar, digitale Apps wie Mindance etc. (hier die von uns einbinden?) oder Work-Life-Balance-Angebote  sein.
  5. Evaluation und kontinuierliche Verbesserung: Regelmäßige Überprüfung der Wirksamkeit der durchgeführten Maßnahmen und Anpassung an veränderte Rahmenbedingungen und Bedürfnisse der Beschäftigten. Außerdem erfolgt die Dokumentation und das Reporting zur Beteiligung und zum Erfolg der Maßnahmen sowie eine kontinuierliche Kommunikation.
    ​​​​​​​


 

Welche Faktoren sind wichtig bei der Umsetzung eines BGM?

Für ein erfolgreiches Betriebliches Gesundheitsmanagement sind verschiedene Faktoren wichtig.

  1. Ganzheitlichkeit: Das BGM sollte die physische und die psychische Gesundheit der Beschäftigten berücksichtigen und sowohl Verhaltens- als auch Verhältnisprävention einbeziehen. Dazu sollten Maßnahmen nicht nur auf einzelne Krankheitsbilder oder Risikofaktoren ausgerichtet sein, vielmehr sollte ein umfassendes Konzept entwickelt werden, das auch die Arbeitsbedingungen, die Unternehmenskultur und soziale Aspekte einschließt.
  2. Partizipation: Die aktive Einbeziehung aller Führungskräfte und Beschäftigten in den BGM-Prozess. Möglichkeiten dazu sind: Beteiligung schaffen, Feedback einholen, transparent kommunizieren und die Beschäftigten bei der Entwicklung und Umsetzung von Maßnahmen beteiligen.
  3. Integration: Durch die Integration von BGM in die bestehenden Strukturen und Prozesse des Unternehmens können Aufgaben auf mehrere Schultern verteilt, Synergien genutzt und Ressourcen geschont werden. BGM sollte nicht als isoliertes Projekt betrachtet, sondern in die alltäglichen Abläufe und Entscheidungen des Unternehmens integriert werden.
  4. Kontinuierliche Verbesserung: Ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess sollte etabliert werden, um die Wirksamkeit des BGM zu steigern. Dazu dienen z. B. regelmäßige Evaluation der Maßnahmen, Ableitung von Handlungsbedarf und Anpassung der Maßnahmen auf Basis der Evaluationsergebnisse.

Verknüpfte Assets