Auszubildende der School of Participation stehen zusammen in der Gruppe
Führung & HR

Vom Mitmachen zum Mitgestalten: So gelingt Partizipation im Unternehmen

Komplexe Herausforderungen lassen sich selten allein lösen. Sie brauchen unterschiedliche Erfahrungen und Perspektiven sowie Räume, in denen auch Widersprüche sichtbar werden. Partizipation ist deshalb mehr als Mitbestimmung und gute Moderation. Sie ist Handwerk, Führungskompetenz und gelebte Demokratie.  

Genau hier setzt die School of Participation an, in deren erstem Pilotlehrgang zwei Teammitglieder des pme Familienservice zu Partizipationsgestalter:innen ausgebildet werden. Die Ausbildung soll als Überprüfung und Korrektiv dienen, neue Impulse ins Unternehmen bringen und zeigen, wie Beteiligung im Arbeitsalltag konkret gelingt. 

Was bedeutet Partizipation im Unternehmen? 

Die Bundeszentrale für politische Bildung beschreibt Partizipation als die aktive Beteiligung von Mitgliedern einer Organisation an ihren gemeinsamen Angelegenheiten. 

Auf den Unternehmenskontext übertragen heißt das:  

  • Mitarbeitende werden einbezogen,  
  • können ihre Perspektiven und Erfahrungen einbringen  
  • und innerhalb eines klaren Rahmens an der Gestaltung von Prozessen und Lösungen mitwirken. 

"Gute Partizipation überzeugt durch das Aushandeln von unterschiedlichen Perspektiven und Widersprüchen und ist damit gelebte Demokratie." – Dr. Ruth Beilharz, Dipl. Betriebswirtin, Supervisorin, systemische Beraterin und Teil des Leitungsteams der School of Participation 

Partizipation im Unternehmen heißt nicht, jede Entscheidung an ein großes Plenum zu geben. Es geht vielmehr darum, bewusst zu entscheiden, wer wann und wie beteiligt wird.

Gute Beteiligung  

  • macht unterschiedliche Perspektiven sichtbar,  
  • schafft Transparenz  
  • und erhöht die Chance, dass Lösungen von den Menschen mitgetragen werden, die von ihnen betroffen sind. 

"Wenn Partizipation klar definiert und im Konsens mit den Unternehmenswerten verankert ist, können Entscheidungswege deutlich schneller werden." – Nils Hofert, Leiter der Personalabteilung bei pme Familienservice

Für Nils Hofert, Leiter der Personalabteilung bei pme Familienservice, gehört dazu auch die Bereitschaft, die eigenen Strukturen kritisch zu prüfen:  

  • Sind die Entscheidungswege nachvollziehbar?  
  • Werden regionale und kleinere Einheiten ausreichend einbezogen?  
  • An welchen Stellen ist eine breite Beteiligung sinnvoll – und wo braucht es eine klare Entscheidung durch Einzelne? 

Partizipation als Zukunftskompetenz für moderne Führung 

Arbeitswelten werden komplexer, Veränderungsprozesse schneller und Entscheidungen anspruchsvoller. Gleichzeitig möchten viele Mitarbeitende

  • ihre Perspektive einbringen,
  • Verantwortung übernehmen
  • und Einfluss auf Entwicklungen nehmen. 

Dr. Ruth Beilharz, Partizipationsexpertin und Teil des Leitungsteams der School of Participation, sieht darin eine zentrale Aufgabe moderner Führung:  

  • Menschen sollten nicht lediglich über Veränderungen informiert, sondern zu Beteiligten gemacht werden.
  • Transparente Information, echte Mitgestaltung und das gemeinsame Aushandeln unterschiedlicher Perspektiven können Identifikation und Verantwortungsgefühl stärken. 

Sie versteht Partizipation deshalb auch als „Art of Leading“: die Kunst, Menschen in komplexen Situationen zu führen, ohne ihre Perspektiven und ihre Selbstwirksamkeit aus dem Prozess zu verdrängen.  Für Unternehmen wird diese Fähigkeit zu einer wichtigen Zukunftskompetenz. 

"Die Kunst des Führens zu erlernen, ist für Unternehmen zunehmend ein Asset, das sie von weniger erfolgreichen Unternehmen unterscheiden wird." – Dr. Ruth Beilharz, Leitungsteam der School of Participation 

Work:Life-Akademie – Für starke Führungskräfte und Teams

Die Work:Life-Akademie des pme Familienservice bietet eine breite Palette an Seminaren und Trainings für Unternehmen zur Führungskräfteentwicklung und zur Mitarbeiterentwicklung.

Egal ob in Präsenz, digital oder als Blended-Learning oder Blended-Coaching – unsere Seminare und Trainings passen wir flexibel an die Bedürfnisse Ihrer Teams und Führungskräfte an.

Systemisch, lösungsorientiert und praxisnah: Work:Life-Akademie

Partizipation als ein Handwerk verstehen

Wenn Menschen gemeinsam Lösungen entwickeln sollen, reicht es nicht, sie einfach zu einer Besprechung einzuladen. Es braucht  

  • einen guten Rahmen,  
  • klare Methoden  
  • und eine Haltung, die unterschiedliche Sichtweisen ernst nimmt.  

Die Ausbildung zur Partizipationsgestalter:in bei der School of Participation verbindet deshalb theoretische Grundlagen mit praktischer Anwendung. Die Teilnehmenden lernen Methoden kennen und setzen sich gleichzeitig mit einer demokratischen Grundhaltung auseinander:  

  • Wie können Menschen auf Augenhöhe miteinander arbeiten?  
  • Wie lassen sich soziale Räume gestalten und halten?  
  • Wie werden aus unterschiedlichen Perspektiven tragfähige Lösungsvorschläge? 

"Die Begleitung solcher Prozesse und das Halten von sozialen Räumen ist mehr als Moderation. Es ist ein Handwerk, das gelernt werden muss" – Dr. Ruth Beilharz, Leitungsteam der School of Participation 

Die Ausbildung setzt diesen Anspruch selbst um: Der erste Ausbildungslehrgang, an dem aktuell zwei Teammitglieder des pme Familienservice teilnehmen, ist partizipativ gestaltet, d. h. die Teilnehmenden können ihre Erfahrungen und ihr Feedback einbringen und so an der Weiterentwicklung des Angebots mitwirken. 

Über die School of Participation

Die School of Participation ist eine Kooperation mit dem Bildungswerk Mehr Demokratie. Sie bildet Partizipationsgestalter:innen für Gesellschaft, Politik, Unternehmen und NGOs aus. Ziel ist es, Selbstwirksamkeit, demokratische Teilhabe und damit demokratische Strukturen zu stärken. 

Unternehmen als Lernorte für Demokratie 

Laut Ruth Beilharz haben Unternehmen nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine gesellschaftliche Bedeutung: Wo Menschen regelmäßig erleben, dass

  • unterschiedliche Perspektiven gehört,
  • Widersprüche ausgehandelt
  • und Entscheidungen transparent gemacht werden, kann Demokratie im Alltag erfahrbar werden. 

"Unternehmen können durch ihre Art zu führen zu wichtigen Lernorten für demokratisches Verhalten werden." – Dr. Ruth Beilharz, Leitungsteam der School of Participation 

Für pme verbindet sich die Förderung von Partizipation deshalb mit der Frage: 

Wie können Zusammenarbeit, Führung und gesellschaftliche Verantwortung zusammengedacht werden?

Warum pme in Partizipation investiert 

Partizipation ist für pme nicht nur ein gesellschaftlich relevantes Thema, sondern auch ein wichtiger Bestandteil der eigenen Unternehmenskultur. Dazu gehört,

  • Demokratie im Arbeitsalltag zu stärken,
  • offen und zukunftsorientiert neue Wege zu gehen,
  • die eigenen Strukturen und Angebote kontinuierlich weiterzuentwickeln,
  • Vielfalt als Stärke zu verstehen
  • und Mitarbeitende aktiv einzubinden und in ihrer Entwicklung zu fördern. 
Gründerin Gisela Erler lebt es vor! 

Partizipation und gesellschaftliche Verantwortung gehören zur Geschichte von pme:

Als Gründerin des pme Familienservice, Sozialwissenschaftlerin, Autorin und ehemalige Staatsrätin für Bürgerbeteiligung in Baden-Württemberg hat sich Gisela Erler jahrzehntelang für Teilhabe, demokratische Gesprächskultur und konkrete Unterstützung für Familien eingesetzt.

Für ihr gesellschaftliches Engagement wurde Gisela Erler 2025 mit dem Verdienstkreuz am Bande ausgezeichnet

 

Ausschlaggebend für die Teilnahme zweier pme-Temmitglieder an der Ausbildung zur Partizipationsgestalter:in war insbesondere die Verbindung von

  • einer demokratischen Haltung,  
  • konkretem methodischem Wissen  
  • und der Relevanz für die eigene Kundenarbeit. 

Die Kooperation mit der School of Participation verbindet persönliche Weiterentwicklung mit Organisationsentwicklung. Gleichzeitig eröffnet sie die Möglichkeit, die eigenen Prozesse kritisch zu hinterfragen und Erfahrungen mit anderen teilnehmenden Unternehmen auszutauschen. 

"Wir wollen unsere eigenen Prozesse kritisch prüfen: Sind wir wirklich so partizipativ, wie wir glauben?" – Nils Hofert, Leiter der Personalabteilung bei pme Familienservice

Zwei pme-Mitarbeitende, zwei persönliche Wege zur Partizipation 

Philip Schmidt, Geschäftskundenbetreuer: Beteiligung braucht passende Methoden 

Das Konzept der Partizipation ist Philip Schmidt bereits aus seinem Studium der Sozialpädagogik vertraut. Die Ausbildung an der School of Participation eröffnet ihm die Möglichkeit, tiefer einzusteigen:

  • Er erlebt die Ausbildung als vielfältig, sowohl in der thematischen Breite als auch in der Anzahl der Methoden.
  • Besonders ist aus seiner Sicht der Aufbau der Ausbildung, denn erst wird eine demokratische Grundhaltung vermittelt, bevor es ins Methodische geht.
  • Er schätzt es sehr, dass sie als Teilnehmende den ersten Lehrgang partizipativ mitgestalten und sich einbringen können.

Die Verbindung von Partizipation, Transformation und Change ist für ihn besonders spannend:

"Wenn Menschen frühzeitig beteiligt werden, können unterschiedliche Sichtweisen und mögliche Widerstände sichtbar werden, bevor sie einen Veränderungsprozess erschweren”. – Philip Schmidt, Geschäftskundenbetreuer bei pme Familienservice

Dabei braucht nicht jede Situation dasselbe Format. Entscheidend ist, die passende Methode für  

  • die jeweilige Gruppe,
  • Fragestellung
  • und Entscheidung zu wählen. 

Für seinen Arbeitsalltag nimmt er die Frage mit: Wie kann Beteiligung konkret gestaltet werden?

Melina Friedrich, Erzieherin und Mitarbeiter:innen-Interessenvertretung: Partizipation beginnt mit Zuhören 

Für Melina Friedrich beginnt Partizipation mit dem Wunsch, genauer hinzuschauen und hinzuhören: Was ist wirklich wichtig – in der Gesellschaft, in Unternehmen und in der Politik?

  • Die Ausbildung gibt ihr dafür konkrete Werkzeuge an die Hand und ist zugleich ein Raum, in dem sie sich mit ihren Erfahrungen und ihrer Persönlichkeit gesehen fühlt.
  • Besonders schätzt sie den offenen Austausch mit den Mitlernenden und die Möglichkeit, die Ausbildung mitzugestalten. 

"Partizipation beginnt für mich damit, genauer hinzuschauen und hinzuhören." – Melina Friedrich, Erziherin in der Kita Wolkenzwerge in Berlin und Mitarbeiter:innen-Interessenvertretung bei pme Familienservice

Sie möchte dazu beitragen, dass Mitarbeitende und Arbeitgeber besser zueinanderfinden, offener miteinander ins Gespräch kommen und gemeinsam etwas bewegen.

Im Alltag nutzt sie dafür unter anderem die Methode des bewussten Sprechens und Zuhörens. Diese Methode hilft ihr

  • präsent zu sein,
  • aufmerksam zuzuhören, ohne vorschnell zu bewerten,
  • und gleichzeitig die eigene Haltung klar auszudrücken.

Das Gelernte begleitet sie längst nicht mehr nur bei der Arbeit, sondern auch in ihrem privaten Alltag. 

Ein methodischer Werkzeugkoffer für Partizipation 

Partizipation lässt sich auf unterschiedliche Weise gestalten. Die Ausbildung gibt den Teilnehmenden einen vielfältigen Methodenkoffer an die Hand, aus dem sie das passende Werkzeug wählen können, je nach 

  • Situation,  
  • Ziel,
  • beteiligter Gruppe.

Die folgenden Beispiele geben einen ersten Einblick in Methoden, die Philip und Melina in ihrer Ausbildung zur Partizipationsgestalter:in kennengelernt haben oder bereits im Alltag anwenden: 

  • Systemisches Konsensieren: Hier geht es nicht darum, lediglich eine Mehrheitsentscheidung zu treffen. Stattdessen werden mögliche Widerstände sichtbar gemacht: Wer hat noch Bedenken bei einer Lösung – und warum? Diese Einwände können anschließend gezielt bearbeitet werden.  
  • „1-2-4-All“: Die Methode bezieht alle Beteiligten schrittweise ein: Zunächst denkt jede Person für sich über eine Frage nach, anschließend folgt der Austausch zu zweit, dann in Vierergruppen und schließlich im Plenum. So erhalten unterschiedliche Perspektiven Raum – nicht nur die der schnellsten oder lautesten Stimmen.  
  • Bewusstes Sprechen und Zuhören: Melina Friedrich ist in dieser Methode zertifiziert. Sie hilft ihr, präsent und aufmerksam zuzuhören, ohne vorschnell zu bewerten, und gleichzeitig die eigene Haltung klar und ehrlich auszudrücken. Im Kontakt mit Kindern, Eltern und im Team erlebt Melina, dass Gespräche dadurch „echter“ werden. 
  • Liberating Structures: Diese Strukturen unterstützen dabei, Moderationen so zu gestalten, dass möglichst alle Beteiligten einbezogen werden. Sie gehören zu ihrem persönlichen Methodenkoffer und helfen ihr, je nach Situation passende Beteiligungsformate auszuwählen. 

Wie geht es weiter? 

Partizipation beginnt mit einer Haltung – und wird durch gute Methoden wirksam. Bei pme entsteht daraus Schritt für Schritt ein gemeinsamer Lernprozess:

  • Philip Schmidt und Melina Friedrich bringen neue Perspektiven und Werkzeuge ein,
  • pme prüft die eigenen Strukturen,
  • und die School of Participation liefert vielfältiges Wissen, Erfahrung und den Raum für Austausch. 

Das Ziel ist nicht, auf jede Frage sofort eine Antwort zu haben, sondern

  • die richtigen Menschen zusammenzubringen,
  • unterschiedliche Perspektiven sichtbar zu machen
  • und gemeinsam tragfähige nächste Schritte zu entwickeln.

So kann Partizipation beim pme Familienservice zu einer Kompetenz werden,

  • die Mitarbeitende stärkt,
  • die Zusammenarbeit verbessert
  • und demokratische Kultur im Arbeitsalltag erfahrbar macht. 

Häufig gestellte Fragen

Was ist die Ausbildung zu Partizipationsgestalter:innen? 

Die Ausbildung zur Partizipationsgestalter:in an der School of Participation vermittelt eine demokratische Grundhaltung und konkrete Methoden, mit denen Beteiligungsprozesse in Gesellschaft, Politik, Unternehmen und NGOs gestaltet werden können. Die Teilnehmenden lernen, Menschen gezielt einzubeziehen, Perspektiven sichtbar zu machen und Entscheidungen transparent zu begleiten. 

Warum unterstützt pme die Ausbildung? 

pme unterstützt die Ausbildung, weil Partizipation für Kundenarbeit, Zusammenarbeit und Veränderungsprozesse relevant ist. Das erlernte Wissen soll in weitere Bereiche des Unternehmens eingebracht werden. 

Bedeutet Partizipation, dass alle alles entscheiden? 

Nein. Partizipation bedeutet nicht, dass jede Entscheidung von allen getroffen werden muss. Es geht darum, den passenden Beteiligungsrahmen zu finden, Verantwortlichkeiten zu klären und Entscheidungen transparent und nachvollziehbar zu machen. 

Wie profitieren pme-Mitarbeitende und andere von der Ausbildung? 

Die Ausbildung stärkt persönliche und methodische Kompetenzen. Sie hilft den Teilnehmenden, Gespräche bewusster zu führen, Gruppen besser zu moderieren und Beteiligung in unterschiedlichen Situationen gezielt zu gestalten.