zu sehen ist der Urologe Dr. Pies
Psyche

Folge 44: Männergesundheit ab 50

In der neuen Folge von "Heiter bis stürmisch" spricht Oliver Schmidt mit Dr. Christoph Pies, Urologe und Buchautor. Er teilt ehrliche Einblicke in die Männergesundheit ab 50. Er spricht offen über körperliche und psychische Veränderungen, räumt mit Mythen rund um die „männlichen Wechseljahre“ auf und gibt praktische Tipps, wie Männer diese Lebensphase selbstbewusst und gesund meistern können.
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Du erfährst in diesen Folge:

  • Warum Männergesundheit ab 30 beginnt und nicht erst mit 50 relevant wird?
  • Männliche Wechseljahre: Mythos oder Realität? 
  • Testosteronmangel: Wann ist eine Behandlung sinnvoll? 
  • Psychische Herausforderungen und der Umgang mit der Midlife-Crisis.
  • Welche Rolle spielt Partnerschaft und Kommunikation für eine erfüllte Sexualität?
  • Warum Vorsorgeuntersuchungen für Männer so wichtig und doch oft vernachlässigt werden?
  • Wie ein gesunder Lebensstil und soziale Netzwerke Männer stärken können?

Dr. Christoph Pies gibt praxisnahe Tipps, wie Männer ihre Gesundheit ganzheitlich in den Blick nehmen können – körperlich, psychisch und sozial. Er zeigt, wie wichtig Achtsamkeit, Selbstakzeptanz und kleine Veränderungen im Alltag sind, um auch jenseits der 50 wieder neue Lebensfreude zu finden.

Lest einen Auszug aus dem Podcast hier als Interview: 

Was hat Dich dazu gebracht, Dich intensiv mit Männergesundheit ab 50 zu beschäftigen?

Dr. Christoph Pies: Da steckt natürlich auch viel Eigennutz dahinter. Ich habe mich damit beschäftigt in der Phase, wo ich selbst auf die 50 zuging und wo körperliche sowie berufliche Veränderungen merkbar wurden. Als Urologe und Buchautor habe ich den Bogen weiter gespannt und mich dann mehr mit Männergesundheit und den sogenannten „männlichen Wechseljahren“ beschäftigt.

Dabei geht es mir darum, die Prozesse, die auf körperlicher und psychischer Ebene ablaufen, ganzheitlich zu beleuchten. Die Medizin ist oft sehr spezialisiert und sieht nur kleine Ausschnitte, aber Männergesundheit braucht eine große Zusammenschau, um den Rückgang vieler Funktionen in den mittleren Jahren besser zu verstehen und zu steuern.

Viele Männer denken bei 50 sofort an Abbau und Defizit. Was ist der Denkfehler?

Dr. Christoph Pies: Der Denkfehler liegt in der fehlenden Akzeptanz des Älterwerdens. Wir Menschen unterliegen einem biologischen Ablauf, der Körperfunktionen abnimmt. Aber Altern ist auch ein Reifungsprozess, der neue Chancen und Möglichkeiten mit sich bringt. Diese Anpassung und Neuorientierung wird manchmal übersehen. Die Sichtweise macht hier viel aus: Es geht nicht nur um Verlust, sondern auch um Entwicklung und neue Lebensfelder.

Gibt es männliche Wechseljahre?

Dr. Christoph Pies: Klassisch gesehen nicht. Anders als bei Frauen, die eine klare Wechseljahresphase erleben, ist der Rückgang bei Männern eher linear und beginnt etwa ab 30 oder 35 Jahren mit einem jährlichen Rückgang bestimmter Funktionen. Zum Beispiel nimmt die Nierenfunktion kontinuierlich ab.

Das führt oft zu einer subjektiven Wahrnehmung von Verschlechterung, die dramatisiert wird. Erst wenn der Kipppunkt erreicht ist, meist um die 50, entstehen Symptome, die mit einer Midlife-Crisis einhergehen können. Ein Testosteronmangel mit Symptomen betrifft tatsächlich nur etwa 4 bis 5 Prozent der Männer über 60.

Wann ist eine Testosteronbehandlung sinnvoll?

Dr. Christoph Pies: Wenn körperliche, psychische und sexuelle Beschwerden vorliegen und ein Testosteronmangel durch Laborwerte bestätigt wird, kannst Du über eine Substitution nachdenken. Allerdings sollte das nicht die erste Maßnahme sein. Viel wichtiger ist es, Deinen Lebensstil zu verändern – Bewegung, Ernährung, Schlaf, Stressmanagement. Eine „Reparatur“ durch Hormongabe allein reicht nicht, da die Ursachen oft komplex sind und mit einem gesunden Lebenswandel viel erreicht werden kann.

Wie erkennst Du, ob Du nur eine Phase durchläufst oder medizinische Hilfe brauchst?

Dr. Christoph Pies: Ab 45 ist das Alter, in dem Vorsorgeuntersuchungen sinnvoll sind. Du solltest den Mut haben, Beschwerden offen bei Ärzt:innen anzusprechen. Ein vertrauensvolles Gespräch ist der Einstieg, um die Situation gemeinsam zu bewerten.

Auch im privaten Umfeld ist es hilfreich, Veränderungen wahrzunehmen und darüber zu sprechen. Wenn Symptome wie anhaltende Erschöpfung, Reizbarkeit oder Rückzug über Wochen bestehen, solltest Du aufmerksam werden und Hilfe suchen.

Was passiert, wenn die Leistungsidentität durch Alter oder Krankheit wegbricht?

Dr. Christoph Pies: Das führt häufig zu einer Sinnkrise. Viele Männer definieren sich stark über ihre Arbeit und Leistung. Wenn diese Rolle wegfällt, entsteht die Frage: Was bleibt von mir? Das kann zu Frustration, Zynismus und Erschöpfung führen.

Wichtig ist, die Persönlichkeit ganzheitlich zu betrachten, neue Facetten zu entdecken und Dich nicht nur über den Beruf zu definieren. Das ist ein herausfordernder, aber auch wertvoller Prozess.

Wie verändert sich die Sexualität ab 50?

Dr. Christoph Pies: Die Leistungsorientierung, die viele Männer aus dem Beruf kennen, wird oft auf die Sexualität übertragen. Mit abnehmenden Körperfunktionen und Testosteronspiegeln kommt es zu Frustration, weil Erwartungen nicht mehr erfüllt werden.

Die Sexualität sollte sich mehr auf Nähe, Beziehung und gegenseitiges Verstehen konzentrieren. Geschlechtsverkehr ist nur ein Aspekt, wichtiger ist die emotionale Verbindung und das Gespräch über Bedürfnisse.

Welche Rolle spielt das soziale Umfeld?

Dr. Christoph Pies: Das soziale Umfeld spielt eine riesige, oft unterschätzte Rolle. Freundschaften und Partnerschaften geben Halt und können helfen, Veränderungen zu erkennen. Gerade in Krisenzeiten merkst Du, wie wichtig ein unterstützendes Netzwerk ist.

Ratschläge funktionieren meist nicht, besser ist Inspiration durch Vorbild sein und geduldiges Miteinander. Auch schwierige Gespräche können in echten Freundschaften möglich sein.

Was braucht es, damit Männer besser zur Vorsorge gehen?

Dr. Christoph Pies: Du solltest lernen, Dich frühzeitig um Deine Gesundheit zu kümmern. Vorsorge ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Verantwortung für Dich selbst. Leider fehlt vielen Männern dieses Bewusstsein, da sie von klein auf nicht wie Frauen an regelmäßige Arztbesuche gewöhnt sind. Zudem sind Praxiszeiten oft nicht auf Berufstätige abgestimmt, was die Vorsorge erschwert. Ein Umdenken in Gesellschaft und Gesundheitssystem ist notwendig.

Was rätst Du Männern, die das Gefühl haben, nicht mehr weiterzukommen?

Dr. Christoph Pies: Gratulation, dass Du den Punkt der Veränderung erkannt hast. Das ist kein Scheitern, sondern ein Wendepunkt. Veränderung ist immer möglich, braucht aber Zeit und kleine, nachhaltige Schritte. Ein gesunder Lebensstil mit Bewegung, gesunder Ernährung, ausreichend Schlaf und Regenerationszeiten ist der Schlüssel. Disziplin und Weitsicht sind wichtig, zugleich sollte die Veränderung entspannt und langfristig angelegt sein.

Heiter bis stürmisch – der Alltags-Podcast mit Olli Schmidt 

Willkommen bei "Heiter bis stürmisch" – dem Alltags-Podcast. Himmelhoch jauchzend oder zu Tode betrübt: Das Leben hat Höhen und Tiefen. Genau darum geht es bei uns: um die alltäglichen Krisen wie Streit mit dem Partner oder der Partnerin, Erziehungsfragen, Überlastung im Job, Unsicherheiten und Angst. Wir sprechen mit Expert:innen und geben Ihnen praktische Tipps an die Hand, damit Sie besser mit Krisen und Herausforderungen umgehen können. 

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