Krank sobald der Urlaub kommt – das Poststress-Syndrom

Krank sobald der Urlaub kommt – das Poststress-Syndrom

17.08.2016
Kerstin Altrock
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Endlich ein paar Tage frei und dann das: Migräne, Infekte, Magenprobleme.Stark gestressten Menschen passiert dieses Phänomen immer wieder. Diesen Kreislauf, der meist immer wieder die gleiche Personengruppe trifft, nennt man Poststress-Syndrom.

Eine Forschergruppe der Universität Trier unter der Leitung von Diplom-Psychologin Sandra Waeldin hat sich dieses Syndroms in einer Studie angenommen. Rund 1500 Menschen wurden untersucht. Fast 1000 Probanden waren gesund, etwas mehr als 400 hatten aufgrund von akuten körperlichen oder psychischen Beschwerden ihren Hausarzt oder eine Fachklinik aufgesucht, und 100 Patienten waren in stationärer psychiatrischer Behandlung.
Dabei wurde festgestellt, dass gesunde Menschen, die unter keiner besonderen Stressbelastung standen, sehr selten (2,3 Prozent) unter Poststress-Symptomen litten. Bei Patienten, die wegen stressbezogener Beschwerden ihren Hausarzt (20 Prozent) oder eine Fachklinik (34,6 Prozent) aufsuchen, kann eine deutliche Zunahme an Poststress-Symptomen beobachtet werden. Zu den häufigsten Beschwerden zählen Infekte, Magenprobleme, Migräne und Sehstörungen. Die Forscher konnten einen direkten Zusammenhang zwischen der Stressbelastung der untersuchten Personen und den Erschöpfungs- und Krankheitssymptomen beobachten. Die Probanden, die Urlaub und Erholung am dringendsten brauchten, hatten am häufigsten unter den Poststress-Symptomen zu leiden. Das Risiko, im Urlaub krank zu werden, ist für Menschen mit viel Stress viermal so hoch wie für nicht gestresste Personen.

 

Stressbelastung mobilisiert besonders stark den Botenstoff Noradrenalin

Eine weitere Arbeitsgruppe der Universität Trier um Prof. Dirk Hellhammer untersuchte, warum diese Symptome gerade in den Erholungsphasen zum Ausbruch kommen. Hellhammer erklärt: „Stressbelastung mobilisiert besonders stark den Botenstoff Noradrenalin in unserem zentralen und autonomen Nervensystem. Sind die Anforderungen besonders intensiv und dauerhaft, dann übersteigt der Verbrauch an Noradrenalin die Neusynthese. In Ruhephasen wird dann zu wenig Noradrenalin freigesetzt, und es kommt zu einer Balancestörung von Funktionen im Nerven- und Immunsystem, welche Poststress-Symptome hervorrufen".


Helfen kann hier u. a. ein durchdachtes Stress- und Pausenmanagement. Regelmäßige sportliche Aktivitäten unterstützen dabei ebenso wie Entspannungsübungen, Vermeidung von Stressfaktoren und ein gutes Zeitmanagement.

Die Studie ist online verfügbar: www.karger.com