pme spendet: NUSZ e.V. - Ein Kinderbauernhof mitten in Berlin
Wir wünschen uns, dass auch in 30 Jahren noch ehemalige Kinder sagen: „Das war ein wichtiger Ort in meiner Kindheit.“ (Eva Funk)
Er ist eine kleine Oase für Kinder inmitten des Trubels der Großstadt: der Kinderbauernhof in der Ufa-Fabrik in Tempelhof. Hier können Kinder Tiere versorgen, Verantwortung lernen und – fernab von schulischem Leistungsdruck - zur Ruhe kommen. 2025 erhielt der Kinderbauernhof eine Spende über 10.000 Euro vom pme Familienservice. Wir sprachen mit Christina Studte vom NUSZ e.V. und Eva Funk, Leitung des Kinderbauernhofes.
(Im Bild von links nach rechts): Christina Studte, pme-Spendenpatin Carola Bach und Eva Funk.
Die UFA-Fabrik ist ein vielfältiger Ort. Wie ist der Kinderbauernhof dort eingebunden?
NUSZ: Auf dem Gelände der ufafabrik sind verschiedene Initiativen und Organisationen mit vielfältigen Programmen und Angeboten beheimatet, u.a. die ufafabrik e.V. und das Internationale Kulturzentrum mit dem Kinderzirkus, kulturellen Veranstaltungen uvm. Auf dem Gelände ist auch das Nachbarschafts- und Selbsthilfezentrum in der UFA-Fabrik e.V. mit dem Familientreffpunkt, der sehr viel in der Stadtteilarbeit bewegt.
Wir selbst kooperieren mit einer freien Schule, die sich auf dem Gelände befindet. Wir getrennte Einrichtungen, teilen uns aber Flächen. Der Kinderbauernhof ist für die Schüler:innen somit auch „Schulhof“ und Lernort.
Zugleich verstehen wir uns als Teil eines größeren Netzwerks: Über das Nachbarschafts- und Selbsthilfezentrum können wir Familien bei Bedarf an weitere Angebote und Hilfen im Stadtteil anbinden – das ist gerade für alleinerziehende Elternteile, deren Kinder zu uns kommen, sehr wertvoll.
Welche Tiere leben auf dem Kinderbauernhof?
Wir haben mehrere Ponys – zwei, mit denen wir aktiv arbeiten, und zwei Ponys im Ruhestand, die wir natürlich versorgen. Außerdem leben hier Kaninchen, Meerschweinchen, Hühner, Gänse, drei Schildkröten, Frettchen und zwei Bienenvölker.
Um die Bienen kümmert sich ein Imker, aber sie gehören selbstverständlich dazu – und machen manchmal ganz schön Radau.
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Auf dem Kinderbauernhof leben jede Menge Tiere, die liebevoll gepflegt werden.
Der Kinderbauernhof wird vom Jugendamt gefördert. Reicht das aus, um den Betrieb zu sichern?
Wir werden vom Jugendamt als Kinderfreizeiteinrichtung mit einer jährlichen Fördersumme unterstützt. Das ist sehr wichtig und finanziert unser pädagogisches Personal, aber leider nicht die Tierhaltung, die den Kern unserer Arbeit ausmacht. Diese ist sehr aufwendig und kostenintensiv. Unsere größte Herausforderung ist seit Jahren, die laufenden Kosten für Futter, Tierarzt, Pflege und Unterbringung aufzubringen.
Deshalb erschließen wir zusätzliche Einnahmequellen: Kitas und Schulklassen, die vormittags zu uns kommen, zahlen einen Teilnehmerbeitrag. Ohne Spenden und diese zusätzlichen Einnahmen wäre die Tierhaltung, so wie wir sie hier leben, nicht möglich. Für die Kinder am Nachmittag ist das Angebot kostenfrei.
Wie sieht euer Angebot konkret aus – und für wen ist es gedacht?
Unsere Hauptzeit ist der Nachmittag mit offener Kinder- und Jugendarbeit: Kinder und Jugendliche – überwiegend zwischen 6 und 14 Jahren – können einfach kommen, ihre Freizeit auf dem Hof verbringen und bei Angeboten wie der Ponyzeit Verantwortung übernehmen.
Am Wochenende ist der Hof nachmittags auch für Familien und andere Besucher:innen geöffnet, zusätzlich gibt es einen Familiennachmittag. In den Ferien sind wir länger offen, viele Kinder bleiben dann den ganzen Tag, wir kochen und essen gemeinsam und machen besondere Aktionen wie eine Zeltwoche.
Trotz dieser Offenheit bleibt der Kinderbauernhof ein geschützter Raum: möglichst „erwachsenlos“ im positiven Sinn. Die Kinder sollen unter sich sein, ihren Ort gestalten und sich sicher fühlen – die Erwachsenen sind im Hintergrund ansprechbar, aber die Kinder stehen im Mittelpunkt.
Nutzen die Kinder dieses Angebot auch wirklich, um ins Gespräch zu kommen?
Ja, auf jeden Fall. Wir bekommen häufig die Rückmeldung, dass gerade Kinder, die anderswo schnell anecken oder „nicht so reinpassen“, bei uns aufblühen. Das ist die große Stärke offener Kinder- und Jugendarbeit: Die Teilnahme ist freiwillig, das Setting ist anders, und die Kinder können sich in ihrer eigenen Geschwindigkeit einbringen.
Die Tiere helfen dabei enorm – sie urteilen nicht und reagieren unmittelbar, das schafft besondere Zugänge.
Viele Kinder erleben den Kinderbauernhof als „dritten Ort“ neben Elternhaus und Schule – einen Platz, an dem sie ernst genommen werden, ankommen dürfen und einfach sie selbst sein können.
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Pony Laika benötigte dringend ein medizinisches Inhalationsgerätt. Mittlerweile geht es ihr wieder besser.
Wofür konntet ihr die Spende vom pme Familienservice nutzen?
Ein Teil der Spende ist direkt in ein medizinisches Inhalationsgerät für unser Pony Laika geflossen. Aufgrund eines Sommerekzems sind ihre Schleimhäute besonders beansprucht. Um einer chronischen Atemwegserkrankung vorzubeugen, muss sie in akuten Phasen inhalieren. Das spezielle Pferde-Inhaliergerät kostet rund 2.000 Euro und ist für ihre langfristige Gesundheit eine wichtige Investition.
Der übrige Teil der Spende unterstützt uns im Alltag dort, wo es ständig „kleine Baustellen“ gibt: Futter- und Tierarztkosten, Kreativmaterialien für die Kinder, Blumenerde und Samen für unsere Hochbeete oder ein frisch gestrichener Zaun. Über das Jahr hinweg summiert sich das. Ohne Spenden wie die vom pme Familienservice könnten wir den Hof in dieser Form kaum erhalten.
Was wünscht ihr euch für die Zukunft des Kinderbauernhofs?
Wir wünschen uns, dass wir die Tierhaltung langfristig absichern können – denn ohne Tiere ist der Kinderbauernhof schlicht nicht denkbar. Und wir wünschen uns, dass weiterhin viele Kinder diesen Ort als „ihren“ Platz erleben: einen Ort, an dem sie Verantwortung übernehmen, Natur erleben, Beziehungen zu Tieren aufbauen und auch mit ihren Sorgen willkommen sind.
Und natürlich hoffen wir sehr, dass Politik und Gesellschaft den Wert solcher Orte für Kinder ernst nehmen – und sie auch finanziell entsprechend unterstützen.
Außerdem fänden wir es schön, wenn wir unsere lange Geschichte sichtbarer machen könnten: Der Kinderbauernhof gehört zu den ältesten Einrichtungen im Träger, seine Geschichte reicht bis in die 1980er Jahre zurück. Für das 40-jährige Jubiläum im nächsten Jahr denken wir zum Beispiel über eine kleine Fotoausstellung „früher und heute“ nach.
Vor allem aber wünschen wir uns, dass auch in 30 Jahren noch ehemalige Kinder hier vorbeikommen und sagen: „Das war ein wichtiger Ort in meiner Kindheit.“
Soziales Engagement des pme Familienservice
Seit fünf Jahren gibt es die Spendenaktion „pme spendet“, bei der pme-Teammitglieder die Möglichkeit haben, gemeinnützige Vereine aus den Bereichen „Internationale Entwicklungshilfe“, „Soziale Arbeit“, „Klima- und Tierschutz“ und „Kultur“ für eine Spende vorzuschlagen, die sie aktiv unterstützen. Alle Teammitglieder stimmen anschließend über die Organisationen ab, die sie fördern wollen. Die Vereine mit den meisten Stimmen erhalten eine Spende vom pme Familienservice.
2025 erhielten fünf nationale und internationale Organisationen insgesamt 50.000 Euro Spendengelder – ein gemeinsames Zeichen dafür, dass gesellschaftliches Engagement ein fester Bestandteil der Unternehmenskultur bei pme ist.