Zu alt für die digitale Revolution? Von wegen!

Zu alt für die digitale Revolution? Von wegen!

16.10.2018
Gabriele Strasser
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Hilfe, die Roboter kommen! Geht es um digitale Technologien, haben Senioren oft Ängste. Dabei gibt es schon heute viele technische Möglichkeiten, die das Wohlbefinden und die Sicherheit älterer Menschen erhöhen, die Kommunikation mit Angehörigen erleichtern und pflegende Angehörige entlasten. Und das ist erst der Anfang.

Die Forschung läuft auf Hochtouren, die Aussichten, lange eigenständig zu leben und sich dabei wohlzufühlen, werden immer besser. Profitieren werden Senioren und ihre Angehörigen, die offen für technische Lösungen sind. Digitale Technologien finden sich mittlerweile fast in jedem Haushalt. Zurzeit boomen besonders intelligente Lautsprecher wie Alexa oder Google Home, die unter anderem auf Zuruf Musik abspielen, Wecker oder Timer stellen, Nachfragen aller Art beantworten und Heizung und Beleuchtung regeln. Durch ihre einfache Bedienbarkeit sind sie auch älteren Menschen eine große Hilfe.

 

Assistenzsysteme für ein selbstbestimmtes Leben

Bei Menschen mit altersbedingten Einschränkungen sind intelligente Lösungen gefragt, die deren besonderer Situation – und der ihrer Angehörigen – gerecht werden. Hier spielen zwei Aspekte eine wesentliche Rolle: zum einen die Sicherheit, zum anderen eine reibungslose Kommunikation mit anderen Menschen. Im Projekt SELBST („Selbstbestimmt Leben im Alter mit Mikrosystemtechnik“) entwickelte der pme Familienservice gemeinsam mit Forschungs- und Technikpartnern eine Systemlösung für Tablet-PCs, mit der die Kommunikation zwischen zu pflegenden Personen und deren (berufstätigen) Angehörigen erleichtert und gleichzeitig der Wohnalltag sicherer gestaltet wird. Das Ergebnis ist eine Benutzeroberfläche, die einer Schiefertafel ähnelt. Mit ihr können zwei Personen von unterschiedlichen Orten aus über ihre Pads gleichzeitig auf einer Seite schreiben oder zeichnen. In den Wohnräumen von Senioren wurden testweise zudem Sensoren installiert, die bestimmte Bewegungen und die Nutzung ausgewählter Haushaltsgeräte rückmelden. 

Viele weitere altersgerechte Lösungen können das Leben zu Hause einfacher und sicherer machen:

  • Steuerung von Energiemanagement und Raumtemperatur mittels Sensoren im Haus 
  • Kommunikation und sozialer Kontakt mittels vereinfachter Videotelefonie oder Smartphones/Tablets mit extra großen Tasten 
  • Smarte Fußböden erkennen Stürze, unsicheren Gang oder Verwirrtheit und schlagen Alarm.
  • Sensoren in Matratzen lösen Alarm aus, wenn mitten in der Nacht aufgestanden wird oder die Temperatur der Matratze sinkt.
  • Über Notfalltasten an Wänden oder Smartwatches können per Knopfdruck Ambulanz oder Angehörige informiert werden.
  • Smartwatches zeichnen die Vitaldaten der Senioren auf und übermitteln sie an den behandelnden Arzt oder Pflegedienst.
  • Pillendosen sind mit Zeitschaltuhren und akustischem Alarm ausgestattet, um an die Einnahme von Tabletten zu erinnern.
  • Türen öffnen mittels Fernbedienung oder Fingerabdruck (z. B. im Notfall)
 

Entlastung für Angehörige

Auch über die eigenen vier Wände hinaus vereinfachen intelligente Technik- und Vernetzungslösungen das Leben von älteren Menschen und deren Angehörigen. So wurde im Projekt mentor+ ein digitales Netzwerk für Helfer entwickelt. Der Gedanke dahinter: Wird ein Mensch älter, wächst auch die Zahl der Personen, die ihn im Alltag unterstützen – lange bevor Pflege erforderlich wird. Im Fokus des Projekts mentor+ stand die Entwicklung einer Anwendung, die über das Engagement und die Hilfsdienste unterschiedlicher Personen informiert. Das erleichtert es den beteiligten Menschen, ihr Engagement für eine hilfebedürftige Person untereinander zu koordinieren. So werden Aufgaben auf mehrere Schultern verteilt und das Netzwerk gestärkt.

 

Innovatives E-Learning

Aktuell entwickelt der pme Familienservice im Forschungsverbund „LivingSmart – Wohnquartiere neu gedacht“ gemeinsam mit fünf Forschungspartnern eine webbasierte Plattform zum Thema Wohnen weiter. Gezielt für Personen mit hohen Belastungen in den Bereichen Arbeit und Privatleben werden E-Learning-Schulungen entwickelt, die Wissen darüber vermitteln, wie und wodurch Belastungen reduziert werden können. Zusätzlich soll die Plattform die Möglichkeit bieten, sich über Chat/Videokommunikation zu Angeboten unterstützender Dienstleistungen zu informieren und Entlastungsangebote direkt zu buchen.

Angehörige von pflegebedürftigen Menschen haben Anspruch auf Pflegekurse, die von der Pflegekasse bezahlt werden. Doch nicht immer gibt es passende Angebote in der Nähe, oft fehlt es auch an der Zeit. Auch hier liegt die Zukunft in digitalen Lösungen, so etwa in den interaktiven Online-Pflegekursen von Curendo. Dank einer Kooperation steht dieses Angebot nun auch den Kunden des pme Familienservice zur Verfügung. 

 

Übersicht über Forschungsprojekte mit pme-Beteiligung 

  • Aktuell (2018 bis 2021) beteiligen wir uns im Forschungsverbund „LivingSmart – Wohnquartiere neu gedacht“
  • mentor+: Digitales Netzwerk für Helfer (2014 bis 2016)
  • Projekt „SELBST – Selbstbestimmt Leben im Alter mit Mikrosystemtechnik“ (2009 bis 2012)
  • ALIAS – Adaptable Ambient Living Assistant (2010 bis 2013)