Vater hält seine kleine Tochter fest im Arm
Eltern & Kind

Hochsensibilität bei Kindern: Bedeutung und Hilfe für Eltern

Hochsensible Kinder fühlen intensiver, nehmen Reize stärker wahr und denken oft tiefgründiger als andere. Dieser Artikel erklärt, wie sich Hochsensibilität bei Kindern äußert, welche Ursachen dahinterstecken und wie Eltern ihr hochsensibles Kind stärken können. 

Ein Beitrag von Ramona Krämer, Elternberaterin und systemische Familientherapeutin beim pme Familienservice. 
 

Was ist Hochsensibilität bei Kindern?

Hochsensibilität bei Kindern zeigt sich dadurch, dass sie Reize und Emotionen besonders intensiv wahrnehmen und verarbeiten.

Typische Anzeichen sind eine ausgeprägte Empathie, eine hohe Empfindlichkeit gegenüber Geräuschen oder Gerüchen sowie ein deutliches Bedürfnis nach Rückzug und Ruhe. Die Ursachen liegen meist in einer speziellen genetischen und neurobiologischen Veranlagung.

Eltern können ihr hochsensibles Kind gezielt stärken, indem sie mit Verständnis reagieren, einen strukturierten Alltag bieten und die individuellen Bedürfnisse des Kindes ernst nehmen. 

Was ist Hochsensibilität bei Kindern? 

Hochsensibilität beschreibt ein besonders feinfühliges Nervensystem, das auf äußere und innere Reize wie grelles Licht, Lärm, Gerüche oder Stimmungen sehr sensibel reagiert. 

Hochsensible Kinder sind oft schneller gestresst oder erschöpft, verarbeiten Informationen tiefer und benötigen mehr Zeit, um Eindrücke zu verarbeiten. Zudem achten sie besonders auf Details und haben meist ein ausgeprägtes Gefühlsleben. 
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Fachvortrag. Hochsensibilität bei Kindern verstehen und leiten

 🗓️ 25.02.26 / 11:30 Uhr - 12:30 Uhr (via zoom)

Fachvortrag zu Hochsensibilität bei Kindern

Erfahren Sie von Ramona Krämer, wie Sie als Eltern am besten mit den besonderen Bedürfnissen ihres Kindes umgehen können.
 

Wie zeigt sich Hochsensibilität bei Kindern? Symptome im Alltag 

Typische Symptome und Hinweise für Hochsensibilität im Kindesalter sind:

  • Starke emotionale Reaktionen und Mitgefühl

  • Sie nehmen Stimmungen von Menschen besonders stark wahr, reagieren leidenschaftlich bei Ungerechtigkeit oder beim Konsum von Geschichten und Filmen und zeigen ausgeprägte Empathie.
  • Überempfindlichkeit gegenüber Sinneseindrücken

  • Laute Geräusche, starke Gerüche, Licht, Berührungen oder bestimmte Kleidungsstücke (z. B. mit kratzenden Nähten) werden schnell als störend empfunden. 
  • Tiefe Verarbeitung und viele Fragen

  • Hochsensible Kinder stellen häufig ungewöhnlich viele und tiefgehende Fragen und durchdenken Situationen intensiv. 
  • Großes Bedürfnis nach Rückzug

  • Nach aufregenden oder lauten Situationen brauchen sie Ruhephasen und ziehen sich gern zurück, um Erlebtes zu verarbeiten.

Besondere Ereignisse können sehr lange nachhallen. Hochsensible Kinder finden nach ereignisreichen Tagen schwer in den Schlaf und können auch in den Folgetagen noch Stressreaktionen zeigen
Ramona Krämer, Elternberaterin beim pme Familienservice 

  • Probleme mit Veränderungen und Gruppen

  • Unerwartete Veränderungen, neue Situationen oder große Gruppen lösen schnell Unsicherheit oder Zurückhaltung aus. 
  • Perfektionismus und Gewissenhaftigkeit

  • Sie möchten es besonders „richtig“ machen, reagieren sensibel auf eigene Fehler und haben hohe Ansprüche an sich selbst. 
  • Hohe Sensibilität beim Thema Essen und Geschmack

  • Bestimmte Konsistenzen, Geschmäcker oder Gerüche bei Lebensmitteln werden intensiv wahrgenommen und oft abgelehnt.

Hochsensible Kinder nehmen manchmal bereits kleinste Mengen von Gewürzen, Schärfe oder Salz wahr und empfinden diese als unangenehm und das Essen infolgedessen als ungenießbar.
Ramona Krämer, Elternberaterin beim pme Familienservice ​​​​​​​


 

Wie erkennt man Hochsensibilität bei Kindern? Test & Diagnose

Da Hochsensibilität ein Charaktermerkmal ist und keine psychische Störung, gibt es keine offizielle medizinische Diagnose.  

Eine Selbsteinschätzung anhand der Highly Sensitive Person Scale nach Elaine Aron ist daher nach wie vor die Basis für die Bestimmung einer Hochsensibilität. In Anlehnung daran gibt es auch einen Hochsensibilitäts-Test für Kinder, der Eltern hilft, Anzeichen zu erkennen.  

Leidet das Kind unter typischen Merkmalen, kann der Gang zum/zur Kinder- und Jugendpsycholog:in sich dennoch lohnen, um eine genauere Einschätzung zu erhalten und ggf. von anderen diagnostizierbaren Störungen abzugrenzen. AD(H)S bei Kindern oder eine Autismus-Spektrum-Störung können sich in manchen Bereichen ähnlich äußern.  

Was sind die Ursachen von Hochsensibilität? 

Die Anlage zur Hochsensibilität ist meist genetisch bedingt – sie kann familiär gehäuft vorkommen. Neurobiologisch zeigen hochsensible Kinder eine höhere Konzentration von Noradrenalin im Blut und eine schnellere Ausschüttung von Adrenalin, werden also leichter in Erregung versetzt.  

Die bewusste Reizunterdrückung ist weniger aktiv, wodurch mehr Informationen ungefiltert ins Bewusstsein dringen. Zudem zeigt das limbische System im Gehirn, das für Emotionen und Stressverarbeitung zuständig ist, eine erhöhte Aktivität.  
 

Welche Stärken haben hochsensible Kinder?

Hochsensible Kinder tragen viele positive Eigenschaften und Stärken in sich, die sich im Alltag zeigen: 

  • Hohe Empathiefähigkeit 
  • Kreativität und ausgeprägte Intuition 
  • Starke Verknüpfung von Gedanken mit Bildern ("Big Picture") 
  • Detailliebe 
  • Stark ausgeprägter Gerechtigkeitssinn und ethisches Bewusstsein 
  • Reflexionsfähigkeit und gründliches Abwägen

Diese Stärken ermöglichen es hochsensbilen Kindern, effizient, gründlich und mit viel Weitblick zu handeln. 

Was brauchen hochsensible Kinder? 

Damit sich hochsensible Kinder optimal entfalten und ihre Stärken einbringen können, brauchen Sie von ihren Bezugspersonen emotionale und strukturelle Unterstützung

Im Detail bedeutet das:

Emotionale Unterstützung für hochsensible Kinder

  • Bedingungslose Liebe, Akzeptanz und die Sicherheit, ernst genommen zu werden
  • Viel Bestätigung zur Stärkung ihres Selbstbewusstseins, denn sie machen oft die Erfahrung, in ihrer Andersartigkeit nicht verstanden zu werden 
  • Positive Vorbilder im Umgang mit Emotionen 
  • Strategien, um sich ihr Ruhebedürfnis zu erfüllen und sich von unerwünschten Reizen und Gefühlen abzugrenzen

Strukturelle Unterstützung für hochsensbile Kinder

  • Viel Ruhe und ausreichend Pausen, auch Ausflüge in die Natur tun ihnen gut
  • Klare Abläufe, Rituale und eine reizreduzierte Umgebung (wenig Medienkonsum, genug unverplante Zeit, nicht zu viele Hobbys) 
  • Vorbereitung auf Neues oder Veränderung, die anstehen
  • Rücksichtnahme auf individuelle Reizschwellen   

7 Tipps wie Sie Elternteil Ihr hochsensibles Kind unterstützen

1. Erkennen und akzeptieren Sie, dass Ihr Kind nicht absichtlich „schwierig“ ist.

2. Vermeiden Sie Reizüberflutung, indem Sie Elektronik reduzieren, geordnete Räume schaffen und Ihrem Kind feste Rückzugsorte anbieten.

3. Schaffen Sie im Alltag regelmäßig bewusste Ruhephasen und Pausen.

4. Führen Sie Ihr Kind in herausfordernden Situationen klar und ruhig.

5. Nehmen Sie die Wahrnehmung Ihres Kindes ernst, stellen Sie diese nicht in Frage oder werten sie ab.

6. Suchen Sie den Austausch mit anderen Eltern und hinterfragen Sie gut gemeinte Ratschläge kritisch.

7. Holen Sie sich Unterstützung, wenn die Belastung zu groß ist, zum Beispiel durch Beratungsangebote oder Austauschgruppen
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Gut beraten mit der pme-Elternberatung

Unsere Elternberater:innen begleiten Eltern in allen Fragen von der Schwangerschaft bis zum Erwachsenwerden des Kindes.

Persönlich und vertraulich: Wir sind online, telefonisch und vor Ort für Sie da. Mehr Informationen finden Sie auf der Seite der pme Elternberatung

 

Buchtipps zum Thema Hochsensibilität bei Kindern

Elaine N. Aron: “Das hochsensible Kind – Wie Sie auf die besonderen Schwächen und Bedürfnisse Ihres Kindes eingehen”

Johanna Hinze: “Hochsensible Kinder – Lösungen für 51 herausfordernde Alltagssituationen”

FAQ zu Hochsensibilität bei Kindern 

1. Woran erkenne ich, dass mein Kind hochsensibel ist? 

Hochsensible Kinder reagieren besonders empfindlich auf Geräusche, Gerüche oder Stimmungen, zeigen starke Empathie und brauchen häufig Rückzugsmöglichkeiten. 

2. Ist Hochsensibilität eine Krankheit? 

Nein, Hochsensibilität ist keine Krankheit, sondern ein Persönlichkeitsmerkmal. 

3. Was hilft meinem hochsensiblen Kind im Alltag? 

Feste Routinen, ruhige Rückzugsorte, verständnisvolle Kommunikation und gezielte Pausen fördern das Wohlbefinden hochsensibler Kinder. 

4. Lässt sich Hochsensibilität durch Erziehung ändern? 

Die Sensibilität selbst lässt sich nicht „aberziehen“, aber das Kind kann lernen, besser mit Reizen umzugehen und seine Stärken zu nutzen. 

5. Sollte ich professionelle Hilfe suchen? 

Wenn Unsicherheiten bestehen oder die Hochsensibilität zu Alltagsproblemen führt, kann Beratung durch Fachleute wie Kinder- und Jugendpsycholog:innen sinnvoll sein, um Unterstützung und Entlastung zu finden. 
 

null Urlaub für pflegende Angehörige: So gehts

Alte Frau im Rollstuhl
Alter & Pflege

Urlaub für pflegende Angehörige? So geht’s!

Auch pflegende Angehörige können Urlaub nehmen. Wie, erklärt Eldercare-Experte Jürgen Griesbeck.

Immer für andere da, immer einsatzbereit: Knapp 1,4 Millionen Menschen in Deutschland pflegen Angehörige wie etwa ihre Eltern zuhause. Da bleibt oft wenig Zeit für Erholung. Was viele nicht wissen: Die Pflegekassen übernehmen in einem bestimmten Rahmen die Kosten für eine alternative Pflege, damit Pflegende eine Auszeit nehmen können.

Bei Urlaub: Ersatz- oder Kurzzeitpflege

Für die alternative Betreuung während des Urlaubs gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  • Sie können eine private Vertretung organisieren. Sofern die Person nicht mit dem Pflegebedürftigen verwandt ist, bekommt sie für die Betreuung Geld von der Pflegeversicherung.
  • Sie können einen ambulanten Dienst beauftragen. Die Pflegekasse bezahlt in diesem Fall für drei Besuche am Tag – morgens, mittags und abends.
  • Die oder der Pflegebedürftige kann in einem Kurzzeitpflegeheim betreut werden.

Die Pflegeversicherung bezahlt die Kosten für die alternative Betreuung zusätzlich zum regulären Betreuungsgeld. Pflegende Angehörige haben also keinerlei finanzielle Einbußen.

Gut zu wissen!

Ersatzpflege wegen Urlaub kann erst beantragt werden, wenn der Pflegebedürftige zuvor mindestens sechs Monate zu Hause gepflegt wurde. Ob von einer oder von unterschiedlichen Personen ist dabei unerheblich. Diese sogenannte Vorpflegezeit entfällt bei Pflegebedürftigen, die zu Beginn der Ersatzpflege Pflegegrad 4 oder 5 haben und jünger als 25 Jahre sind.

Bei Krankheit: Verhinderungspflege

Auch bei Krankheit der Pflegeperson bezahlt die Pflegekasse eine alternative Betreuung. In diesem Fall spricht man von Verhinderungspflege. Anders als Ersatzpflege wegen Urlaub, für die zuvor sechs Monate lang betreut werden muss, kann Verhinderungspflege sofort bei Erkrankung der Pflegeperson beantragt werden. Hier gibt es zwei Möglichkeiten: Zum einen die stundenweise Betreuung zuhause oder die Kurzzeitpflege in einem Heim.

Wer hat Anspruch auf die Leistungen?

Anspruch auf Ersatz- bzw. Verhinderungspflege sowie Kurzzeitpflege haben Pflegebedürftige mit mindestens Pflegegrad 2. Ersatz- oder Verhinderungspflege kann nur von privat pflegenden Angehörigen sowie Nachbarn oder Freunden beantragt werden, nicht aber von gewerbsmäßig Pflegenden.

Wie viel wird bezahlt?

Pflegebedürftige haben einen gesetzlichen Anspruch darauf, dass ihre Kasse ihnen die Kosten für Ersatz- sowie Kurzzeitpflege bis zu einem Betrag von jeweils 1612 Euro pro Kalenderjahr erstattet. Die Ersatzpflege kann für einen Zeitraum von sechs Wochen - dies entspricht 42 Kalendertagen - in Anspruch genommen werden, bei der Kurzzeitpflege sind es acht Wochen, also 56 Kalendertage. Die Mittel aus beiden Töpfen können miteinander kombiniert werden: Wer nur die Kurzzeitpflege in Anspruch nimmt, kann hierfür auch das gesamt Budget für die Verhinderungspflege abrufen und den Leistungsanspruch auf 3.224 Euro aufstocken. Umgekehrt können Versicherte, die sich für die Verhinderungspflege entscheiden, auch das Budget für die Kurzzeitpflege nutzen - in diesem Fall allerdings nur zu maximal 50 Prozent, was den Leistungsbetrag auf 2.418 Euro pro Kalenderjahr begrenzt.

Mit welchem zeitlichen Vorlauf ist zu rechnen?

Bei der Urlaubsplanung empfiehlt es sich, antizyklisch zu denken: Die Mehrheit der Deutschen macht in den Sommer- und in den Weihnachtsferien Urlaub. Und so sind zu diesen Zeiten auch die Pflegedienste und Kurzzeitpflegeheime in ihren Kapazitäten eingeschränkt. Leichter wird die Suche nach alternativer Pflege außerhalb der Ferienzeiten.

 Mein Tipp

"Ich kann allen pflegenden Angehörigen nur empfehlen, sich diese von der Pflegekasse finanzierte Auszeit zu nehmen. Sie können Energie auftanken und einmal Abstand zum Pflegealltag gewinnen. Auch für Pflegebedürftige ist die Ersatz- oder Kurzzeitpflege oft eine interessante und bereichernde Erfahrung. Gerade die Kurzzeitpflege bietet sich an, um unverbindlich und für kurze Zeit das Wohnen im Heim kennenzulernen."

Jürgen Griesbeck, Produktverantwortlicher Homecare-Eldercare, pme Familienservice Gruppe

 

pme Familienservice Gruppe – Ihr EAP-Anbieter seit 1991

Im Auftrag von mehr als 900 Arbeitgebern unterstützt die pme Familienservice Gruppe Beschäftigte, Beruf und Privatleben gelingend zu vereinbaren und mit freiem Kopf arbeiten zu können.
Die pme Familienservice Gruppe steht Berufstätigen bei Krisen zur Seite, z.B. bei Konflikten am Arbeitsplatz, Sucht- oder Partnerschaftsproblemen. Mit einem Homecare-Eldercare-Service entlastet sie Berufstätige bei der Organisation und Finanzierung von Pflegedienstleistungen und bietet psychosoziale Unterstützung. Im Rahmen der pme Akademie werden Seminare, Workshops und Coachings zum Themenkomplex Personalführung und Personalentwicklung angeboten.
Mehr über die pme Familienservice Gruppe erfahren Sie hier: www.familienservice.de/wer-wir-sind

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