zu Zu sehen ist der Arzt Dr. Christoph Keining
Body & Soul

Müde, antriebslos, keine Libido: Fehlt Testosteron?

Testosteron ist eines der meist diskutiertesten Hormone unserer Zeit: mal als „Jungbrunnen" gefeiert, mal als Doping-Mittel verteufelt. Dr. Christoph Keining beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Evidenz hinter dem Hype – und erklärt im Interview, wann ein Mangel wirklich behandelt werden sollte, warum Männer seltener zur Vorsorge gehen und was das mit mentaler Gesundheit zu tun hat. Es kurbelt die Dopaminproduktion an. Dopamin sorgt dafür, dass man Lust hat, Dinge zu erledigen. 

​​​​​​​"Früher wurde es als Doping-Mittel verteufelt"

Wie kam es dazu, dass Sie sich auf das Thema Testosteron spezialisiert
haben?

Dr. Christoph Keining: „Testosteron polarisiert ziemlich: Einerseits wird es aktuell fast wie ein Mythos gehandelt: Social Media ist voll von Jungbrunnen- und Anti-Aging-Versprechen. Früher wurde es dagegen eher verteufelt, als Doping-Mittel gebrandmarkt. Die Wahrheit liegt wie so oft dazwischen: Testosteron ist bei weitem keine Wunderpille, sondern ein Medikament wie jedes andere mit Wirkungen und
Nebenwirkungen.

Es gilt gut zu differenzieren, wer davon wirklich profitiert. Für mich war es die Aufgabe, in die Evidenz einzutauchen und zu schauen, was die Studien wirklich sagen. Ich bin außerdem systemischer Therapeut und Paartherapeut, und das Hormonelle ist dabei ein Puzzleteil – das darf nicht überbewertet, aber auch nicht vernachlässigt werden."

Was bedeutet es eigentlich, wenn man zu wenig oder zu viel Testosteron im Körper hat?

Dr. Christoph Keining: „Ich fange mit dem Mangel an: In der Medizin gibt es den Spruch 'Don't treat the lab, treat the patient.' Wir wollen keine Laborwerte behandeln, sondern Symptome. Ein niedrig gemessener Wert ist für mich erstmal keine Behandlungsindikation – nur wenn Symptome dazukommen und zum Wert passen, wird ein Schuh draus.

Die Symptome sind oft generalisiert: Müdigkeit, Erschöpfung, Libidoverlust, Depression, Burnout – viele Differentialdiagnosen überlappen sich. Aber: In den letzten Jahren sind gute Studien erschienen, die zeigen, dass ein unbehandelter Mangel das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall relevant erhöht. Früher hatte man die gegenteilige Sorge. Heute weiß man: Wer im Mangel ist, für den kann der Ausgleich sogar präventiv sinnvoll sein.

Ein Zuviel dagegen – also superphysiologische Werte – erreicht man eigentlich nur durch Doping, in viel höherer Dosierung als in einer medizinisch indizierten Ersatztherapie.

Bei Frauen käme eine Überproduktion kaum natürlich vor; wenn doch, würde ich auf Ursachenforschung gehen. Eine Überdosierung dagegen zeigt sich durch Bluthochdruck, Wassereinlagerungen, Brustwachstum bei Männern, Leberwertveränderungen oder Stimmungsschwankungen – deshalb ist
engmaschiges Monitoring entscheidend."

Es gibt die Diskussion, ob man die weiblichen Wechseljahre mit einer
männlichen „Andropause" vergleichen kann?

Dr. Christoph Keining: „In gewissen Bereichen kann man das vergleichen. Es gibt sowas wie eine Andropause, aber nicht jeder Mann mit niedrigem Testosteronwert hat automatisch Symptome – während es bei Frauen eine absolute Rarität ist, komplett symptomfrei durch diese Lebensphase zu gehen.

Aber auch Männer können vergleichbare Symptome haben: Libidoverlust, veränderte Körperzusammensetzung, mehr viszerales Bauchfett, Kraftlosigkeit, Brain Fog, schnellere Erschöpfbarkeit, Gereiztheit. Und ja – das ist ein Mythos: Ein Zuviel an Testosteron macht nicht aggressiv. Das Gegenteil ist der Fall: Der Mangel macht gereizt und aggressiv."

Wann sollte man sich Gedanken machen, einen Mangel
abklären zu lassen?

Dr. Christoph Keining: „Spätestens dann, wenn man das Gefühl hat: Ich fühle mich nicht mehr wie früher, irgendwas stimmt nicht. Dann lohnt es sich, die Differentialdiagnosen anzugucken: Woher kommt die Müdigkeit, der Antriebsmangel, die fehlende Libido? Die klassischen testosteronassoziierten Symptome sind Libido, Erektionsqualität und Morgenerektion – aber isoliert betrachtet ist das noch kein
Grund zur Sorge.

Erst wenn mehrere Symptome zusammenkommen, macht eine Abklärung Sinn. Und interessant: Auch junge Patienten Anfang 30 können einen echten Mangel haben – das wird oft unterdiagnostiziert, weil gesagt wird: 'Du bist doch noch jung, das kann bei dir gar nicht sein.'"

Woran liegt es, dass gerade jüngere Männer zunehmend zu Ihnen in die Praxis
kommen?

Dr. Christoph Keining: „Das ist definitiv multifaktoriell. Industriell verarbeitete Lebensmittel, viel Stress, sitzende Tätigkeit, wenig Sport, mehr metabolische Erkrankungen wie Diabetes – all das lässt die Werte sinken. Wer abnimmt, Sport treibt, besser schläft und den Stress reduziert, bei dem steigen die Werte oft von selbst wieder, ganz ohne Ersatztherapie.

Aber: Auch junge Menschen mit gesundem Lebensstil können einen echten Hypogonadismus haben (eine hormonelle Unterfunktion, bei der der Körper nicht ausreichend eigenes Testosteron produziert und dadurch entsprechende Beschwerden entstehen können). Die muss man rausfischen und behandeln."

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es – und was unterscheidet Ihren Ansatz?

Dr. Christoph Keining: „Klassisch gibt es in Deutschland ein Gel und ein Depotpräparat, das alle paar Wochen gespritzt wird. Das Problem dabei: starke Spiegelschwankungen. Erst steigt der Wert sehr hoch an, fast Richtung Doping, dann sinkt der Spiegel wieder ab, bis die Symptome zurückkommen. Das ist wie eine Achterbahn.

Ich arbeite stattdessen mit einem Testosteron-Ester – einer Form von Testosteron, bei der durch die chemische Bindung an einen sogenannten Ester gesteuert wird, wie schnell der Wirkstoff im Körper freigesetzt und abgebaut wird.

Je nach Ester unterscheiden sich dadurch Halbwertszeit und Wirkdauer – es gibt also kurz- und
länger wirksame Formen von Testosteron. Das von mir verwendete Präparat wird zweimal wöchentlich injiziert, sodass der Spiegel konstant bleibt. Meine Erfahrung: Damit erreiche ich echte Symptomfreiheit, nicht nur Linderung."

"Man hat wieder Lust, Dinge zu erledigen" 

Welche Mythen über Testosteron halten sich hartnäckig?

Dr. Christoph Keining: „Dass es nur ein Dopingpräparat für Bodybuilder ist. Dass es Prostatakrebs oder Herzinfarktrisiko fördert, das ist durch neuere Studien eindeutig widerlegt. Und: Viel Testosteron macht nicht automatisch eine gute Erektion, das hängt auch vom Östrogen ab – aber ausreichend Testosteron macht definitiv viel Libido.

Die Hauptwirkung ist aus meiner Sicht übrigens eine psychische: Es kurbelt die Dopaminproduktion an. Dopamin sorgt dafür, dass man Lust hat, Dinge zu erledigen – das Gegenteil von Prokrastination."

Ein großes Thema ist, dass Männer seltener zur Vorsorge gehen als
Frauen. Woran liegt das aus Ihrer Sicht?

Dr. Christoph Keining: „Das ist eine gute Frage, auf die ich keine einfache Antwort habe. Möglicherweise ein altes Rollenbild: Frauen werden durch die Gynäkologie früh ins Gesundheitssystem integriert. Bei Männern fehlt dieses Grundverständnis oft. Und da muss man auch unsere Profession hinterfragen: Schaffen wir es, Männer gut genug abzuholen? Klassisch ist: Der Mann kommt, weil die Partnerin ihn geschickt hat.

Das Thema psychische Gesundheit spielt dabei eine riesige Rolle – die Suizidrate bei Männern ist deutlich höher, und ich glaube, das liegt auch daran, dass Verbundenheit und Kommunikation zwischen Männern zu wenig stattfinden. Initiativen wie der „Movember“*, bei denen in England sogar in Pubs über Vorsorge
gesprochen wird, finde ich deshalb total sinnvoll – auch wenn das erst ein Anfang
ist."

Was wünschen Sie sich für die Zukunft – in der Forschung, aber auch
gesellschaftlich?

Dr. Christoph Keining: „ „Rein medizinisch sehe ich spannende Entwicklungen bei den GLP-1-Agonisten –
den sogenannten Abnehmspritzen –, die bei starkem Übergewicht das Risikoprofil
insgesamt verbessern können, sodass manchmal gar keine Testosteronersatztherapie mehr nötig ist. Mein eigentlicher Wunsch wäre aber: mehr Männergruppen, mehr Orte wie im Fußballstadion oder in Pubs, an denen offen über Gesundheit gesprochen wird. Das kann präventiv enorm viel verändern, einfach weil
ein Bewusstsein geschaffen wird."

Vielen Dank für das Gespräch!

*Movember ist eine im November stattfindende internationale Kampagne, bei der Männer sich einen Schnurrbart wachsen lassen, um Aufmerksamkeit und Spenden für Männergesundheit zu sammeln. Der Fokus liegt auf der Sensibilisierung für die Prostata- und Hodenkrebs-Vorsorge, psychische Gesundheit und Suizidprävention. Sie setzt bewusst auf niedrigschwellige, community-nahe Gespräche (z. B. in Pubs statt in der Arztpraxis), um Männer zu erreichen, die sonst selten über Gesundheit sprechen.
 

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FAQ: Testosteronmangel

1. Wann sollte ich einen Testosteronmangel abklären lassen?

Dr. Christoph Keining: "Spätestens dann, wenn man das Gefühl hat: Ich fühle mich nicht mehr wie früher, irgendwas stimmt nicht. Dann lohnt es sich, die Differentialdiagnosen anzugucken: Woher kommt die Müdigkeit, der Antriebsmangel, die fehlende Libido?" Isoliert betrachtet ist ein einzelnes Symptom noch kein Grund zur Sorge — erst wenn mehrere Symptome zusammenkommen, macht eine Abklärung Sinn .

2. Macht ein hoher Testosteronspiegel aggressiv?

Dr. Christoph Keining: "Das ist ein Mythos: Ein Zuviel an Testosteron macht nicht aggressiv. Das Gegenteil ist der Fall: Der Mangel macht gereizt und aggressiv" .

3. Erhöht eine Testosteronersatztherapie das Risiko für Herzinfarkt oder Prostatakrebs?

Dr. Christoph Keining: "Dass es Prostatakrebs oder Herzinfarktrisiko fördert, das ist durch neuere Studien eindeutig widerlegt." Im Gegenteil: Ein unbehandelter Mangel erhöht das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall relevant.

4. Können auch junge Männer Anfang 30 einen echten Mangel haben?

Dr. Christoph Keining: "Auch junge Patienten Anfang 30 können einen echten Mangel haben – das wird oft unterdiagnostiziert, weil gesagt wird: 'Du bist doch noch jung, das kann bei dir gar nicht sein.'" Das trifft laut Keining sogar auf Patienten mit gesundem Lebensstil zu .

5. Welche Therapieform empfiehlt Dr. Keining und warum?

Dr. Christoph Keining: "Das Problem bei Depotpräparaten ist, da geht einmal der Spiegel ganz, ganz weit hoch... dann sinkt der aber auch wieder so weit ab... dann sind die eher wie auf so einer Achterbahn." Statt des klassischen Depotpräparats (Spritze alle 2 Wochen) arbeitet er mit einem Testosteron-Ester, der zweimal wöchentlich injiziert wird. Sein Fazit: "Damit erreiche ich echte Symptomfreiheit, nicht nur Linderung" .

6. Was ist die Hauptwirkung von Testosteron aus Sicht von Dr. Keining?

Dr. Christoph Keining: "Die Hauptwirkung ist aus meiner Sicht eine psychische: Es kurbelt die Dopaminproduktion an. Dopamin sorgt dafür, dass man Lust hat, Dinge zu erledigen – das Gegenteil von Prokrastination" .

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Du hast Fragen vorab? Wirf gerne einen Blick in unsere FAQs.

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  1. Sitzhaltung: Setze dich aufrecht auf einen Stuhl, die Füße stehen parallel auf dem Boden.
  2. Handplatzierung: Positioniere die Hände auf den Oberschenkeln oder Knien.
  3. Einatmen - Kuh-Position: Hebe den Brustkorb leicht an – senke den Bauch nach vorne – rolle die Schultern nach hinten und unten – schaue nach oben, um den Hals zu verlängern.
  4. Ausatmen - Katzenposition: Runde den Rücken nach oben, wie eine Katze, die sich streckt – lass den Kopf nach unten sinken, um die Wirbelsäule zu krümmen – spanne die Bauchmuskeln an.
  5. Wiederholung: Wechsle im Atemrhythmus zwischen der Kuh- und der Katzenposition.

Diese angepasste Version auf dem Stuhl ermöglicht eine sanfte Dehnung der Wirbelsäule und fördert die Beweglichkeit, auch wenn du nicht auf dem Boden sitzen kannst. Beachte jedoch, dass es wichtig ist, auf deinen Körper zu hören und die Übung in einem Bereich durchzuführen, der für dich angenehm ist.

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Unsere beliebte Yoga-Stunde am Dienstagabend ist ab sofort auf YouTube verfügbar. Ein Einstieg ist jederzeit möglich. Um sicherzustellen, dass du immer auf dem Laufenden bist, abonniere einfach unseren YouTube-Kanal und klicke auf die Benachrichtigungsglocke. So wirst du benachrichtigt, sobald ein neues Video veröffentlicht wird. 

Termin: Ab sofort bis 31.12.26, jeweils dienstags von 20:00 bis 21:30 Uhr
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Kontakt: veranstaltungen@familienservice.de
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