Frau konzenrtriert sich und macht eine Schmetterlingsumarmung
Psyche

Schmetterlingsumarmung: Akuthilfe bei Stress oder Angst

Schweißausbruch, Herzrasen, Schwindel, akutes Überforderungsgefühl: Immer wieder gibt es Situationen im Alltag oder im Berufsleben, die enorme Stressgefühle oder Angstzustände auslösen können. Wir zeigen Ihnen mit der Schmetterlingsumarmung eine ebenso einfache wie wirksame Erste Hilfe-Übung für den Akutfall.

​​​​​​​​​​​​​Zusammenfassung: Was ist die Schmetterlingsumarmung?

Die Schmetterlingsumarmung, auch Butterfly Hug genannt, ist eine einfache Übung zur Selbstberuhigung bei akuter Anspannung, Stress oder Angst. Dabei werden die Arme vor der Brust gekreuzt und die gegenüberliegenden Schultern abwechselnd sanft beklopft. Die Übung kann helfen, die Aufmerksamkeit wieder stärker auf den eigenen Körper und den gegenwärtigen Moment zu richten.

Gesundheitsimpulse mit unseren 5-Minuten-Übungen

Die Schmetterlingsumarmung ist eine einfache Selbsthilfeübung. Sie ersetzt keine medizinische oder psychotherapeutische Behandlung. Wenn sich Angst oder belastende Erinnerungen durch die Übung verstärken, beenden Sie sie bitte.

Unsere 5-Minuten-Übungen geben Ihnen Impulse für mehr Entspannung, Ausgleich, Aktivität und Wohlfühlmomente in Ihrem Job- und Privatalltag. Sie ersetzen nicht die professionelle Hilfe durch Berater:innen und Psycholog:innen. Bitte lassen Sie sich bei dauerhafter Niedergeschlagenheit, anhaltendem überproportionalem Stress und tiefergehenden mentalen Problemen professionell beraten, beispielsweise vom pme Lebenslagencoaching.

Schmetterlingsumarmung: Akute Hilfe bei Stress und Panik

Sei es die Panik vor der wichtigen Pitch-Präsentation, eine fristlose Kündigung, ein enorm stressiger Tag ohne Zeit für eine Pause, der plötzliche Tod eines geliebten Menschen, ein starkes Unwetter während eines Fluges – die Liste der Trigger ist lang und die meisten von uns waren schon einmal an diesem einen Punkt, an dem nichts mehr ging. 

Wie schafft man es, diese durch akute Stresssituationen ausgelösten Panikzustände, schnell in den Griff zu bekommen? Die Schmetterlingsumarmung (engl. Butterfly Hug) oder auch Selbstumarmung ist eine wirksame Selbsthilfeübung, die Sie in Paniksituationen schnell und effektiv anwenden können und die zur schnellen Selbstberuhigung beitragen kann.

So geht die Schmetterlingsumarmung

  1. Suchen Sie sich einen ruhigen Platz.
  2. Setzen Sie sich entspannt auf einen Stuhl oder stellen Sie sich bequem hin.
  3. Legen Sie Ihre Hände so überkreuz auf ihre Brust, dass es sich angenehm für Sie anfühlt. Dabei zeigen die Finger immer Richtung Hals.
  4. Wenn Sie mögen, schließen Sie nun die Augen.
  5. Atmen Sie einmal tief durch die Nase ein und langsam wieder aus.
  6. Nun klopfen Sie abwechselnd mit beiden Händen auf die jeweils gegenüberliegende Schulter. Dabei ist die Frequenz nicht entscheidend, Sie klopfen so schnell oder langsam, wie Sie sich wohlfühlen.
  7. Akzeptieren Sie negative Gefühle und Emotionen. Versuchen Sie sich aber nach und nach auf sich selbst zu konzentrieren. Sagen Sie sich, dass Ihre Gefühle für diesen Moment okay sind. So steigern Sie Ihre Selbstliebe und -akzeptanz.
  8. Senken Sie Ihre Arme, wenn Ihr Körper signalisiert, dass es genug ist.

Woher kommt der Butterfly Hug?

Die Schmetterlingsumarmung wurde erstmals von den Traumatherapeuten Lucina Artigas und Ignacio Jarero eingesetzt. Sie hatten 1997 die Überlebenden des Hurricans Pauline in Mexiko betreut und dabei die Übung eingesetzt, um die traumatisierten Menschen emotional zu stabilisieren und psychisch zu unterstützen.

Seitdem wird sie von vielen Therapeut:innen vor allem im Umgang mit Traumata und Angststörungen effektiv eingesetzt. Da die Übung sehr leicht ohne professionelle Anleitung umzusetzen ist, lässt sie sich gut in den Alltag und das Berufsleben integrieren.

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FAQ: Häufige Fragen zur Schmetterlingsumarmung

Hilft die Schmetterlingsumarmung bei Panik?

Sie kann manchen Menschen dabei helfen, sich während eines starken Angst- oder Panikgefühls zu beruhigen und wieder stärker im gegenwärtigen Moment anzukommen. Bei wiederkehrenden Panikattacken oder starker Belastung ersetzt die Übung jedoch keine professionelle Unterstützung.

Wie lange sollte ich die Schmetterlingsumarmung durchführen?

Es gibt keine feste Dauer. Führen Sie die Übung so lange durch, wie sie sich angenehm und stabilisierend anfühlt. Wenn Ihr Unwohlsein zunimmt, beenden Sie sie.

Muss ich die Augen schließen?

Nein. Die Augen können geöffnet bleiben. Gerade in einer akuten Stresssituation kann es hilfreich sein, die Umgebung bewusst wahrzunehmen.

Ist die Schmetterlingsumarmung eine EMDR-Therapie?

Nein. Die Schmetterlingsumarmung ist eine einzelne Selbsthilfeübung, die im Zusammenhang mit EMDR beschrieben wird. Eine vollständige EMDR-Therapie erfolgt unter professioneller Anleitung.

Quellen

Artigas, L., & Jarero, I. (2010). The butterfly hug. In M. Luber (Ed.), Eye movement desensitization and reprocessing (EMDR) scripted protocols: Special populations (pp. 5–7). Springer Publishing Company.

null Helikoptereltern: Auswirkungen überfürsorglicher Erziehung

Ein Mädchen hängt überkopf vom Baum
Eltern & Kind

Was macht Helikopter-Eltern aus?

Die ängstliche Mutter, die ihr Kind überall mit dem Auto hinbringt und auch wieder abholt, der kontrollierende Vater, der die schulischen Leistungen ganz genau im Blick hat und kein Lehrergespräch scheut ...  

Während viele Eltern ihre Kinder unterstützen möchten, um ihnen den Weg zu ebnen, geraten sie häufig in die Rolle der „Helikopter-Eltern“. Diese überfürsorgliche Haltung, die meist aus eigenen Sorgen und Ängsten resultiert, kann jedoch die Entwicklung der kindlichen Selbstständigkeit stark beeinflussen. 

Ein Beitrag von Ramona Krämer, Elternberaterin und systemische Familientherapeutin beim pme Familienservice.

Was sind “Helikopter-Eltern”?  

Als „Helikopter-Eltern“ werden Eltern bezeichnet, die ständig in der Nähe ihrer Kinder sind und wie ein Helikopter um sie herum kreisen, um jederzeit eingreifen zu können, wenn sie glauben, dass ihr Kind Unterstützung oder Schutz benötigt. 

Der Erziehungsstil von Helikopter-Eltern zeichnet sich aus durch

  • Überinvolviertheit
  • Einschränkung der kindlichen Autonomie 
  • Überbehütung 
  • Schuldzuweisung gegenüber Dritten, z. B. wenn Erzieher:innen verantwortlich gemacht werden, wenn das eigene Kind Konflikte in der Kita hat.

Was ist der Unterschied zwischen Helikopter-Eltern und Rasenmäher-Eltern? 

Im Gegensatz zu Helikopter-Eltern versuchen Rasenmäher-Eltern, jede potenzielle Herausforderung oder Schwierigkeit frühzeitig – am besten bereits im Vorfeld – aus dem Weg zu räumen. Sie „mähen“ alle Hindernisse ab, bevor das Kind diesen begegnet. 

Beide Erziehungsstile sind von einer starken Überfürsorglichkeit geprägt, jedoch mit unterschiedlichem Ansatz: Helikopter-Eltern agieren reaktiver, während Rasenmäher-Eltern mehr im Voraus planen und handeln.

Was steckt dahinter, wenn Eltern überfürsorglich sind?  

Die Überfürsorglichkeit von Helikopter-Eltern entspringt oft aus ihren eigenen Ängsten heraus.

Meist gibt es Gründe für das überbehütende Verhalten der Eltern, die in ihrer Vergangenheit liegen und mit Erfahrungen – vor, während oder nach der Schwangerschaft – verbunden sind: beispielsweise eine lange Kinderwunschbehandlung, Komplikationen in der Schwangerschaft oder bei der Geburt, Frühgeburten, ebenso wie postpartale Depressionen oder auch die eigene Erziehung, mit der sie groß geworden sind. 

Gleichzeitig wird die Welt immer komplexer, und durch die mediale Berichterstattung erfahren wir von vielen Unglücken um uns herum und in der Welt, wodurch wir das Gefühl bekommen, dass die Welt gefährlicher und unsicherer für unsere Kinder ist. 

Der Wunsch nach Kontrolle entspringt oft dem Bedürfnis, etwas gegen die eigene Ohnmacht und Hilflosigkeit zu tun.
 

Wir überschätzen die Wahrscheinlichkeit von Ereignissen! 

In der Psychologie spricht man von der Verfügbarkeitsheuristik: eine verkürzende, kognitive Schlussfolgerung, bei der die Wahrscheinlichkeit von Ereignissen je nach Aktualität und Lebendigkeit in der Erinnerung eingeschätzt wird. 

Das bedeutet: Tragische Nachrichten brennen sich ein, führen zu einem erhöhten Risikogefühl und somit zu Fehleinschätzungen und Urteilsfehlern. Folge sind oft verstärkte Schutzmaßnahmen 

Welche Auswirkungen haben Helikopter-Eltern auf ihre Kinder?  

Der überbehütende Erziehungsstil führt dazu, dass Kinder ängstlich werden und selbst Phobien oder Ängste entwickeln können.

Bevor Kinder eigene Erfahrungen sammeln können, verlassen sie sich auf die Erfahrungswerte ihrer Bezugspersonen. Diese Art von Erfahrungsübertragung ist sehr langlebig, im Gegensatz zu anderen Lernweisen, die schnell verblassen, wenn sie nicht wiederholt werden.

Phobien und Ängste, wie z. B. die Angst vor Spinnen oder dem Zahnarzt oder Verlustangst, werden von der primären Bezugsperson auf ihre Kinder übertragen. Das passiert auf nonverbaler Ebene, durch Mimik, Gestik, Geruch. 

Was hilft? Die eigene Angst benennen und offenlegen! 
 

Machen Sie den Realitätscheck!

Tauschen Sie sich mit anderen Eltern oder Ihrer/Ihrem Partner:in aus: 

- Gibt es reale Gefahren oder ist es eine gefühlte Unsicherheit? 

- Was ist Kindern in diesem Alter zuzutrauen? 

- Wie handhaben Sie das? 

- Haben Sie ähnliche Ängste?

 

ABER das elterliche Vorbild entscheidet nicht alleine darüber, ob ein Kind Ängste entwickelt. Hierbei spielen auch genetische, biologische und soziokulturelle Einflüsse eine Rolle. 

Beispiel 1: Eine ängstliche Mutter begrenzt den Bewegungsfreiraum ihres abenteuerlustigen Sohnes, was zu häufigen Konflikten führt. Obwohl die mütterliche Angst oft spürbar ist, überträgt sie sich vermutlich nicht direkt auf den Sohn. 

Beispiel 2: Ein eher vorsichtiges Kind wird von seinen Eltern in seiner Selbstständigkeit stark eingeschränkt. Es traut sich immer weniger zu, Herausforderungen alleine zu meistern, und lernt nicht,  Handlungsfähigkeit zu entwickeln. 

Wie verhalten sich Kinder von Helikopter-Eltern? 

Die Überfürsorglichkeit der Helikopter-Eltern hat einen starken Einfluss auf die Entwicklung ihrer Kinder. Das zeigt sich sowohl in der Motorik, bei der Einschätzung von Risiken und in der Frustrationstoleranz.

Der Einfluss auf die motorische Entwicklung und Risikobewertung der Kinder

Die Unfallkasse Hessen hält in ihrer Schriftreihe “Mehr Sicherheit durch Bewegung” fest, dass Kinder, die sich frei bewegen dürfen, weniger Unfälle haben. Kinder brauchen die freie Bewegung und den Raum, selbst Erfahrungen machen zu können.

Sie brauchen Herausforderungen, Grenzerfahrungen und Erlebnisse des Scheiterns, um zu lernen, Risiken richtig einzuschätzen und Selbstvertrauen zu entwickeln.

Der Einfluss auf die Resilienz und Frustrationstoleranz der Kinder 

Überbehütete Kinder, die während des Aufwachsens kaum negative Emotionen, Konsequenzen und Frust spüren, entwickeln weniger Selbstwirksamkeit und leiden häufiger unter Angststörungen, zeigen die Studien der Universität Stanford (2021) sowie der Florida Atlantic Universität (2023).  

Umso wichtiger ist es, dass Kinder früh und altersgerecht lernen, mit Frustrationen, Ungerechtigkeit, Konflikten oder auch Unfällen umzugehen. 

Wie können wir unsere Kinder starkmachen? 

Eltern – und gerade Helikopter-Eltern – müssen lernen, die eigenen Ängste und Sorgen auszuhalten.  

Statt das eigene Kind mit gutgemeinter Überfürsorglichkeit einzuschränken, müssen Kinder in ihrer Selbstständigkeit unterstützt werden. Auf diese Weise können sie Krisenkompetenzen entwickeln und lernen, sich selbstständig zu behaupten.  

Das bestätigt auch die Studie der Florida Atlantic Universität (2023), die belegt, dass Kinder und Jugendliche, die viel Zeit mit freiem und auch riskantem Spiel verbringen und es gewohnt sind, Probleme ohne elterliche Anleitung zu lösen, mental zufriedener sind. 

Daher ist es wichtig, dass Eltern die Selbstwirksamkeit und Resilienz ihres Kindes fördern und ihm den benötigten Freiraum geben.

5 Tipps, wie Sie ein gesundes Maß an Fürsorge finden

1. Sehen Sie Fürsorge als Unterstützung zur eigenständigen Entwicklung Ihres Kindes. Das langfristige Ziel von Eltern sollte es sein, sich selbst entbehrlich zu machen. Schließlich wollen wir, dass unsere Kinder, wenn sie ausziehen, ihr Leben alleine regeln können. 

2. Helfen Sie Ihrem Kind nur, wenn es danach fragt.  

3. Stellen Sie Ihrem Kind Fragen, statt direkt Antworten zu geben und so einen Lösungsweg vorwegzunehmen. 

4. Nehmen Sie Ihrem Kind Herausforderungen nicht ab, sondern unterstützen Sie es, selbst eine Lösung zu finden. 

5. Unterstützen Sie immer nur so lange, bis der Punkt erreicht ist, an dem Ihr Kind alleine übernehmen kann. 

""Die Aufgabe der Eltern besteht darin, ihr Kind nur so lange zu unterstützen, bis das Kind allein übernehmen kann – nicht dem Kind alles abzunehmen oder die Herausforderungen aus dem Weg zu räumen." - Ramona Krämer, Elternberaterin pme Familienservice

Die pme-Elternberatung

Unsere Elternberater:innen begleiten Eltern in allen Fragen von der Schwangerschaft bis zum Erwachsenwerden des Kindes.  

Persönlich und vertraulich: Wir sind online, telefonisch und vor Ort für Sie da. Mehr Informationen finden Sie auf der Seite der pme Elternberatung.