zu sehen sind Ordnungscoachin Sarah Kiefer und Podcast-Host Oliver Schmidt
Psyche

#53: Wenn du einfach nicht aufräumen kannst: Ordnungscoachin über die Ursachen

Viele Menschen können einfach nicht aufräumen. Der Grund ist meistens nicht Faulheit, sondern chronische Erschöpfung, ADHS oder festgefahrene Muster. In Folge 53 erklärt Ordnungscoachin Sarah Kiefer, warum „Messi“ oft fehlinterpretiert wird und welche kleinen, praktischen Methoden (Mini‑Schritte, Zeitboxen, Bodydoubling) echten Alltagserfolg bringen.

„Ich kann einfach nicht aufräumen". Diesen Satz hört Ordnungscoachin Sarah Kiefer von Ordnungswelt fast täglich. Wer nicht aufräumen kann, ist nicht unbedingt bequem und umgekehrt sind viele Gründe fürs "Nicht-Aufräumen-Können" unsichtbar. Erschöpfung nach Arbeitstagen, ADHS-Typiken, Long-Covid oder Depressionen führen dazu, dass Entscheidungen, Planung und das Halten von Routinen schwerfallen.

In diesem Podcast erfährst du: 

  • Warum "ich kann einfach nicht aufräumen" oft kein Charakterzug ist, sondern ein Symptom
  • Was chronische Desorganisation und „Messy/Hoarding“-Verhalten unterscheiden
  • Wie Erschöpfung, ADHS, Long‑Covid oder Depression das Aufräumen erschweren
  • Wie Scham und Social‑Media‑Vergleiche das Problem verschärfen
  • Typische Muster: Alles‑oder‑nichts, Planungs‑ und Entscheidungsblockaden
  • Priorisieren: Wo hilft Aufräumen wirklich im Alltag?
  • Methoden: Bodydoubling, Club‑Sessions, kurze Zeitfenster und Impulse
  • Priorisieren: Wo hilft Aufräumen wirklich im Alltag?
  • Wann therapeutische Unterstützung nötig ist und wie Coach:innen vermitteln

Auszug aus dem Podcast-Interview mit Ordnungscoachin Sarah Kiefer: 

"Tipps oder einzelne Auktionen helfen selten dauerhaft" 

Oliver Schmidt: Sarah, was versteht man unter „chronischer Desorganisation“ — und wodurch unterscheidet sich das von normaler Unordnung, die alle mal haben?

Sarah Kiefer: Chronische Desorganisation bedeutet, dass Menschen über lange Zeiträume nicht wissen, wo sie anfangen sollen. Es ist nicht nur ein gelegentliches Chaos nach einem stressigen Tag, sondern ein dauerhaftes Muster: das ganze Zuhause hat keinen festen Platz, Betroffene fühlen sich überwältigt und können nicht einschätzen, wie sie ein Projekt angehen sollen.

Häufig liegen neurodivergente Belastungen (z. B. ADHS), gesundheitliche Einschränkungen wie Long‑Covid oder psychische Erkrankungen wie Depressionen zugrunde. Deshalb helfen einfache Tipps oder einzelne Aufräumaktionen selten dauerhaft. Die Ursachen wirken tiefer und erfordern oft begleitende Strategien.

Wie unterscheidet sich das sogenannte „Messi‑Syndrom“ davon? Oder ist das nur ein extremes Beispiel von Unordnung?

Sarah Kiefer: Das, was im Deutschen oft „Messi‑Syndrom“ genannt wird, entspricht eher dem Begriff „hoarding disorder“ im Englischen. Das ist eine Form der chronischen Desorganisation, bei der das Problem vor allem im Nicht‑Loslassen‑Können liegt: Menschen entwickeln sehr enge, emotionale Beziehungen zu Gegenständen, können Dinge nicht weggeben und sammeln übermäßig.

Bei diesen Fällen hilft reines Aufräumen oft nicht und kann sogar schädlich sein, wenn die betroffene Person nicht psychotherapeutisch begleitet wird. Wichtig ist außerdem: ähnliche Wohnverhältnisse können aus ganz anderen Gründen entstehen — etwa durch Depression oder Erschöpfung — und erfordern jeweils unterschiedliche Zugänge.

Medien greifen das Thema gern pauschal auf und stempeln alles als „Messi“, dabei sind die Ursachen sehr verschieden.

Welche typischen Verhaltensmuster siehst du bei Menschen mit ADHS oder ähnlichen Herausforderungen. Warum führt das so häufig zu anhaltender Unordnung?

Sarah Kiefer: Bei Menschen mit ADHS und verwandten Herausforderungen sind einige Muster besonders häufig: Probleme mit Priorisierung und Planung, das „Alles‑oder‑Nichts‑Denken“ und fehlende Routinen. Viele denken: „Wenn ich es nicht richtig machen kann, fange ich lieber gar nicht erst an.“

Dazu kommt die Schwierigkeit, Aufwand und Dauer eines Projekts realistisch einzuschätzen, Entscheidungen zu treffen und beim ersten Hindernis dranzubleiben. Perfektionismus spielt manchmal mit: wenn der Schrank nicht perfekt einsortiert werden kann, bleibt die Wäsche liegen.

Energiemangel und Erschöpfung verstärken das. Wer am Ende des Tages kaum noch kognitive Ressourcen hat, schafft die zusätzlichen Entscheidungen nicht.

Du sagst „Ordnung heißt wissen, wo etwas ist“. Kannst du das konkretisieren? Wie muss man Ordnung denken, damit sie im Alltag wirklich hilft?

Sarah Kiefer: Ja, für mich heißt Ordnung primär funktional wissen, wo etwas ist, und es schnell wiederfinden. Ästhetik kommt danach. Praktisch heißt das: feste Plätze für Alltagsdinge (Schlüssel, Geldbörsen, wichtige Papiere), Abläufe bewusst machen (z. B. wo landet die Post, wie geht eine Rechnung vom Briefkasten bis zur Zahlung) und kleine, praktikable Lösungen einbauen (ein Regal für Jogginghosen neben der Tür, ein beschrifteter Korb).

Wichtig ist, das eigene Nutzungsverhalten zu beobachten: Wann und wie benutzt du bestimmte Dinge? Daraus ergibt sich, wo etwas sinnvoll aufgehoben wird. Ziel ist, den Alltag zu vereinfachen, nicht ein perfektes Instagram‑Bild zu erzeugen.

In Partnerschaften entstehen ja oft Konflikte wegen unterschiedlicher Ordnungsbedürfnisse. Wie kann man das praktisch lösen?

Sarah Kiefer: Das beginnt mit Kommunikation und Rollenklärung: offen benennen, wer welche Rolle im Haushalt übernimmt und wie sich beide dabei fühlen. Oft hilft es, gemeinsam Prozesse sichtbar zu machen und Bereiche zu beschriften — das entlastet die Person, die bisher alles im Kopf behalten hat.

Vorleben funktioniert besser als Belehren: wer zuerst für sich kleine Regelungen umsetzt, kann die Partnerin oder den Partner eher mitnehmen. Konkrete Regeln (z. B. wer macht was in der Küche) und humorvolle Vereinbarungen (bei uns darf der zweite nicht mehr in die Küche, wenn der erste schon kocht) können Konflikte entschärfen.

"Wir arbeiten in kleinen, messbaren Schritten"

Ihr bietet unter anderem „Body‑Doubling“ an — was ist das genau und wie hilft es Menschen beim Aufräumen?

Sarah Kiefer: Body‑Doubling bedeutet, dass Menschen gleichzeitig an ihren eigenen Aufgaben arbeiten:  physisch zusammen oder digital per Video. Alle starten zur gleichen Zeit, arbeiten still und tauschen anschließend kurz ihre Erfahrungen.

Das erzeugt Verbindlichkeit und einen sozialen Rahmen: die Anwesenheit anderer motiviert und reduziert Aufschiebeverhalten. In unserem Ordnungswelt-Club kombinieren wir das mit kurzen Impulsen (z. B. eine Methode oder Musik zum Aufräumen), dann eine stille Umsetzungsphase von 45–60 Minuten und ein kurzes Abschluss‑Feedback. Das hilft, realistische Ziele zu setzen und tatsächlich dranzubleiben.

Papierkram und finanzielle Ordnung sind bei vielen Menschen ein besonders belastendes Thema. Wie geht ihr das an?

Sarah Kiefer: Papiere sind oft emotional schwer, weil mit ihnen Aufgaben, Sorgen und Scham verbunden sind (z. B. unbezahlte Rechnungen, fehlende Formulare). Wir klären zuerst den Prozess: Wie kommt Post rein, wie wird sie geprüft, bezahlt und abgelegt?

Dann arbeiten wir in kleinen, messbaren Schritten: zum Beispiel eine definierte Zentimeterhöhe des Stapels pro Session abarbeiten. Damit haben Betroffene Erfolgserlebnisse. Wenn es um echte Finanzplanung geht, ziehen wir spezialisierte Kolleginnen hinzu oder empfehlen Finanzcoaching, weil das Fachwissen oft erforderlich ist.

In welchen Fällen verweist ihr weiter an Psychotherapeutinnen oder Fachärztinnen?

Sarah Kiefer: Wir arbeiten nach einem Verhaltenskodex und erkennen, wann Coaching nicht mehr ausreicht. Beispiele dafür sind ausgeprägte Zwangshandlungen (z. B. ständiges Händewaschen nach Berührung), tiefe Trauer, starke Angsterkrankungen oder sonstige psychische Erkrankungen, die das Aufräumen massiv verlangsamen oder verhindern.

In solchen Fällen vermitteln wir an Therapeutinnen oder psychosoziale Fachstellen. Gleichzeitig kann ein Ordnungscoaching aber das Gefühl erzeugen, „jetzt will ich mich auch therapeutisch damit befassen“. Dann unterstützen wir bei der Suche nach geeigneter Hilfe.

Kannst du ein konkretes Beispiel nennen, wo Ordnungsarbeit den Alltag maßgeblich verändert hat?

Sarah Kiefer: Ja. Ich erinnere mich an eine Kundin, deren Wohnzimmer „wie vor 20 Jahren“ aussah und die sich schämte. In mehreren Sessions haben wir klare Zonen geschaffen, vieles gespendet und praktische Lösungen implementiert (z. B. neue Haken, strukturierte Ablage).

Nach neun Stunden war vieles so weit geklärt, dass sie sich wieder in der Gemeinde engagieren konnte und mehr Zeit mit ihrem Sohn verbrachte. Für sie war es nicht nur ein sauberer Raum, sondern eine massive Erleichterung im Alltag und ein Abfallen von Ballast.

"Sammle Methoden und feiere Fortschritte"

Was ist dein erster, realistischer Tipp für Hörerinnen und Hörer, die sich wiedererkennen?

Sarah Kiefer: Mach es niedrigschwellig: nimm dir 30–60 Minuten und ein konkretes, messbares Ziel (z. B. fünf Zentimeter weniger Stapelhöhe, ein aufgeräumter Eingangskorb). Sammle Methoden, die bei dir schon mal funktioniert haben, und lege sie als persönliche Toolbox an.

Feiere kleine Fortschritte — akzeptiere, dass Leistung schwankt und dass es normal ist, nicht jeden Tag gleich zu funktionieren. Wer Unterstützung will, kann in ein strukturiertes Angebot wie unseren Club schauen oder professionelle Begleitung suchen.

Schützt eure vier Wände. Gestaltet sie so, dass sie euch guttun: gemütlich, bunt oder minimalistisch, wie ihr es braucht. Ihr macht die Regeln für euer Zuhause.

Heiter bis stürmisch - der Alltags-Podcast mit Olli Schmidt

Willkommen bei "Heiter bis stürmisch" – dem Alltags-Podcast. Himmelhoch jauchzend oder zu Tode betrübt: Das Leben hat Höhen und Tiefen. Genau darum geht es bei uns: um die alltäglichen Krisen wie Streit mit dem Partner oder der Partnerin, Erziehungsfragen, Überlastung im Job, Unsicherheiten und Angst. Wir sprechen mit Expert:innen und geben euch praktische Tipps an die Hand, damit ihr besser mit Krisen und Herausforderungen umgehen könnt.

Unseren Podcast gibt es auf allen bekannten Podcast-Plattformen zu hören (Spotify, Apple Music, Audible etc.)! Fragen, Anregungen, Kritik, Wünsche? Schreibt uns gerne an: podcast@familienservice.de

pme Familienservice – EAP-Beratung mit Familienservices & Akademie

Die pme Familienservice Gruppe ist einer der größten Anbieter für EAP-Beratung (Employee Assistance Programs) und Familienservices im deutschsprachigen Raum.

Seit über 30 Jahren begleiten wir Mitarbeitende und Führungskräfte dabei, Beruf und Privatleben zu vereinbaren – absolut vertraulich und an 365 Tagen im Jahr.

Mit der Work:Life-Akademie für Führungskräfte und Beschäftigte sowie der Mindance-App runden wir das EAP-Angebot ganzheitlich ab — für stärkere mentale Gesundheit, bessere Vereinbarkeit und leistungsfähigere Teams und Führungskräfte.

Mehr über die pme Familienservice Gruppe erfahren Sie hier.

null Gesundheitstag der Extraklasse: Das war der Health Day 2022

Speakerin Bastienne Neumann auf dem Health Day
Veranstaltung

Das war der Health Day 2022: Gesundheitstag der Extraklasse

Sechs Stunden Programm, 16 Top-Speaker:innen und 6.000 Zuschauer:innen – der Health Day bildet den fulminanten Abschluss zum 30-jährigen Geburtstag des pme Familienservice.

Gesundheit für jeden Geschmack

Die Mischung macht’s: Unterhaltsame und informative Vorträge von Top-Speaker:innen wie Frédéric Letzner, Dr. Matthias Manke, Gaby Köster und Michael „Curse“ Kurth zu den Themen körperliche Gesundheit, Mental Health, Achtsamkeit, Ernährung und Trends im Gesundheitsmanagement boten ein großartiges und abwechslungsreiches Programm für jeden Gesundheitsgeschmack. 

Pünktlich um 14 Uhr begrüßten pme-CEO Alexa Ahmad und Moderatorin Jessica Mina-Knopp die Zuschauer:innen live aus der pme Akademie in der Hamburger Hafencity. Was folgte war ein Gesundheitstag mit neuen Impulsen, spannendem Fachwissen und großartiger Unterhaltung. 

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Frédéric Letzner: Gesundheit geht auch sexy

Redner und Autor für Ernährungs- und Gesundheitspsychologie Frédéric Letzner startete mit seinem Vortrag zum Thema “Gesundheit geht auch sexy” und erörterte dabei die Frage, warum eigentlich so viele Menschen keine Lust auf das Thema Gesundheit haben und was man dagegen tun kann. Der Ernährungswissenschaftler, Buchautor und Speaker Letzner gab in seinem Vortrag interessante Einblicke in unsere kindlichen Prägungen und Ängste, wenn es etwa um gesunde Ernährung geht.

Mit seinem anschaulichen Plädoyer gegen das „Superheldentum“ am Arbeitsplatz rüttelte er die Teilnehmenden wach: „Die teuersten Mitarbeitenden sind die Superhelden, denn sie laufen irgendwann gegen die Wand“, so Letzner. Der Effizienzgedanke lässt sich ihm zufolge nicht mit der Gesundheit vereinbaren.

Wo es nur um das Funktionieren geht, sei keine Zeit für gesundes Essen und guten Schlaf. Als Mittel für ein gesünderes Leben präsentierte er die „4 G“: Geduld, Genuss, Genügsamkeit, Gelassenheit: Weg von Selbstoptimierung und Challenges, Schluss mit Multitasking, stattdessen Wertschätzung für sich selbst und die eigenen Prioritäten.


Der Opener: Frédéric Letzner gibt Vollgas.

Bastienne Neumann: Die Psyche isst mit

Ernährungswissenschaftlerin Bastienne Neumann folgte ihrem Vorredner auf dem Fuß. Bastienne Neumann hat selbst erlebt, wie Essen zu etwas werden kann, dass das Dasein bestimmt.

Als ehemalige Judoka hat sie es selbst erlebt: Um in ihrem Sport erfolgreich zu sein, musste sie gezielt zu- und abnehmen, Wettkampfphasen waren von Verzicht geprägt. Als verletzungsbedingt Schluss mit dem Sport war, gab es für sie kein Halten mehr. Sie kompensierte durch Essen und nahm insgesamt 25 Kilo zu. Um zu verstehen, was dahintersteckt, studierte sie Ernährungwissenschaften.

Der Gamechanger, wie sie es selbst bezeichnet, war aber die Ernährungspsychologie, also die Frage, warum wir essen, was wir essen. In ihren Vortrag beim Health Day regte sie die Teilnehmenden an, genau hinzuschauen: Warum greifen wir in stressigen Situationen zum Schokoriegel?

Warum gehen wir Punkt mittags in die Kantine, auch wenn wir keinen Hunger haben? Die Antwort: Essen ist mehr als Nahrung, es ist zum Beispiel Trostspender, Belohnung, verschafft uns eine Auszeit und dient dem Austausch mit anderen. Unvermeidlich im stressigen Alltag? Nein. In ihrem Vortrag stellte sie einen Koffer mit Ressourcen vor, die an die Stelle des Essens treten können. 

"Wenn Hunger nicht das Problem ist, dann ist Essen nicht die Lösung.“ (Bastienne Neumann)

 


Bastienne Neumann im Gespräch mit Moderatorin Jessica Mina-Knopp.

"Revierdoc" Matthias Manke: Wenn der Orthopäde Rücken hat

In seinem Vortrag stellte Revierdoc Dr. Matthias Manke auf dem Pott dar, wie wichtig Bewegung für den Körper ist. „Bewegen heißt Leben“ - das ist das Credo von „Revierdoc“ Matthias Manke. „Uns fehlt im Alltag der Bewegungsausgleich“, so Manke. Wo man nicht mehr das Haus verlassen muss, um einkaufen zu gehen oder Menschen kennenzulernen, kommt die Bewegung zu kurz.

Ganz praktisch widmete er sich den wichtigsten Problemzonen vieler Menschen, zum Beispiel dem Nacken, der oft überdehnt und verkrampft sei. Oder dem Beckenboden, um den sich entgegen landläufiger Meinung nicht nur Frauen nach einer Geburt kümmern müssten. „Beckenbodentraining ist die Lösung für eine stabile Körpermitte“, so Manke. Seinen unterhaltsamen Vortrag reicherte er durch Live-Übungen an, so etwa eine einfache Übung für einen starken Nacken oder eine Beckenbodenübung, die sich problemlos am Arbeitsplatz durchführen lässt.

"Uns fehlt im Alltag der Bewegungsausgleich.“ (Dr. Matthias Manke)


Revierdoc Dr. Mathias Manke ist einer der bekanntesten Orthopäden Deutschlands.

Trends im digitalen BGM - mit Pia Grocholl und Michèle Penz

Anschließend folgte eine echte Premiere. Pia Grocholl und Michèle Penz, die die neue Säule „Health“ des pme Familienservice in Doppelspitze leiten, stellten im Talk mit Moderatorin Jessica Mina-Knopp das neue BGM-Angebot des pme Familienservice vor und erläuterten, wo die Reise im digitalen BGM hingeht.

Gesundheit im Unternehmen sei ein riesiger Trend, so die Gesundheitsexpertinnen. Bei steigender Arbeitsbelastung und dem Fachkräftemangel biete ein BGM vielerlei Ansatzpunkte. Im Talk präsentierten sie die Kombination aus Verhältnisprävention und Verhaltensprävention, die den pme Health-Angeboten zugrundeliegt. Sich die Rahmenbedingungen und Strukturen anzuschauen ist ebenso wichtig wie die Frage, was der einzelne Mensch tun kann, um gesund zu bleiben bzw. zu werden.

Der Königsweg dabei sei der Blended-Ansatz: Via E-Learnings, Podcasts oder Artikel können sich Beschäftigte flexibel Inhalte aneignen, kombinierte Live-Interventionen wie Coachings sorgen für die nötige Verbindlichkeit. Ein interessanter Einblick, der mit dem Anspruch endete: Gesundheit soll Spaß machen!


Michèle Penz (links) und Pia Grocholl (Mitte) reden mit Moderatorin Jessica Mina-Knopp über Trends im digitalen BGM.

Trend-Talk: Gender im Gesundheitsmanagement

Drei Talkgäste, ein Ziel: Der nachfolgende Trend-Talk zum Thema Diversität im Betrieblichen Gesundheitsmanagement sollte ein Bewusstsein für Zielgruppen schaffen, die bisher noch unter dem Radar sind. Fee Reinoso, Gründerin von Vision Period , möchte Unternehmen dafür sensibilisieren, wie viel Potenzial und welche Ressource im weiblichen Zyklus steckt - ein  "Asset für die Wirtschaft", so Reinoso. Bisher würden die Bedürfnisse menstruierender Frauen komplett ignoriert. Sie wünscht sich von Unternehmen eine „mentrual Awareness“, also Akzeptanz und eine Infrastruktur, die auf die Bedürfnisse der Frauen eingeht.

Auch die Wechseljahre seien ein wichtiger „Businesscase“, ist Silke Burmester überzeugt. Die Journalistin und Buchautorin möchte ein neues Bild vom Altern etablieren. Burmester stellte fest, dass Wechseljahre vor allem mit einem Mangel in Verbindung gebracht werden. Dabei biete die Zeit oft ein unterschätztes Potenzial. „Da ist viel Power“, so Burmester. Oft hätten Frauen in dieser Phase mehr Zeit, weil die Kinder größer werden, sie wollen ihre Karriere fortsetzen und haben Lust, zu arbeiten. Mit ihrem Online Magazin “Palais Fluxx” bietet sie ein Informationsportal für Frauen ab 47 Jahren, die sich in Rausch, Revolte und Wechseljahren befinden.

Die Männer hatte schließlich Volker Baisch im Blick. Er ist Experte für das Thema Vereinbarkeit aus Vätersicht und findet, dass das Thema Männergesundheit auf den Radar von Unternehmen gehört. „Männer reden weniger über ihre Gesundheit oder psychische Belastungen als Frauen“, so Volker Baisch. Sie bräuchten zum einen andere Angebote, zum anderen müsse auch die Form und die Ansprache so verändert werden, dass Männer sich angesprochen fühlen.


Silke Burmester (links), Volker Baisch (Mitte) und Fee Reinoso (rechts) diskutieren angeregt über Diversität im BGM.

Gaby Köster: Mein Leben nach dem Schlaganfall

Manchmal liegen Freud und Leid nah beieinander. Wie im Fall von Gaby Köster. Im Interview mit Jessica Mina-Knopp erzählte die bekannteste Frau in der deutschen Comedy-Landschaft, wie sie einen schweren Schlaganfall auf dem Höhepunkt ihrer Karriere erlitt – mit 46 Jahren. Sie musste alles wieder lernen: Gehen, Sprechen, Autofahren, Weinen.

Noch heute, nach fast 15 Jahren, beeinträchtigen sie die Folgen des „Schlags“, wie sie ihn selbst nennt. Beim Health Day am 8. November 2022 sprach Gaby Köster darüber, wie sie durch den Schlaganfall ausgeknockt wurde – und wie sie sich Stück für Stück wieder zurück ins Leben und auf die Bühne gearbeitet hat. Was ihr dabei geholfen hat, ist ihr Humor: "Ich sehe auch im größten Chaos noch den Witz", sagt sie.

Auch wenn ihr heutiges Leben anders ist als das vor dem Schlaganfall, hat sie sich viele Freiheiten zurückerobert, zum Beispiel wieder alleine zu reisen. Ein inspirierender Beitrag von einer der humorvollsten Frauen Deutschlands, der nicht nur für spannende 30 Minuten sorgte, sondern auch für viele heitere Momente.


Comedy-Ikone Gaby Köster brachte gute Stimmung mit.

Diana Doko: Depressionen - Reden rettet Leben

Psychische Erkrankungen sind aufgrund der hohen Fehlzeiten in Unternehmen ein Thema, das bei einem Health Day selbstverständlich Beachtung finden muss. Diana Doko, Gründerin des „Freunde fürs Leben e.V.“ und Benthe Untiedt, Geschäftsführerin von Shit Show – Agentur für psychische Gesundheit klären über Depressionen auf.

Diana Dokos Motto lautet "Über Depressionen sprechen, rettet Leben!" Der Trägerin des Bundestverdienstkreuzes fehlen in Deutschland Aufklärungskampagnen zu Depressionen. Sie fordert daher, psychische Erkrankungen auf die gesundheitspolitische Agenda zu bringen und zu vermitteln, dass wir als Gesellschaft endlich offener über Depressionen und Suizid sprechen müssen – das kann Leben retten. Ziel ist, dass Signale besser erkannt und verstanden und Suizide verhindert werden. 

"Je mehr wir über das Thema Depression wissen und je mehr wir über Suizid wissen, desto besser können wir uns gegenseitig helfen." (Diana Doko)

 


Über Depressionen reden, rettet Leben", ist Diana Dokos Leitspruch.

Benthe Untiedt: Mentale Gesundheit zum Anfassen

Benthe Untiedt zeigte, wie es sich anfühlt, wenn Depressionen jemanden „niederdrücken“. Und warum der vermeintlich gut gemeinte Ratschlag „Kopf hoch“ alles nur noch schlimmer macht. 

Die Diplom-Psychologin brachte zum Health Day ihre „Moodsuits“ mit, die psychische Belastungen erfahrbar machen. Da gibt es den „Beuger“, eine Art Rucksack, mit dem der Kopf nach unten gedrückt wird, so dass sich die Trägerin klein und bedrückt fühlt. Oder die „Glocke“, die aussieht, wie ein Taucherhelm und den Kontakt mit anderen erschwert. Und schließlich den „Würger“, der das Gefühl erzeugt, einen Kloß im Hals zu haben. Unsere Moodsuits sind „Symptome zum Anziehen“, so Bethe Untiedt. Sie helfen dabei, eine Brücke zu Menschen zu schlagen, die solche Gefühle erleben und machen dieses schwierige Thema erzählbar.


Benthe Untiedt zeigt ihre Mood Suits an unserer Kollegin Susanna.

Carola Kleinschmidt: Surf your Energy: Mit deinem Biorhythmus im Einklang

Mit viel Power ging es weiter mit Bestseller-Autorin Carola Kleinschmidt. In ihrem Vortrag „Surf your Energy: Mit deinem Biorhythmus im Einklang“ erzählte sie, wie man erfolgreich die eigene Energiewelle surft. Denn wenn wir in unserem Biorhythmus schwingen, sind wir zufriedener, arbeiten besser und sind kreativer.

Energie schwingt in einer Welle durch den Tag, so Carola Kleinschmidt, es gibt Energiehochs und Energietiefs. Im Energiehoch fällt uns alles leichter, Sport, Verhandlungen, Konflikte in der Familie. Doch auch das Energietief hat seine Berechtigung, so Carola Kleinschmidt: Es sei perfekt, um Dinge zu verarbeiten, die wir im Energiehoch gelernt haben. „Ohne Energietief kein Lernen“, so ihr Fazit.

Auch auf die Unterschiede zwischen Morgenmenschen und Abendmenschen ging sie ein und regte dazu an, kleine Stellschrauben zu verändern, um dem eigenen Biorhythmus gerecht zu werden. Schon eine halbe Stunde länger schlafen könne einen riesigen Unterschied machen, so Kleinschmidt.

"Ohne Energietief kein Lernen." (Carola Kleinschmidt)


Carola Kleinschmidt erklärt wie der Biorhythmus funktioniert.

Michael "Curse" Kurth: Easy, Anti-Eso und für alle: So entspannst du richtig!

Den krönenden Abschluss bildete der Vortrag „Easy, Anti-Eso und für alle: So entspannst du richtig!“ von Michael „Curse“ Kurth. Der Rapper und systemische Coach nahm das Publikum mit in sein eigenes Leben, das geprägt war von frühem Willen zum Erfolg  - und einem jähen Umbruch, als er merkte, dass Erfolg nicht die Garantie für Glück ist. Er stelle ein 3-Phasen Rezept vor, um ohne Esoterik ganz einfach zu entspannen. Was dazugehört? Tief durchatmen, das Problem und sich selbst zu hinterfragen und schließlich, „das Geheimnis der Wasserflasche“ zu ergründen.


Vom Rapper zum Systemischen Coach - Michael Kurth zeigt wie Entspannung richtig geht.

Bewegte Pausen mit Yogalehrer Fjodor Kendzierski und Entspannungseinheiten mit der App Mindance rundeten das abwechslungsreiche und hochaktuelle Programm ab.

Gisela Erler und Alexa Ahmad: Das waren 30 Jahre pme

Am Ende holte Moderatorin Jessice Mina-Knopp noch einmal die pme CEO Alexa Ahmad und Überraschungsgast Gisela Erler, die Gründerin des pme Familienservice, auf die Bühne. Alexa Ahmad betonte, wie wichtig das Thema Gesundheit für alle ist: „Was uns alle eint: Health ist von der Wiege bis zur Bahre wichtig“ und bedankte sich bei allen Referent:innen, die viel Mut gemacht und zahlreiche Tipps gegeben haben.

pme-Gründerin und Staatsrätin a.D. Gisela Erler ließ den Wandel des Unternehmens in den vergangenen 30 Jahren Revue passieren und schlussfolgerte: „Für mich ist Gesundheit nicht nur Achtsamkeit und Kein-Stress, es kommen unglaubliche Krisen und plötzlich machen die Firmen unglaubliche Dinge, die man vorher nicht für möglich gehalten hatte.“


Gisela Erler (links) und Alexa Ahmad (rechts) haben sichtlich Spaß.
 

Health Day 2022: Vielen Dank an unsere Partner

pme health: Effektives BGM im Blended Learning Format 

Organisationsberatung, GBU Psyche, BEM: Unsere Angebote zum betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) zeichnen sich durch Ganzheitlichkeit und Individualität aus. Von der Strategieentwicklung über die Bedarfsanalyse und Maßnahmenplanung bis hin zur Evaluation etablieren, ergänzen und optimieren wir das BGM-Portfolio von Unternehmen, um ihre Belegschaft gesund, leistungsstark und motiviert zu halten. 

Die persönliche Betreuung von Mitarbeitenden nach einem neuen ganzheitlichen Mind-Body & Soul-Ansatz ist eines unserer Schlüsselfaktoren und geht Hand in Hand mit unserem Blended Learning Konzept. Wir kombinieren digitale und Live-Formate zur Bewegungsförderung, Ernährung, Stressprävention und Achtsamkeit und stellen unser Wissen orts- und zeitunabhängig zur Verfügung.