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Eine IKEA Mitarbeiterin scannt ein Produkt
Führung & HR

IKEA und pme: Hilfsangebote gegen häusliche Gewalt

Was tun, wenn die Kollegin von häuslicher Gewalt betroffen ist? Beate Mini arbeitet als Health & Wellbeing Leader bei IKEA Deutschland. Im Interview erklärt sie, was IKEA gemeinsam mit dem pme Familienservice für die Beschäftigten des schwedischen Einrichtungshauses anbietet.

Rund 35 Prozent aller Frauen sind mindestens einmal in ihrem Leben von physischer und/oder sexueller Gewalt betroffen. Wenn Mitarbeiter:innen Opfer häuslicher Gewalt sind, dann ist ihr Arbeitsplatz oft ein Zufluchtsort für sie.

Warum hat IKEA Deutschland sich dazu entschieden, Unterstützungsangebote für Betroffene bei IKEA anzubieten?

Beate Mini: Auslöser war ein Gespräch mit meinem Kollegen Kai Hartmann. Er erzählte zur Hoch-Zeit der ersten Coronawelle, dass IKEA in Deutschland Frauenhäuser unterstützen wird, weil durch die Corona-Pandemie die Situation für Frauen, die häuslicher Gewalt ausgesetzt sind, noch prekärer wird. Er nannte Schätzungen, dass 3 bis 5 Prozent der Frauen in Deutschland physische häusliche Gewalt erleben, und ungefähr doppelt so viele psychische Gewalt, Kontaktbeschränkungen etc.

Wir mussten davon ausgehen, dass auch Mitarbeiter*innen bei IKEA davon betroffen sind. Daraus entstand die Idee, ein Erste-Hilfe-Paket für Betroffene zu schnüren, wenn möglich mit Hilfe des Familienservices.

Warum ist es wichtig, dass Unternehmen hier in die Verantwortung gehen?

Häusliche Gewalt ist ein sehr ernstes Thema, weil es Menschen unmittelbar bedroht oder sogar verletzt – körperlich und psychisch. Alle Lebensbereiche sind davon beeinflusst, privat und beruflich.

Menschen in solchen Situationen brauchen schnellstens Schutz und ganz konkrete Beratung. Über den Kontakt zum Verein Frauenhauskoordinierung, dem Dachverband der Frauenhäuser und -beratungsstellen, haben wir erfahren, dass es bereits Schwierigkeiten bei der Platzsuche in Frauenhäusern gab. Viele waren zu diesem Zeitpunkt ausgelastet. Betroffene IKEA Kolleg:innen haben außerdem einen Job bei IKEA, was eine gewisse örtliche Bindung nach sich zieht. IKEA wollte hier Hilfe so schnell wie möglich anbieten; zum Beispiel, indem IKEA für eine Übergangszeit Unterbringungskosten finanziert.

Gleichzeitig haben wir auf bestehende Unterstützungsangebote über den Familienservice aufbauen können, den viele unserer IKEA Mitarbeiter:innen seit Jahren kennen und dem sie vertrauen. Unternehmen haben einen Fürsorgeauftrag und können über bestehende Strukturen oft schneller und gezielter unterstützen, als öffentliche Beratungsstellen.

Warum haben Sie sich auch beim Thema Häusliche Gewalt für eine Zusammenarbeit mit dem pme Familienservice entschieden?

Wir arbeiten bereits seit vielen Jahren zusammen und konnten so unseren Mitarbeiter:innen kompetente Unterstützungsangebote bieten.

Der pme verfügt über ein sehr großes Netzwerk an Fachleuten und arbeitet bereits seit vielen Jahren mit anderen sozialen und gemeinnützigen Institutionen zusammen. Wir haben den Prozess gemeinsam gestaltet und auch mit Psycholog:innen und Sozialarbeiter:innen besprochen, welcher Weg und welcher Ablauf hier geeignet sein können. Eine solch enge Zusammenarbeit schenkt Vertrauen und Sicherheit, die wir uns für die betroffenen Mitarbeiter*innen wünschen.

Welche Strukturen und Hilfen haben Sie gemeinsam mit dem pme Familienservice in die Wege geleitet, um betroffenen Mitarbeitenden Unterstützung während der Corona Pandemie anbieten zu können?

Neben sofortiger Unterstützung für Mitarbeiter:innen, die von häuslicher Gewalt betroffen sind, hat IKEA Deutschland einen Corona-Hilfsfond aufgesetzt. Das war ein spezieller Hilfsfonds für Mitarbeiter:innen, die wegen Corona außergewöhnliche Ausgaben für Gesundheit, Erziehung und Soziales schultern mussten und dadurch unverschuldet in eine finanzielle Notlage geraten sind. Mitarbeiter:innen konnten anonym einen Antrag stellen. Der pme hat uns darin unterstützt, alle eingereichten Anträge zu prüfen und anonymisiert zur Entscheidung bei IKEA vorzulegen. Die fünfköpfige IKEA Entscheidungskommission bestand aus Vertreter:innen der Unternehmensleitung sowie Betriebsrät:innen, und entschied bezogen auf jeden Einzelfall, ob finanziell unterstütz werden konnte.

Außerdem haben wir nach weiteren Möglichkeiten zur „Hilfe zur Selbsthilfe“ geschaut, damit den betroffenen Mitarbeiter:innen auch langfristig geholfen werden konnte. Insgesamt haben wir 300 Anfragen erhalten und fast 600.000 Euro an Hilfen ausgezahlt. Diesen Hilfsfond haben wir auch im zweiten Coronajahr betrieben.  

Und neben der finanziellen Unterstützung?

In Corona-Zeiten wurde bei fast allen das Belastungsempfinden größer. Egal ob durch diese Belastung durch ein großes Vorkommnis (Trauer, Distanz, Angst vor Krankheit etc.) oder viele kleine (Aggressionen unterwegs, Homeoffice-Meeting und Homeshooling funktioniert nicht, alle auf engem Raum, Streit und Lärm) zustande kommt - Dauerbelastungen über längere Zeit haben negativen Einfluss auf das Immunsystem.

Aus diesem Grund haben wir breit kommuniziert, welche konkrete Hilfe der pme bei Überlastung leisten kann. Hierzu zählen zum Beispiel konkrete Tipps, wie man die Belastung verringern oder damit besser umgehen kann, jede Menge Trainings, Yoga, Meditationsmöglichkeiten und andere Hilfsmittel zum Abbau von Stress. Nicht zu vergessen die Tatsache, dass der pme Familienservice im Rahmen des Lebenslagen-Coachings für alle Anliegen zum Gespräch bereit ist. Das schloss auch OnlineKkinderbetreuung für Eltern im Homeoffice mit ein.

Bleiben die Unterstützungsangebote auch nach der Pandemie bestehen?

Wir arbeiten seit 25 Jahren mit dem pme Familienservice zusammen. Alle Angebote gelten weiterhin. Auch die durch Corona veranlasste Unterstützung für Betroffene häuslicher Gewalt führen wir weiter.

Wir sehen, dass die Möglichkeiten des Lebenslagen-Cachings häufiger genutzt werden als in Zeiten vor Corona. Gleiches gilt für die vielen guten Veranstaltungsangebote der pme Akademie. Einzig der IKEA Corona Hilfsfond hatte eine begrenzte Laufzeit von zwei Jahren.

Welche Wege nutzt IKEA, um die Beschäftigten über die Angebote des pme Familienservice zu informieren?

Wir informieren unsere Mitarbeiter:innen monatlich über Aushänge, Informationen im Mitarbeiterrestaurant und in Treppengesprächen über Angebote des pme und aktuelle Veranstaltungen der pme Akademie.

Zusätzlich haben wir in jedem IKEA Einrichtungshaus einen Info-Punkt mit Kontaktdaten zum Familienservice und Flyern mit Infos zu Unterstützungsleistungen. In vielen Einrichtungshäusern präsentieren sich Vertreter:innen des pme einmal im Jahr auf Mitarbeiter- oder Betriebsversammlungen und stellen das Angebot persönlich vor. Wir kommunizieren das Angebot auch regelmäßig auf den Kanälen der internen Kommunikation und in unserem Intranet.

Neue Mitarbeiter:innen werden schon während der Einarbeitung darüber informiert, wie und zu welchen Themen sie den pme Familienservice ansprechen können.

Viele Opfer schämen sich darüber zu sprechen, was Ihnen zustößt. Wie können sich betroffene Frauen und Männer, die sich in Ihrem Unternehmen offenbaren, sicher sein, dass ihr Gespräch vertraulich behandelt wird?

Vertraulichkeit ist immer ein Thema, wenn sich Menschen mit persönlichen Anliegen an eine Kontaktstelle wenden. Ganz besonders, wenn dieses Angebot über den Arbeitgeber vermittelt wird. Deswegen ist es IKEA wichtig, dass die Kontaktaufnahme außerhalb des Unternehmens und über private Kommunikationsmittel möglich ist. Ratsuchende müssen nicht mal ihren Namen nennen, wenn sie es nicht möchten.

Die Fachberater:innen des pme gehen sehr behutsam und professionell mit Ratsuchenden um. Zur Legitimation wird eine kurze Frage gestellt, die gegebenenfalls auch erst am Ende des Gespräches beantwortet werden kann. Mit dem pme ist vereinbart, dass zu Beginn der Kontaktaufnahme Anonymität und Vertraulichkeit des Kontaktes zugesichert werden. Informationen werden ausschließlich im Einvernehmen mit dem oder der Betroffenen an den Arbeitgeber weitergegeben. Zum Beispiel dann, wenn es um die Umorganisation von arbeitsbezogenen Themen geht. Die hier einbezogenen Kolleg:innen sind ebenfalls zur Vertraulichkeit verpflichtet. Die diesbezüglichen Leistungen des pme werden zentral abgerechnet – auch hier kann kein Rückschluss auf konkrete Personen gezogen werden.

Welche Kanäle bzw. Möglichkeiten nutzt IKEA, um zu erfahren, welche privaten Themen Ihre Beschäftigten haben und wo sie Unterstützung bräuchten?

Über unsere Mitarbeiterbefragung und die Gefährdungsbeurteilung psychischer Risiken bei der Arbeit bekommen wir viel Rückmeldung über Themen, die einen Einfluss auf die Gesundheit unserer Mitarbeiter:innen haben. Nichts ist aber so wirkungsvoll wie das persönliche Gespräch – entweder mit der Führungskraft oder den lokalen Ansprechpartner*innen des Betriebsrates oder der Schwerbehindertenvertretung.

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