Personalpolitik: Familienfreundlichkeit hält Mütter im Job

19.08.2019
Isabel Hempel
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Nicht selten nutzen frisch gebackene Mütter und Väter die Elternzeit, um sich einen neuen Arbeitgeber zu suchen. Der Grund liegt auf der Hand: In vielen Betrieben fehlen familienfreundliche Angebote. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) ruft Arbeitgeber zu einer Verbesserung der Situation auf und zeigt: Mütter kehren in familienfreundliche Betriebe eher und schneller zurück.

Wer als frisch gebackene Mutter oder Vater die Gespräche in der Krabbelgruppe oder auf dem Spielplatz verfolgt, dem wird schnell klar, dass familienfreundliche Arbeitgeber noch immer rar gesät sind in Deutschland. Denn nicht selten dient der Austausch zwischen jungen Eltern dazu abzuwägen, ob die Elternzeit dazu genutzt werden sollte, einen Arbeitgeber zu suchen, der besser zur neuen Lebensphase passt.


Zwar ist laut IAB-Bericht 18/2018 der Anteil der Betriebe der Maßnahmen zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf anbietet im Zeitraum 2002 bis 2016 gestiegen. Die Zahlen zeigen aber, das in Punkto Familienfreundlichkeit noch viel Luft nach oben ist:

Immerhin bieten heute acht Prozent aller Betriebe Angebote zut Kinderbetreuung. Im Jahr 2002 verfügten nur zwei Prozent der deutschen Betriebe darüber. Stark zugelegt haben auch Weiterbildungsangebote in der Elternzeit, die inzwischen in fast zehn Prozent der Betriebe genutzt werden können. Vorreiter sind hier große Betriebe mit 250 oder mehr Beschäftigten und der öffentliche Dienst. Aber auch kleine und mittlere Betriebe ziehen nach.

 

Mehr als ein Fünftel der Mütter wechseln den Arbeitgeber

Dennoch setzen nicht alle Mütter nach der Geburt eines Kindes ihre Erwerbstätigkeit bei ihrem bisherigen Arbeitgeber fort. Das gilt auch, wenn sie innerhalb des gesetzlich zugesicherten Kündigungsschutzes auf den Arbeitsmarkt zurückkehren. Von allen Müttern, die innerhalb von drei Jahren nach der Geburt ihres Kindes ihre Erwerbstätigkeit wieder aufnehmen, kehren 78 Prozent zu ihrem bisherigen Arbeitgeber zurück, 22 Prozent wechseln hingegen den Arbeitgeber.


Die Entscheidung von Müttern, den Arbeitgeber zu wechseln, hängt auch davon ab, wie familienfreundlich der Betrieb ist, in dem sie vor der Erwerbsunterbrechung beschäftigt waren: Weniger als 20 Prozent der Frauen, die vor ihrer Erwerbsunterbrechung in einem Betrieb mit mindestens einer familienfreundlichen Maßnahme gearbeitet haben, wechseln danach ihren Arbeitgeber.
Demgegenüber entscheiden sich fast 30 Prozent der Frauen, die vormals in Betrieben ohne familienfreundliche Maßnahmen beschäftigt waren, für einen anderen Arbeitgeber.

Sehr deutlich lässt sich laut IAB ein Zusammenhang mit dem Zeitpunkt des Wiedereinstiegs von Frauen feststellen: Mütter aus Betrieben mit familienfreundlichen Maßnahmen kehren viel schneller zu ihrem Arbeitgeber zurück als Mütter, die in Betrieben ohne diese Maßnahmen arbeiten.


Die Unterbrechungsdauer fällt zudem umso niedriger aus, je mehr familienfreundliche Angebote ein Betrieb implementiert hat. Ein höheres Engagement der Betriebe zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf geht also direkt mit einem schnelleren Wiedereinstieg der Mitarbeiterinnen nach der Geburt eines Kindes einher.


Das IAB empfiehlt Arbeitgebern entsprechend, sich umfassender über die Möglichkeiten vereinbarkeitsfördernder Maßnahmen zu informieren und ihre Personalpolitik stärker auf die Bedürfnisse von Müttern und Vätern auszurichten. Der Vorteil liegt auf der Hand: Unternehmen können gerade ihre Leistungsträgerinnen leichter im Betrieb halten.

 


Quelle: http://doku.iab.de/kurzber/2018/kb1818.pdf