Mit Bus und Baby durch Frankreich

Mit Bus und Baby durch Frankreich

23.05.2018
Christin Müller
3016

Zu viert auf Rädern reisen: Das ist rumpelig, eng und sehr gemütlich. Wie man als Familie entspannt durch den Sommer rollt, berichtet unsere Mitarbeiterin Isa Hempel.

Es war ein Traum. Wir vier – gerade hatten wir unsere Familie komplettiert – fahren zusammen los. Irgendwann im Sommer, mindestens acht Wochen, auf jeden Fall an die französische Ardèche, wo ich auf einem Felsen sitzend und Rotwein schlürfend die schönsten Sommer meiner Studienzeit verlebt hatte.

Als der Bruder meines Freundes seinen alten VW-Bus verkaufen wollte, schlugen wir zu. Dass dieses 24 Jahre alte Gefährt sich bald wie ein fünftes Familienmitglied anfühlen würde, ahnten wir schon bei der Probefahrt: rumpelig, pflegeintensiv, aber sehr liebenswert. Wir nähten Vorhänge, besorgten Sommerreifen, und dann ging es los: der Bus, das Baby, unsere vierjährige Tochter, mein Freund und ich. Nach einer riesigen Packaktion starteten wir am späten Nachmittag in Berlin. Vier Wochen später kamen wir nach einer wunderbaren Bummeltour durch Süddeutschland und Frankreich am eigentlichen Ziel der Reise an, im Bergdörfchen Balazuc d’Ardèche. Nach einer Woche ging es noch weiter ans Mittelmeer, in die Vulkanberge der Auvergne und das Burgund. Und hier kommt unser Fazit.


Mit dem Campingmobil durch Frankreich: Die Reise in Zahlen

Ein Werkstattbesuch vor der Reise (Rundum-Check), einer während der Reise, weil an der Heckklappe eine Verbindung gebrochen war.

Eine riskante Situation: Wir setzen mit dem Bus in den französischen Alpen auf. einem riesigen Stein auf. Ich greife daraufhin mit der bloßen Hand an den Auspuff. Autsch!

Vier Übernachtungen auf Autobahnparkplätzen, wobei die in Frankreich sehr schön lagen, z. B. an einer von Eiffel erbauten Brücke in der Auvergne.

Eine – die letzte – Übernachtung in einem Pilgerhostel in Vezelay im Burgund mit Blick auf die Kirche, wo die Gebeine der Heiligen Maria Magdalena liegen sollen.

Etwa die Hälfte der Übernachtungen auf sehr ausgesuchten, kleinen Natur-Campingplätzen, eine Nacht auf einem 4-Sterne-Campingplatz mit Pool.

Ungezählte Tage und Nächte an einsamen Plätzen mitten in der Natur mit grandiosen Blicken oder an glasklaren Seen und Flüssen.


Der Tiefpunkt

Bei vierzig Grad im Schatten mit schreiendem Baby auf dem Rücksitz vor einem Atomkraftwerk an der Rhone stehen – ohne die Aussicht auf ein Café oder einen Fluss zum Reinspringen.
 

Der Höhepunkt

Fast täglich schwimmen wir in wunderschönen Flüssen, Bergseen oder im Mittelmeer.
 

Reise mit Bus und Baby durch Frankreich

Die größte Herausforderung

Die ständigen Umbauten im Bus und die Enge. Um das gut durchzustehen, muss man ausgeschlafen sein und an den schönsten Orten einfach ein Zelt aufschlagen und ein paar Tage bleiben.
 

Unbezahlbar

Der Buggy mit Liegefunktion und großem Sonnendach wird zum Schlafplatz für unseren kleinen Sohn, egal wo wir gerade sind – kurz geschoben, schon eingeschlummert.

Ein einfacher Kinderhochstuhl mit abgesägten Beinen – jeden Tag machen wir Picknick mit großartigen Ausblicken.

Mein Freund kann Karten lesen wie Wahrsagerinnen Kaffeesatz. Wir finden einsame Plätze am Wasser und picknicken mit gigantischen Ausblicken.

Das Gespräch mit anderen Campern. Wir bekommen immer einen tollen Tipp für einen Stellplatz.

Grüne Wiese und Schatten. Der schönste Strand wird mit einem Krabbelkind nach kürzester Zeit zur Hölle: eincremen nonstop, immer in die Schattenecke zurück, in allen Körperritzen ist Sand, nicht zu nah an die Wellen ... Die entspanntesten Stunden verbrachten wir auf grünen Wiesen im Elsass, in den französischen Alpen, der Auvergne und im schönen Schwarzwald.


Überraschendes

Als wir in der Auvergne einen Vulkan erklimmen, können wir eine Kinderkraxe in der Touristeninfo ausleihen.

Als wir Freunde treffen, die mit einem alten Hymer unterwegs sind, stellen wir fest, wie lange wir vergleichsweise für die Umbauten im Bus brauchen und wie klein und eng unser Bus doch ist.

Für die Hinfahrt an die Ardéche bummeln wir gut vier Wochen durch Süddeutschland (Vulkaneifel, Schwäbische Alb, Schwarzwald) und über verschlungene Landstraßen durch Frankreich (Elsass, Jura, Drome, Alpen …). Die Rückfahrt von Vezelay im Burgund nach Berlin schaffen wir in drei Tagen.
 

Kuehe in Frankreich
 

Das haben wir genau richtig gemacht

Wir waren nur sehr selten in Restaurants. Das gemeinsame Essen – meist Baguette, Käse, Tomaten, Oliven – gehörte zu den täglichen Highlights unserer Reise, und die Kinder konnten krümeln und schmatzen, wie sie wollten.

Nicht mehr als zwei Stunden pro Tag fahren, sonst wird die Fahrt zur Hölle für die Kinder. Im Notfall abends nochmal fahren, wenn sie schlafen.

Immer einen schönen Platz mit Wasser ansteuern, oft an Spielplätzen halten (obwohl französische Spielplätze wirklich nicht schön sind, aber die Kinder liebten sie trotzdem).

Kaum Autobahn fahren. Die Tour vom Elsass ins Jura durch die Alpen, an die Drome bis zur Ardéche ist unfassbar schön und auch im Hochsommer nicht überfüllt.

Wir kamen erst zum Ferienende (Anfang September) an der Ardéche an – die entspannteste Zeit dort.


Das würden wir anders machen

In eine gemütliche Auflage für die harte Matratze im Bus investieren.

Weniger Klamotten mitnehmen.

Das Zelt öfter mal aufbauen.


Ansonsten nix. Wir sind einfach gerne zu viert unterwegs!

 

Dieser Artikel von Isabel Hempel ist zuerst im klecks - Lernwelten Magazin erschienen.