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Zufriedenheit im Alter - pme Familienservice Blog

28.11.2018
Gabriele Strasser
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Die gute Nachricht vorweg: Alter geht nicht zwingend mit einem Rückgang von Lebensfreude und Lebensqualität einher. Auch mit körperlichen Einschränkungen empfinden viele ältere Menschen ein hohes Wohlbefinden. Gravierend wirken sich dagegen psychosoziale Faktoren wie etwa Einsamkeit aus. Ein Interview mit Jürgen Griesbeck, Eldercare-Experte beim pme Familienservice.

 

Herr Griesbeck, laut einer Veröffentlichung der TU München und des Helmholz-Zentrums empfinden viele ältere Menschen eine hohe Lebenszufriedenheit

Jürgen Griesbeck: Das ist in der Tat ein erfreuliches Ergebnis. Es zeigt, dass mit dem Alter nicht – wie oft vermutet wird – zwangsläufig Lebensfreude und Lebensqualität sinken. In der zugrundliegenden Befragung von 3.600 Menschen mit einem Durchschnittsalter von 73 Jahren  äußerte die überwiegende Mehrheit überraschenderweise ein sehr hohes subjektives Wohlbefinden.

Interessant ist besonders, wie wenig Einfluss die körperliche Gesundheit auf die Lebenszufriedenheit hat. Das beobachte ich auch in meiner Arbeit: Viele Menschen entwickeln im Alter eine Reife, die sie befähigt, sich von den üblichen Einschränkungen des Alters nicht in eine defizitäre Stimmung bringen zu lassen. Im Gegenteil machen sie das beste aus den vorhandenen Möglichkeiten und hören auf, einem körperlichen Idealzustand nachzujagen. Die Forscher  bestätigen in diesem Sinne ja auch, dass sogar eine sogenannte Multimorbidität, also das Bestehen mehrerer Krankheiten gleichzeitig,  das Wohlergehen nur wenig beeinflusst.

 

„Besonders negativ wirkt sich Einsamkeit aus“

 

Die Studie zeigt, dass psychosoziale Faktoren die Zufriedenheit weit mehr beeinträchtigen als eine schlechte körperliche Verfassung

Jürgen Griesbeck: Das stimmt, Dinge wie Angststörungen, Depressionen, Schlafstörungen oder ein niedriges Einkommen beeinträchtigen das Wohlbefinden erheblich. Allem voran wirkt sich Einsamkeit negativ aus. Das liegt daran, dass wir Menschen zu unserer existentiellen Zufriedenheit einen sinnstiftenden Anker brauchen, etwas, um das wir uns kümmern können. Sei es ein anderer Mensch, ein Tier oder eine Aufgabe wie der Blumenschmuck in der Kirche. Wir müssen uns mit etwas beschäftigen können, das nicht nur mit unseren eigenen Einschränkungen und Krankheiten zu tun hat. Es ist – wie auch Heidegger schreibt – die Sorge, die den Menschen zum Menschen macht. Erstaunlich, dass dies nun auch empirisch nachgewiesen werden kann! Selbst wenn man einen anderen Menschen in Gedanken begleitet und sich um sein Wohl sorgt, hat dies in Hinblick auf sich selbst einen entlastenden und förderlichen Effekt. Umgekehrt ist es – nicht nur – für ältere Menschen wichtig, dass sie von anderen gesehen werden und für andere von Belang ist, wie es ihnen geht. Das sollte uns aber jetzt nicht dazu verleiten, nur liebevoll zu agieren, damit wir uns besser fühlen. Das würde den Gedanken der Liebe pervertieren.

 

„Es gibt sehr viele Angebote für ältere Menschen“

 

Was können ältere Menschen gegen Einsamkeit tun?

Jürgen Griesbeck: Es gibt glücklicherweise inzwischen sehr viele Angebote für ältere Menschen. Aber es kommt auf die innere Bereitschaft an, diese zu nutzen und zum Beispiel einen Seniorentreff auch zu besuchen, wenn dieser „Titel“ zunächst abschreckt und man sich gar nicht mit der Zielgruppe identifizieren kann. Oft höre ich den Einwand „da sind ja nur alte Menschen“ – diese fehlende Bereitschaft, sich auf andere einzulassen, ist oft der Grund für Einsamkeit. Es geht für uns Menschen letzten Endes lebenslang immer wieder um die Frage,  das eigene Herz offen zu halten und zu weiten und sich nicht in Vorurteilen, Bewertungen und Ängsten einzumauern.  Dies gilt nicht nur für meine engsten Angehörigen, sondern auch für andere Menschen. Im siebten Altenbericht ist das ganz große Thema die „Sorgende Gemeinschaft“. Es sind alle herzlich eingeladen, sich um andere zu sorgen und sich dafür zu öffnen, dass sich andere Menschen um einen kümmern.


Neu seit der letzten Pflegereform ist ja, dass die Pflegeversicherung auch Geld für soziale Teilhabe zur Verfügung stellt!


Jürgen Griesbeck: Bis zu 125 Euro stehen Pflegebedürftigen monatlich für Hilfen im Haushalt zu, wenn sie in den eigenen vier Wänden betreut werden. Das kann zum Beispiel jemand von einem Pflegedienst sein, der einmal die Woche kommt und die Wohnung putzt oder einkaufen geht. Aber auch ein gemeinsamer Arztbesuch, Gespräche, Spiele oder ein Spaziergang zählen dazu. Viele wissen allerdings nicht, dass die Pflegekasse die Dienstleistungen bezahlt, ohne dass dadurch Einbußen beim Pflegegeld entstehen. Deshalb werden die Entlastungsleistungen oft erst gar nicht genutzt. Und dann verfällt der Beitrag einfach.


Fakten zur Studie

Für die Veröffentlichung griffen die Forscher des Helmholz-Zentrums und der Technischen Universität München auf Daten von rund 3.600 Probandinnen und Probanden mit einem Durchschnittsalter von 73 Jahren zurückgriffen. Sie waren im Rahmen der Augsburger Bevölkerungsstudie KORA-Age** nach ihrem Wohlbefinden befragt worden.


Quelle: idw online


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