Kommunikation in der Partnerschaft: Schatz, wir müssen reden! – Aber wie?

20.04.2018
Sabrina Ludwig
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Streit in einer Beziehung ist normal. Doch warum verstehen wir uns so oft falsch? Der Forscher Eric Berne fand heraus, dass wir zwischen drei Ich-Zuständen wechseln. Wer diese kennt, kann so manchen Streit vermeiden.

„Tobias, hast du meine pinkfarbene Decke gesehen? Die von meiner Mutter?“, fragt Clara gereizt. „Nein, habe ich nicht! Warum verdächtigst du mich schon wieder, deine Sachen verlegt zu haben?“ Eigentlich wollten Clara und Tobias einen schönen Nachmittag im Park verbringen. Doch die gute Laune ist dahin. Und jetzt haben weder Clara noch Tobias richtig Lust, den Tag mit dem anderen zu verbringen. Zoff wie dieser kommt in den besten Beziehungen vor. Kommt es allerdings häufiger zu solchen Streitereien, steigt schnell der Missmut und beide Seiten denken, der andere meine es nicht gut mit einem. Das ist Gift für eine Beziehung.


Wie Paare besser mit Streit umgehen

In der Paarberatung und -therapie arbeiten Therapeuten oft mit einem Modell aus der Transaktionsanalyse von Eric Berne. Es zeigt, wie es zwischen zwei Menschen zu Missverständnissen kommen kann. Der Kanadier und Psychologe fand heraus, dass wir in der Kommunikation mit Anderen zwischen drei verschiedenen Zuständen wechseln: unserem „Eltern-Ich“, dem „Erwachsenen-Ich“ und unserem „Kind-Ich“. In welchem Zustand wir uns gerade befinden, verrät unter anderem unsere Wortwahl, der Tonfall, die Mimik und Gestik. Das bedeutet, dass wir uns in verschiedenen Situationen unterschiedlich fühlen und verhalten und sogar unterschiedlich denken. Die Transaktionsanalyse nennt diese Kombination aus Denken, Fühlen und Verhalten einen „Ich-Zustand“.

Angelehnt an die Theorie von Sigmund Freud beschreibt Eric Berne in der Transaktionsanalyse die drei „Ich-Zustände“ folgendermaßen: Im Eltern-Ich denken, fühlen und verhalten wir uns wie es eine Autoritätsperson es in unserem Leben getan hat. In der Kommunikation mit unserem Gesprächspartner äußert sich das beispielweise darin, dass wir unserem Gegenüber sagen, was er oder sie tun soll oder dass wir sein oder ihr Verhalten nicht gut heißen. Typische Formulierungen sind zum Beispiel „Wie oft habe ich dir schon gesagt, dass ...“ oder „Schon wieder?“ Im Erwachsenen-Ich verhalten wir uns reif und beurteilen die Situation sachlich und objektiv. Wir orientieren uns an Zahlen und Fakten und kommunizieren mit unserem Gesprächspartner respektvoll und rational. Erkennbar wird dieser Zustand durch Einschätzungen wie „Ich denke“ oder „Ich schätze das so ein ...“ oder durch offene Fragen an unseren Gesprächspartner. Im Kind-Ich dagegen denken, fühlen und handeln wir so, wie wir es in Kindertagen auch getan haben. Ungefiltert leben wir unsere Gefühle aus und reagieren uneinsichtig und trotzig, sind beleidigt oder albern oder reagieren unsicher und schüchtern. Wutanfälle, rollende Augen und Aussagen wie „Ich will aber nicht!“ sind typisch für das Kind-Ich.
 


Idealerweise unterhalten sich zwei Erwachsene also auf der Erwachsenen-Ebene: vernünftig und auf Augenhöhe. Denn dann hören wir unserem Gegenüber genau zu, bewerten seine Aussagen objektiv und können Missverständnisse besser aus der Welt räumen. Verschiebt sich die Dialogebene allerdings zu einer der anderen beiden Ich-Zustände kann dies schnell zu einer konfliktgeladenen Kommunikation führen. Eric Berne bezeichnet das als Transaktion.

Aus welchem Ich-Zustand wir reagieren und kommunizieren geschieht allerdings meist unbewusst. Jemand sagt etwas, wir reagieren darauf. Befinden wir uns nicht im Zustand unseres Erwachsenen-Ichs, kann es leicht zu einem Streit kommen. Wie bei unserem Beispiel-Paar Clara und Tobias. Ihr gereizter Tonfall zeigt Tobias deutlich, dass sie nicht nur nach der pinkfarbenen Decke sucht, sondern ihm gleichzeitig auch unterstellt, er sei Schuld am Verschwinden derselbigen. Sie kommuniziert also aus ihrem Eltern-Ich heraus und bemängelt sein Verhalten. Tobias wiederum reagiert wütend und beleidigt. Sein Kind-Ich hat die Oberhand gewonnen.

Zum Glück sind unsere Zustände nicht festgelegt. Das heißt, wir können üben, unser Handeln und Reden zu beeinflussen und mehr unserem Erwachsenen-Ich den Vortritt zu lassen. Und so könnte Tobias Antwort auf Claras Frage auch so aussehen: „Ich habe die Decke nicht weggeräumt, aber wenn du magst, können wir sie zusammen suchen.“ Damit hätte Clara Zeit nachzusinnen, ob ihr Vorwurf auch wirklich gerecht war. Wahrscheinlich war er es nicht. Und wahrscheinlich würde sie sich bei Tobias entschuldigen. Und der Tag im Park wäre auch gerettet – ob mit oder ohne Decke.


Erste Schritte, um seinen Ich-Zuständen auf die Spur zu kommen:

   
•            Welchen der drei Ich-Zustände könnte ich mir am ehesten zuschreiben?
•            Aus welchem Ich-Zustand reagiere ich in welcher Situation?
•            Welchen Nutzen könnte es für mich haben, mir meines Ich-Zustands bewusst zu werden – und ihn ggf. zu wechseln?


Versuchen Sie hin und wieder mal einen Schritt neben sich zu treten und eine Gesprächssituation in Hinblick auf die drei Ich-Zustände zu analysieren. So können Sie sehr gut eingefahrene Kommunikationsmuster zwischen sich und Ihrem Gesprächspartner feststellen. Wenn Sie sich z.B. dabei erwischen, wie Sie Ihren Lebenspartner oder Ihre Lebenspartnerin häufig bevormunden, dann ist dies schon der erste Schritt in Richtung einer positiven Veränderung.
 


Bewusste Kommunikation: 3 Tipps von Katharina Döring, Fachberaterin Lebenslagen-Coaching, pme Familienservice


1. Du-Botschaften drängen den anderen immer in die Defensive: „Du bist schon wieder zu spät!“ Einen solchen Angriff muss man persönlich nehmen. Besser ist, Sie sprechen von Ihren Gefühlen: "Ich musste heute lange auf Dich warten, obwohl wir verabredet waren. Deshalb bin ich gerade ziemlich sauer auf Dich!"
2. Vermeiden Sie Verallgemeinerungen und Du-Sätze wie „Nie hältst Du Deine Versprechen ein!“ Formulieren Sie Ihre Kritik als eine Beschwerde für den konkreten Fall: "Du hattest versprochen, heute mit mir ins Kino zu gehen. Das hat nicht geklappt und das ärgert mich jetzt."
3. Bleiben Sie mit Ihren Beschwerden in der Gegenwart. Alte Sünden sollten Sie sich und Ihrem Partner möglichst schnell vergeben, sonst vergiften diese Ihre Beziehung langfristig.


Weiterführende Literatur:

Rainer Schmidt: Immer richtig miteinander reden: Transaktionsanalyse in Beruf und Alltag. 2009.
Stefanie Stahl: Das Kind in dir muss Heimat finden. München 2015.