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Mein Chef, der Roboter

17.09.2018
Christin Müller
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Als die Oxford-Wissenschaftler Carl Frey und Michael Osborne 2013 eine Studie veröffentlichten, nach deren Ergebnissen 47 Prozent aller US-amerikanischen Jobs durch die Automatisierung gefährdet seien, war der Aufschrei riesig. Machen Roboter und Künstliche Intelligenzen bald Millionen Menschen arbeitslos? Und ist auch mein Job gefährdet?

Eine aktuellere Studie des McKinsey Global Institute aus dem Jahr 2017 relativiert die Aussage etwas. So könnten 60 Prozent aller Berufe zu einem gewissen Prozentsatz bereits automatisiert werden, gleichzeitig eröffnen sich aber auch neue Berufsfelder und unternehmerische Chancen.

 

Alles nur Hype?

Auch wenn einige Studienergebnisse nach entfernter Zukunftsmusik klingen, steht fest: Roboter und Algorithmen können in vielen Arbeitsbereichen den Arbeitsalltag verändern. Die breite Diskussion über die Umwälzung der Arbeitswelt im Zuge der Digitalisierung bewegt also zu Recht unseren Alltag. Die Frage, ob die digitale Revolution durch weitreichende Automatisierung zukünftig Millionen Jobs kosten wird oder ob das Wirtschaftssystem gegensteuern kann, bleibt umstritten.

Tatsächlich wird die Digitalisierung in naher Zukunft von Menschen ausgeübte Arbeitsabläufe (teilweise) ersetzen bzw. ergänzen. Gerade Routinetätigkeiten können gut automatisiert werden. Das kann mitunter sogar die Motivation steigern. Laut Jens Südekum vom Institute of Labor Economics (2018) werden zwar einige Berufe durch die Automatisierung aussterben, daneben werden aber kontinuierlich neue Aufgabenfelder, Berufe und Tätigkeiten entstehen.

Vor allem Arbeitsplätze in den Metiers Finanzen, Verwaltung, Logistik, Spedition und Produktion sind betroffen. Allerdings hängen solche Veränderungen nicht nur vom technischen Fortschritt ab, sondern auch von wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und letztendlich auch rechtlichen Bedingungen, konstatiert IAB-Wissenschaftlerin Britta Matthes in einem Interview (2018). Sie führt das Beispiel eines Bäckers an, dessen Tätigkeit schon jetzt zu 100 Prozent automatisiert werden kann. Trotzdem entscheiden die Kunden am Ende, ob sie ein Brot aus dem Backautomaten haben möchten oder lieber ein selbst gebackenes aus der kleinen Backstube. Auch Kassierer in den Supermärkten sind theoretisch ersetzbar. Viele Supermarktketten haben bereits Self-Service-Kassen eingerichtet. Den sozialen Kontakt schätzen jedoch viele Kunden so sehr, dass sie auf die menschliche Variante nicht verzichten wollen.

 

Mein Feind, der Roboter?

Nichtsdestotrotz scheint es eine Frage der Zeit zu sein, bis bestimmte Jobs ersetzt werden – nämlich da, wo es günstiger ist, einen Roboter einzusetzen, oder wo die Fehlerquelle Mensch besonders groß ist. Historiker wie der Schweizer Caspar Hirschi weisen jedoch darauf hin, dass die Angst vor Massenarbeitslosigkeit durch die Automatisierung so alt ist wie die Industrialisierung selbst. So verloren zum Beispiel schon während der ersten industriellen Revolution viele Handwerker und Heimarbeiterinnen in Manufakturen ihre Jobs an dampfbetriebene Automaten.

Gleichzeitig eröffneten sich aber neue, spezialisierte Arbeitsfelder, etwa in den entstehenden Industrien oder bei der Eisenbahn. Neue Maschinen mussten nun von technisch gut ausgebildeten Menschen bedient werden. Es wurden neue Positionen erschaffen, die es ohne die Industrielle Revolution nicht gegeben hätte. Und nicht zu vergessen: Die Automatisierung ermöglichte es, qualitativ hochwertige Waren preiswert und in Masse herzustellen und somit auch den Wohlstand der Bevölkerung zu fördern.

Nicht nur in der IT-Branche (aber vor allem dort) wird es in Zukunft einen steigenden Bedarf an Spezialisten geben. Netzwerkinformatiker, Anwendungsentwickler und Experten für IT-Sicherheit werden noch mehr gebraucht werden. Daneben werden ganz neue Berufe wie etwa der „Data-Scientist“ und der „Data-Artist“ entstehen, die Daten so aufarbeiten, dass sie für Nicht-Experten verständlich werden. In vielen größeren Unternehmen gibt es mittlerweile bereits die Position des CDO („Chief Digital Officer“), der für die Steuerung der digitalen Transformation verantwortlich zeichnet – eine Führungsposition, die es vor wenigen Jahren noch gar nicht gab.

 

Schlechte Arbeit 4.0?

Was bedeutet dieser digitale Change-Prozess nun konkret für Unternehmen und ihre Beschäftigten? Die Automatisierung wird demnach vor allem Arbeitsplätze geringer und mittlerer Qualifikationsstufe kosten. Während es aber im geringqualifizierten Bereich viele Jobs gibt, bei denen eine Automatisierung nicht möglich, nicht effizient oder zu teuer wäre, könnten im Mittelbau gerade sich wiederholende Tätigkeiten auf dem Niveau einer Facharbeiterin oder eines Verwaltungsangestellten voraussichtlich bald effizient automatisiert werden. Dagegen sieht es in den höherqualifizierten Positionen anders aus: Je spezialisierter eine Tätigkeit ist, und je mehr menschliche Skills sie benötigt, umso weniger ist sie (momentan noch) davon betroffen, automatisiert zu werden. Britta Matthes bestätigt, dass gute Bildung schützt und Roboter in einigen Bereichen nur unterstützend tätig sein werden. So werden beispielsweise in Krankenhäusern Roboter eingesetzt, die – geführt von einer erfahrenen Arzthand – so präzise arbeiten, wie es kaum ein Arzt vermag. Aber auch hier gilt: Ohne das menschliche Know-how und schnelles Eingreifvermögen von qualifiziertem Fachpersonal kann eine Operation nicht durchgeführt werden. Das bestätigt auch Digitalphilosoph Gunter Dueck im Interview mit dem pme Familienservice (2018): „Maschinen können nichts erschaffen, besprechen, verkaufen oder verhandeln“. Menschen benötigen demnach bessere Soft Skills. Denn die heben sie von Maschinen ab.

Im Wettbewerb bedeutet das ganz konkret: Der digitale Wandel darf nicht verschlafen werden. Es bedeutet auch, in neue Technologien zu investieren und Fachkräfte immer besser aus- und fortzubilden – auch wenn das erst einmal Wachstumstendenzen hemmt. Lesen Sie im exklusiven Interview mit Gunter Dueck mehr darüber, wie Unternehmen den digitalen Change bewerkstelligen können.


Quellen:
https://www.mckinsey.com/business-functions/digital-mckinsey/our-insights/where-machines-could-replace-humans-and-where-they-cant-yet
https://www.oxfordmartin.ox.ac.uk/downloads/academic/The_Future_of_Employment.pdf
http://ftp.iza.org/sp90.pdf
https://www.capgemini.com/consulting-de/wp-content/uploads/sites/32/2017/10/final-capgemini_changemanagementstudie2017.pdf
https://www.zukunftsinstitut.de/artikel/leadership/das-leadership-credo-2017/
http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/karriere-und-jobverlust-digitaler-wandel-veraendert-arbeitswelt-a-1127180-3.html
http://www.abi.de/beruf-karriere/karriere_und_praxis/nehmen-roboter-mir-den-job-weg015307.htm
http://www.abi.de/beruf-karriere/karriere_und_praxis/nehmen-roboter-mir-den-job-weg015304.htm
https://www.cicero.de/wirtschaft/kuenstliche-intelligenz-hilfe-die-roboter-nehmen-uns-die-jobs-weg
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/automatisierung-nehmen-roboter-den-menschen-die-arbeit-weg-13986337.html
https://job-futuromat.iab.de
https://www.nzz.ch/wirtschaft/dass-uns-wegen-der-automatisierung-die-arbeit-ausgeht-ist-wenig-plausibel-ld.1382478
http://www.bpb.de/apuz/225690/zur-persistenz-der-argumente-im-automatisierungsdiskurs
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/summa-summarum-nehmen-roboter-menschen-die-jobs-weg-1.3943886


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