„Mama, schau mal!“ Kinder brauchen Aufmerksamkeit

Achtsamkeit - pme Familienservice Blog

28.07.2017
Gabriele Strasser
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Bekommen Kinder und Jugendliche genügend Beachtung von ihren Eltern? Und was passiert, wenn nicht? Dieser Frage ging die Universität Bielefeld im Auftrag der Bepanthen-Stiftung nach. Für die Studie wurden 1083 Kinder in Deutschland und deren Eltern befragt.


Fast jedes dritte Kind fühlt sich zu wenig beachtet

Insgesamt 1,9 Millionen Kinder in Deutschland fühlen sich der Studie zufolge von ihren Eltern nicht beachtet. Fast jedes dritte Kind zwischen 6 und 11 Jahren (31%) und 17 Prozent der Jugendlichen leiden nach eigenen Angaben unter mangelnder Aufmerksamkeit. Das Ergebnis ist unabhängig vom sozioökonomischen Status, der Familienkonstellation und vom Migrationshintergrund.

 

So schlimm wie ein Leben in Armut

Nicht vorhandene Achtsamkeit ist für die Entwicklung von Kindern so gravierend wie ein Leben in Armut, so die Autoren der Studie. Es zeigen sich Defizite in verschiedenen Bereichen, die das gesamte Leben beeinflussen. Kinder, die sich nicht beachtet fühlen, empfinden weit weniger Geborgenheit als andere und sind weniger zufrieden mit sich selbst und ihrem Leben. Bei der Befragung gaben sie außerdem an, sich nicht in andere hineinversetzen und mitfühlen zu können und ihre Ängste und Sorgen nicht mit ihren Eltern zu teilen.


Achtsam gegenüber Kindern -  5 Tipps

Von Julia Eck, Fachberaterin aus der pme-Elternberatung

  1. Suchen Sie regelmäßig das Gespräch mit Ihren Kindern, zum Beispiel bei gemeinsamen Mahlzeiten. Hören Sie aufmerksam zu, wenn Ihr Kind aus der Schule oder dem Kindergarten, von Freunden und Hobbys erzählt. Tipp: Auch Jugendliche freuen sich über elterliche Zuwendung, auch wenn Sie das nicht immer zeigen.
  2. Stärken Sie das Selbstbewusstsein Ihres Kindes, indem Sie seine Talente und Stärken fördern. Spielt es gerne Fußball oder möchte es ein Instrument spielen? Melden Sie es in einem Verein an und ermuntern Sie es, neue Dinge auszuprobieren.
  3. Rituale stärken das Familienleben und geben Kindern Sicherheit und Orientierung. Die „Gute- Nacht-Geschichte“, das ausgiebige Sonntagsfrühstück, der wöchentliche Spieleabend – all das gibt den Kindern ein Gefühl der Geborgenheit.
  4. Fragen Sie Ihr Kind nach seinen Gefühlen und Sorgen und nehmen Sie diese ernst. Wer gelernt hat, über die eigenen Gefühle zu sprechen, kann sich auch in andere Menschen hineineinfühlen und empathisch sein.
  5. Sorgen Sie für Ruheinseln: Der Alltag einer Familie ist  oft streng durchorganisiert. Ebenso wichtig wie gemeinsame  Freizeitaktivitäten sind deshalb gemeinsame Zeiten der Entspannung – diese wiederum sind eine gute Gelegenheit für Gespräche.

Quelle: „Achtsamkeit in Deutschland: Kommen unsere Kinder zu kurz?“