Mandy: Der Natur auf der Spur

Mit wetterfester Jacke und Gummistiefeln im Wald und auf der Wiese – so verbringt die pme-Erzieherin Mandy Großheim zurzeit viele ihrer freien Samstage. Die 30-Jährige macht eine Zusatzausbildung zur Naturpädagogin und ist überzeugt: Kinder brauchen Natur!

Durch ihre Ausbildung hat das Rausgehen mit den Kindern für Mandy Großheim eine neue Qualität gewonnen: „Bei den Wolkenzwergen waren wir schon immer jeden Tag mit den Kindern draußen, aber vor allem auf Spielplätzen. Jetzt unternehmen wir öfter Spaziergänge, bei denen es vor allem darum geht, ohne festes Ziel herumzustreifen und die Natur zu entdecken. Das geht sogar in einer so großen Stadt wie Hamburg. Es ist erstaunlich, was die Kinder bei unseren Streifzügen alles finden – Steine, Stöcke, Schmetterlinge, Bienen und Blumen", sagt sie.
 

Wie riecht der Baum? Echte Naturerlebnisse statt Spielplatz

Auch ein Waldtag gehört zum pädagogischen Programm bei den Hamburger Wolkenzwergen. „Alle zwei Wochen verbringen wir einen ganzen Vormittag im Wald", sagt Mandy. „Da schauen wir uns beispielsweise gemeinsam ganz genau die Bäume an und lernen sie mit allen Sinnen kennen – wie riechen sie, wie fühlen sie sich an? Oder wir sammeln Blätter und basteln später in der Einrichtung damit".

Mandy Großheim weiß, dass es ganz wichtig ist, den Kindern Zeit zu lassen: „Viele Kinder sind es nicht gewohnt, im Wald zu sein. Manche haben auch Angst, etwa vor Krabbeltieren. Wir sprechen mit den Kindern darüber, was Pflanzen brauchen oder welchen Nutzen die verschiedenen Insekten haben. Nach und nach wird ihre Wahrnehmung geschult, und sie finden interessante Dinge, mit denen sie sich konzentriert beschäftigen. In der Natur ist für jedes Kind etwas dabei. Das eine Kind gräbt im Boden, ein anderes spielt mit Stöcken oder balanciert auf Baumstämmen, wieder andere finden sich zu Rollenspielen zusammen".
 

Von der Leidenschaft zum beruflichen Schwerpunkt

Während ihrer Kindheit in einem kleinen Dorf in der Nähe von Hamburg war es für Mandy Großheim selbstverständlich, immer draußen unterwegs zu sein. Die Liebe zu „Outdoor-Aktivitäten mit Frischluftgarantie" hat sie auch im Erwachsenenalter beibehalten – und ausgebaut. Dazu beigetragen haben die langen Spaziergänge mit den Hunden ihrer Eltern: „Diese Ausflüge haben meinen Blick geschärft für die Natur und für den Wechsel der Jahreszeiten. Beim Laufen kann ich die vielen Gedanken im Kopf sortieren und mich richtig gut erholen".

 

Mit Becherlupe, Seilen und GPS

Seit einem Jahr lässt sich Mandy bei der „Bildungswerkstatt für Natur und Umwelt" zur Fachkraft für Naturerlebnispädagogik ausbilden – und ist begeistert: „Die Ausbildung ist sehr praxisnah, interessant und anregend. Wir verbringen den ganzen Tag in der Natur, auf der Wiese, am Wasser oder im Wald, und lernen viel über die Tiere und Pflanzen. Wir erforschen beispielsweise Insekten mit der Becherlupe, wir machen Spiele und sprechen über unsere Erfahrungen".

Auf dem Stundenplan stehen neben Naturerlebnissen auch Geocaching, die „digitale Schatzsuche", oder handwerkliche Aktivitäten. So entsteht beispielsweise aus Tontöpfen, Draht und Stroh ein Insektenhotel, oder Seile werden mit bestimmten Knoten so an den Bäumen verknüpft, dass man daran klettern und hangeln kann. „Mit den Seilen kann man tolle Spiele machen", erzählt Mandy, „zum Beispiel das ‚Spinnennetz', wo es darum geht, durch das Netz zu klettern, ohne die Seile zu berühren. Natürlich lernen wir auch, wie man die Seile so verknotet, dass sie die Bäume nicht beschädigen".

 

"Das Leben in der Stadt ist oft eine Reizüberflutung"

Echte Natur tut jedem Menschen gut, davon ist Mandy Großheim überzeugt. „Das Leben in der Stadt stellt für Kinder oft eine Reizüberflutung dar. Nach einem Tag in der Natur ist jedes Kind ruhiger und erholter", sagt sie. Die Natur biete zwar ebenfalls viele Sinnesreize, diese seien aber ganzheitlich: „Die Kinder bestimmen selbst, womit sie sich beschäftigen. Somit bestimmen sie auch, auf welche Reize sie sich einlassen. Und anders als vorgefertigte Umgebungen oder Materialien hat die Natur unendlich viele Facetten und setzt der kindlichen Fantasie keine Grenzen".


 

Buchtipps von Mandy Großheim:
 

Wie Kinder heute wachsen (von Gerald Hüther und Herbert Renz-Polster)
Der Kinderarzt Herbert Renz-Polster und der Hirnforscher Gerald Hüther gehen der Frage nach, wie die Entwicklung unserer Kinder am besten gelingen kann. Kinder brauchen Natur, müssen Freiheit erleben dürfen, Widerstände überwinden, einander auf Augenhöhe begegnen – und dabei ist es dann ganz leicht, zu sich selbst zu finden.

 

Mit Cornell die Natur erleben (von Joseph Cornell)
Der bekannte Naturpädagoge Joseph Cornell schreibt über die Grundlagen der Naturpädagogik und präsentiert zahlreiche Naturerfahrungsspiele.