Weltspieltag 2018: Lasst uns draußen spielen!

Weltspieltag 2018: Lasst uns draußen spielen!

28.05.2018
Christin Müller
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Ein schmutzverschmiertes Gesicht, Dreck unter den Fingernägeln, Kleingetier in den dünnen, zerzausten Haaren, eine rotzige Stupsnase und blutige Schrammen am Knie. Das Kind streift laut schnatternd durch die Straßen und Gärten, baut Buden aus Ästen, kraxelt in der warmen Juniabendsonne Kirschbäume hoch und zeigt verschmitzt das breiteste und glücklichste Grinsen, das sich eine Mutter nur vorstellen kann. Es ist das wilde, unbekümmerte Kind, das es so sehr liebt, draußen zu spielen, und das in uns allen steckt.

Wenn wir an unsere Kindheit zurückdenken, sind es meistens genau diese Momente, an die wir uns erinnern und nach denen wir uns so sehr zurücksehnen. Einmal wieder die raue Natur in all ihrer Herrlichkeit und Schönheit genießen, einmal wieder das sorgenfreie „Schmuddelkind“ sein! Wer wäre nicht sofort dabei!

Aber oje, da draußen kann man ja von Bäumen fallen, sich Zeckenbisse oder Wespenstiche einfangen, Holzsplitter zuziehen, fremde, gruselige Gestalten antreffen oder unter die Räder geraten – es kann sehr viel passieren, da draußen!
 

Draussen Spielen in der Natur

 

Spielen heißt Grenzen kennenlernen

Jemand sagte einmal: „Wo nichts passieren kann, passiert auch nichts“. Draußen spielen ist für viele Kinder nicht mehr so selbstverständlich wie früher. Dabei ist das Spiel in der freien Natur wichtig für die kindliche Entwicklung. Es fördert die Bewegungsfähigkeit, aber auch kognitive Fertigkeiten, die Kreativität und – ganz wichtig –: die Selbstbestimmtheit.

Da draußen können Kinder sich ausprobieren, sie selbst sein und ihre Grenzen kennenlernen – ohne von ihren Eltern gelenkt zu werden. Sie dürfen Krach machen, ohne den Zorn der Nachbarin aus dem 1. Stock zu spüren, sie dürfen sich streiten, ohne Mediation durch die vernünftigen Erwachsenen. Clarissa Cornelia Paulmann, Sozial- und Organisationpädagogin beim pme Familienservice, sagt dazu: „Die Welt draußen ist ein unabdingbares Abenteuer. Kinder befinden sich an der frischen Luft oftmals in einer viel reizfreieren Umgebung, die zusätzlich ihre Kreativität fordert und fördert. Um zu verstehen und zu lernen, reicht es nicht, Dinge in Büchern zu sehen oder von ihnen zu hören, sondern diese selbst zu erleben, zu ertasten oder zu riechen“.

Herbert Renz-Polster stellte in einem Vortrag beim pme Familienservice die Frage: „Was ist die unstrukturierteste Erfahrung für Kinder?“. Und beantwortete sie gleich selbst: „Die möglichst wilde, die möglichst unbearbeitete Natur“.

Der Berliner Kinderarzt Dr. Oliver Bartelt findet in einem Artikel im aktuellen klecks-Magazin zum Thema "Rausgehen": „Kinder haben einen ausgeprägten inneren Bewegungsdrang, und der bekommt an der frischen Luft den maximalen Raum. Das ist wichtig für eine gesunde Entwicklung, denn Bewegung schult alle Qualitäten der Wahrnehmung. Beim Klettern, Rennen oder Ballspielen entwickeln sich Erfahrungen für das räumliche Denken, die Körperwahrnehmung, das Gleichgewicht und die Koordination. Zusätzlich regt Bewegung den Stoffwechsel an und trainiert das Immunsystem“.
 

Draussen Spielen Hüpfen
 

Weltspieltag 2018: draußen spielen

Mit dem diesjährigen Thema „Lasst uns draußen spielen!“ machen das Deutsche Kinderhilfswerk und das Bündnis Recht auf Spiel darauf aufmerksam, dass die Bedingungen für das Draußenspiel von Kindern verbessert werden müssen. Gleichzeitig ist das Motto ein Aufruf an die Eltern, ihren Kindern den nötigen Freiraum dafür zu geben. Auch wir plädieren dafür und möchten Sie anregen, Ihrem inneren kindlichen Ich mehr Gehör zu verschaffen und das Draußenspiel Ihrer Kinder zu fördern. Kreidebilder malen, Gummitwist, Entdeckungsreisen in die Natur: Das Draußenspiel hat einiges zu bieten. Projektideen finden Sie auf der Seite des Bündnis Recht auf Spiel.
 

Buchtipp

Buch Kinder verstehen von Renz Polster und Huether

Renz-Polster, Herbert / Hüther, Gerald (2016): Wie Kinder heute wachsen. Natur als Entwicklungsraum, Beltz.