Schulden durch Corona: Wenn das Einkommen nicht mehr reicht

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Schulden: "Wir werden 2022 einen Tsunami erleben“

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14.12.2021
Sabrina Ludwig
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Kurzarbeit, fehlende Studenten- und Minijobs: Die vierte Corona-Welle bringe erneut viele Beschäftigte in finanzielle Schwierigkeiten, warnt der Berliner Finanzberater Frank Wiedenhaupt. Die gute Nachricht: Je früher eine ver- oder überschuldete Person Hilfe sucht, umso leichter kommt sie aus der finanziellen Krise wieder heraus.

Schuldnerberater Frank Wiedenhaupt vor der Berliner Stadtmission

Laut Expert:innen soll sich die corona-bedingte Insolvenzwelle noch bis in das Jahr 2022 fortsetzen. Spüren Sie auch in Ihrer Beratung, dass mehr Menschen von Überschuldung bedroht sind als vor der Pandemie?

Frank Wiedenhaupt: Paradoxerweise ist eine Insolvenzwelle in diesem Jahr weit und breit nicht in Sicht. Im Gegenteil: die Anzahl der eröffneten Insolvenzen ist in den ersten 10 Monate sogar um 21,94 % gesunken.

Die erneuten wirtschaftlichen Einschränkungen im Einzelhandel, im Kunstbetrieb und der Gastronomie werden allerdings sicherlich dafür sorgen, dass viele Selbstständige aufgeben werden; nicht aus wirtschaftlichen Gründen, sondern weil vielen jetzt die mentale Energie ausgeht. Die psychische Abgeschlagenheit von Ratsuchenden erleben wir gerade praktisch in jedem Beratungsgespräch. Ich gehe daher davon aus, dass wir im Jahr 2022 eher einen Tsunami als eine Welle erleben werden.

Wen trifft es jetzt besonders hart?

Den stationären Einzelhandel trifft es gerade in seinen Grundfesten. Anstehen, um den Impfstatus überprüfen zu lassen, Shoppen mit Maske, die Nase fängt aufgrund der Temperaturunterschiede unter der Maske an zu laufen: alles Dinge, die einem das Kauferlebnis schon zum Teil verleiden. Dadurch wenden sich immer mehr Konsumenten dem Online-Handel zu.

Ebenfalls trifft es die Gastronomie, die eine heftige Stornierungswelle für betriebliche und private Weihnachtsfeiern verkraften muss. So braucht sich dann auch niemand neu einzukleiden, weil man auf Festen nicht gesehen und damit auch der neue Anzug nicht bewundert werden kann. Diese Umsätze fehlen dann im Modehandel. Die Veranstaltungs- und die Tourismusbranche müssen erneut größere Veranstaltungen absagen, Konzert-Touren werden verschoben. Die Planung von Reisen ist ein Lotterie-Spiel.

Das bedeutet zum Beispiel, dass Beschäftigte in Kurzarbeit geschickt und studentische Hilfskräfte gar nicht erst benötigt werden. Für alle bedeutet es Einkommenseinbußen, und diese sind potenzielle Auslöser für eine Überschuldung.

Was raten sie den Menschen jetzt, um sich nicht zu verschulden?

Gerade in unsicheren Zeiten sollte man sein Geld zusammenhalten und auf längerfristige Verträge verzichten, die man nicht so einfach kündigen kann, wenn das Geld knapp wird. Das alte Smartphone tut´s auch noch.

Können Sie verschuldeten Menschen immer helfen?

Man kann Menschen immer helfen, wenn sie sich helfen lassen. Doch psychische Problemlagen, nichttherapierte Sucht oder der Hang zu Verschwörungstheorien verhindern manchmal, die Schuldensituation in den Griff zu bekommen und zu beheben. Es hat einen Grund, warum manche Menschen irgendwann Einlass in eine Notübernachtung für Obdachlose begehren.

Was können Arbeitgeber tun, um ihren Beschäftigten helfen?

Spätestens, wenn die Gehaltspfändung in der Personalabteilung eintrifft, merken Arbeitgeber, dass der Mitarbeiter finanzielle Probleme hat. Schon die Gläubigerart oder die Anzahl der Pfändungsbeschlüsse zeigen das Ausmaß der finanziellen Schieflage an. Auch der Abteilungsleiter wird das zum Beispiel daran merken, wenn die Arbeitsergebnisse nicht mehr stimmen oder eine Arbeitnehmerin Charakterveränderungen aufweist. Hier kann ein klärendes Gespräch helfen, und der Schulder sollte sich auf jeden Fall professionelle Hilfe für die Bewältigung der Schuldensituation suchen. Dafür muss sich in der heutigen Zeit niemand mehr schämen.

Und warum lohnt es sich für Arbeitgeber eine Einkommens- und Budgetberatung anzubieten?

„Happy wife, happy life“, der Spruch, der für jede gute Ehe steht, gilt auch in der Beziehung zwischen Mitarbeitenden und Arbeitgeber. Mittlerweile ist es nicht mehr so einfach, gut ausgebildetes Personal zu bekommen. Die „Pflege“ und Unterstützung der Menschen in der Firma wird einen höheren Stellenwert einnehmen.

Arbeitnehmer, die permanent an den nächsten Monatsanfang denken und überlegen, wie sie die anstehenden Abbuchungen vom privaten Konto stemmen können, werden ihre Arbeit nicht so verrichten, wie es ohne finanziellen Druck möglich wäre. Schulden bedeuten auch eine enorme psychische Belastung. Eine professionelle Einkommens- und Budgetberatung sorgt dafür, dass dieser finanzielle Druck nachhaltig abgebaut wird. Nachhaltigkeit wird sicherlich in den kommenden Jahren noch mehr an Bedeutung gewinnen. 

Was müssen Personalverantwortliche wissen, wenn Mitarbeiter:innen in finanziellen Schwierigkeiten stecken?

Je früher eine ver- oder überschuldete Person Hilfe sucht, umso leichter und besser kann diese Hilfe den Menschen aus einer finanziellen Krise führen. Für die Mitarbeitenden in den Personalabteilungen ist es daher wichtig, möglichst früh Kontakt zu den Beschäftigten aufzunehmen, deren Gehalt durch einen Pfändungs- und Überweisungsbeschluss eingeschränkt worden ist. In der Beratungspraxis kommen immer wieder Fälle vor, bei denen ein rechtzeitiges Eingreifen und Umlenken Schlimmeres verhindern hätte können. Die Einstellung der Energieversorgung, der Verlust des privaten Mietverhältnisses bis hin zur Einleitung eines privaten Insolvenzverfahrens hätten bei rechtzeitiger Inanspruchnahme von Hilfeangeboten vermieden werden können.

Wo sehen Sie die Herausforderungen des nächsten Jahres 2022 für Arbeitgeber?

Wie bisher in der Pandemie besteht die Herausforderung auch weiterhin darin, ohne Planungsgrundlagen für das Jahr 2022 zu planen. Muss der Arbeitgeber eine mögliche Impflicht kontrollieren? Unter welchen Bedingungen dürfen Arbeitnehmer überhaupt im Büro oder in einer Filiale arbeiten? Inwieweit belastet diese ganze Situation Mitarbeitende und Führungskräfte psychisch?

Auch im Jahr 2022 wird man nur auf Sicht fahren können und einkalkulieren müssen, dass das, was gestern noch galt, morgen schon wieder hinfällig sein wird. Spontanes Krisenmanagement wird auch weiterhin die Herausforderung für alle im nächsten Jahr sein.



Frank Wiedenhaupt ist Schuldner- und Insolvenzberater in Berlin und berät seit über 15 Jahren Unternehmer:innen. Angefangen mit einem türkischen Gemüseladen in Berlin-Neukölln, kamen mit der Zeit der Freiberufler, Ärzte, Architekten, Rechtsanwälte und Immobilienprojektierer dazu, und neue, viel größere Schuldensummen. Der größte „Klopper“, den Frank Wiedenhaupt beraten hat, hatte 33 Millionen Euro Schulden. Zum LinkedIn Profil

 

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