Fair@Work – Wie wollen wir zukünftig arbeiten?

Fair @ Work – Wie wollen wir zukünftig arbeiten

06.09.2016
Kerstin Altrock
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Das Gehalt selber festlegen? In einem Team ohne Chef arbeiten? Immer mehr Unternehmen wagen den Schritt in eine flexible und selbstbestimmte Arbeitskultur. Zum einen liegt das sicher am zunehmenden Wettbewerb um qualifiziertes Fachpersonal – und den gestiegenen Anforderungen der jüngeren Generation an das Berufsleben. Doch Arbeitgeber, die neue Formen der Zusammenarbeit wagen, erkennen auch: Ihre Mitarbeiter sind produktiver und kreativer und weniger krank.

Im Rahmen des 6. Humanomics-Kongresses am 7. Oktober in München, den der pme Familienservice veranstaltet, stellen einige Unternehmen alternative Arbeitsmodelle vor. Zu den Best-Practice-Beispielen gehören u. a. die Heermann Maschinenbau GmbH und die Münchner CalCon AG.

 

Heermann Maschinenbau GmbH: flexibel durch agile Transformation

Ursprünglich herrschte bei der Heermann Maschinenbau GmbH aus dem schwäbischen Frickenhausen eine klassische Organisationsstruktur: Es gab Abteilungen und Abteilungsleiter. Die Führungskräfte wiesen ihren Mitarbeitern Arbeitspakete zu und kontrollierten die Ergebnisse. Bei Serienfertigungen war diese Arbeitsweise unproblematisch. Doch es kamen immer mehr Aufträge für Sonderanfertigungen, bei denen die Firma mit diesen klassischen Strukturen an ihre Grenzen stieß. Arbeitsüberlastung, Lieferverzögerungen und immense Kostensteigerungen waren die Folge.

Die Geschäftsführung erkannte, dass es Zeit für Veränderungen war. Auf der Suche nach einer Lösung stieß sie auf das Konzept des agilen Projektmanagements. Im Gegensatz zum klassischen Projektmanagement-Ansatz, bei dem vor Beginn eines Projekts umfangreich und detailliert vorausgeplant wird, lässt der agile Ansatz Planungen und Veränderungen während des Projekts zu und kommt ohne Anfangsplanung aus.

 

Selbst organisierte Teams ermöglichen flexibles Handeln

Durch den Wechsel zum agilen Projektmanagement wurde die Abteilungsstruktur völlig umgeworfen. Das Familienunternehmen führte selbst organisierte Teams und flache Hierarchien ein. Die Teams planen eigenständig ihre Projekte und stimmen selbst über Neueinstellungen und ihre Urlaubstage ab. Durch die Abschaffung der ursprünglichen Hierarchien bekamen die ehemaligen Abteilungsleitungen neue Aufgabenbereiche, beispielsweise den Aufbau eines After-Sales-Services. Der Erfolgsschlüssel ist die schnelle Abstimmung im Team, die äußerst flexibles Handeln ermöglicht. Die neue Verantwortung motiviert jeden einzelnen Mitarbeiter: Der Krankenstand ist seitdem deutlich gesunken.

Durch die Umstrukturierung hat sich die Unternehmenskultur komplett gewandelt. Heute gibt es keine Einzelkämpfer mehr. Die Mitarbeiter diskutieren und lösen Herausforderungen gemeinsam und liefern die Produkte rechtzeitig oder sogar vor dem geplanten Termin an die Kunden. Mit dieser Erfolgsgeschichte hat die Heermann Maschinenbau GmbH bewiesen, dass moderne Arbeitskultur auch im Maschinenbau funktioniert. Dafür wurde das Unternehmen mit dem New Work Award 2015 von XING ausgezeichnet.

 

CalCon Deutschland AG : Fairness durch transparentes Gehaltsmodell

Die Münchner CalCon AG geht davon aus, dass verlässliche Spielregeln zwischen Chef und Mitarbeitern für mehr Gerechtigkeit in Unternehmen sorgen, und setzt deshalb beim Thema Gehalt auf Transparenz und Mitbestimmung.

Vor etwa sechs Jahren hat die Firma ein Gehaltsmodell eingeführt, bei dem jeder seine Arbeitsbedingungen und sein Gehalt selbst zusammenstellen kann – jedoch nach eindeutig definierten Kriterien. Es gibt ein festgelegtes Maximalgehalt, das nach Qualifikation und Berufserfahrung variiert, aber ansonsten nicht verhandelbar ist. Das Maximalgehalt verdient, wer 40 Stunden pro Woche arbeitet, eine tägliche Kernarbeitszeit von 9 bis 16 Uhr sowie 24 Urlaubstage pro Jahr akzeptiert und keine Extras für sich in Anspruch nimmt.

 

Ich kaufe mir Benefits gegen Gehalt

Wer Benefits wie zusätzliche Urlaubstage, flexible Arbeitszeiten, Homeoffice-Option oder Firmenwagen in Anspruch nehmen möchte, macht Abstriche beim Gehalt. Mit Hilfe einer Excel-Tabelle, in der die verschiedenen Elemente zusammengeführt werden, kann sich jeder Mitarbeiter seine Rahmenbedingungen mit dem dazugehörigen Gehalt zusammenbasteln. Beim jährlichen Personalgespräch besteht die Möglichkeit, die Faktoren wieder neu zu gestalten.

Die Vorstandsvorsitzende der CalCon AG, Sigrid Niemeier, erklärt: „Ziel unseres Gehaltsmodells ist es, unterschiedlichen Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen flexible Lösungen in Sachen Work-Life-Balance zu ermöglichen, die zugleich für alle fair sind".

Die beiden Praxisbeispiele zeigen exemplarisch, wie Fairness und Selbstbestimmung im Job aussehen können. Es gibt zahlreiche Modelle für Unternehmen, sich erfolgreich zu attraktiven Arbeitgebern zu wandeln. Dafür braucht es immer Mut und die unbedingte Überzeugung der Geschäftsführung, dass Veränderung möglich und auch nötig ist.

 

Weitere Informationen unter: www.humanomics.de