Vier Kleinkinder sitzen nebeneinander, klatschen und schauen zur Betreuungsperson
Eltern & Kind

Kita oder Tagesmutter? So finden Sie die passende Kinderbetreuung

Die Entscheidung, wie ein Kind betreut werden soll, beschäftigt viele Eltern früher oder später. Schließlich geht es nicht nur darum, wer das Kind während der Arbeitszeit betreut, sondern auch darum, wo es sich wohlfühlt, gefördert wird und Vertrauen entsteht. Beide Betreuungsformen haben ihre Stärken und können – je nach Kind, Familie und individuellen Bedürfnissen – die richtige Wahl sein.  

In diesem Beitrag erfahren Sie, worin sich Kita und Kindertagespflege unterscheidenund welche Betreuung am besten zu Ihrer Familie passen könnte. 

Fachexpertin: Rebecca Brielmaier, ausgebildete Erzieherin, Pädagogin und Fachberaterin im Bereich Eltern & Kind bei pme Familienservice.

Kinderbetreuung in der Kita oder Kindertagespflege?

Kita und Kindertagespflege sind rechtlich gleichgestellt: Beide erfüllen denselben gesetzlichen Bildungs-, Erziehungs- und Betreuungsauftrag nach § 24 SGB VIII und der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz gilt für beide Formen gleichermaßen. Sie unterscheiden sich jedoch konkret in Gruppengröße, Betreuungsort, Anzahl der Betreuungspersonen sowie im Alter der betreuten Kinder.

Kinder in Deutschland haben ab ihrem ersten Geburtstag bis zum Schuleintritt einen gesetzlichen Anspruch auf frühkindliche Förderung. Das bedeutet: Eltern haben das Recht auf die Bereitstellung eines geeigneten Betreuungsplatzes in einer Kindertageseinrichtung (Kita) oder in der Kindertagespflege, der den gesetzlichen Qualitätsanforderungen entspricht. 

Geregelt ist dieser Anspruch im Achten Buch Sozialgesetzbuch (SGB VIII) unter § 24 SGB VIII.

Was ist der Unterschied zwischen Kita und Kindertagespflege?  

Auf den ersten Blick verfolgen sowohl die Kindertagesstätte (Kita) als auch die Kindertagespflege dasselbe Ziel:  

  • Kinder werden liebevoll betreut,  
  • in ihrer Entwicklung begleitet und auf ihrem Weg unterstützt 
  • und lernen soziale Beziehungen aufzubauen. 

Dennoch unterscheiden sich beide Betreuungsformen in einigen wichtigen Punkten.  

Beide Betreuungsformen sind rechtlich gleichgestellt 

Rechtlich und im Sinne des Gesetzes ist die Kindertagespflege (durch Tagesmütter oder Tagesväter) der Betreuung in einer Kita im Hinblick auf den Förderauftrag und den gesetzlichen Anspruch gleichgestellt. Beide gehören zur öffentlichen Kinder- und Jugendhilfe nach dem Sozialgesetzbuch VIII (SGB VIII) und haben denselben gesetzlichen Auftrag für Erziehung, Bildung und Betreuung. Auch der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz gilt für beide Formen gleichermaßen. 

Was macht eine Kindertagesstätte (Kita) aus? 

Eine Kindertagesstätte (Kita) ist eine Einrichtung zur Bildung, Betreuung und Erziehung von Kindern:

  • Je nach Einrichtung werden Kinder vom ersten Lebensjahr bis zum Schuleintritt in größeren Gruppen betreut: In Krippen sind es Gruppen von bis zu 12 Kindern. Im Kindergarten sind die Gruppen meist größer, der Betreuungsschlüssel ist nach Bundesland unterschiedlich.  
  • Die Betreuung erfolgt durch staatlich anerkannte pädagogische Fachkräfte wie Erzieher:innen, Pädagog:innen, Sozial- oder Heilpädagogi:nnen, häufig unterstützt durch Kinderpfleger:innen und Ergänzungskräfte.  
  • Der Alltag ist klar strukturiert und orientiert sich am pädagogischen Konzept der jeweiligen Einrichtung und des Trägers.  
  • Die Betreuung kann je nach Einrichtung in Teil- oder Ganztagsform erfolgen.  
  • Die Öffnungszeiten variieren je nach Kita bzw. Kita-Träger. 

 
 

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Als Träger von über 80 Kinderbetreuungs- und Bildungseinrichtungen bieten wir qualitativ hochwertige Pädagogik und flexible Kinderbetreuung an. Finden Sie die pme-Kita in Ihrer Nähe

Was macht die Kindertagespflege aus? 

Die Kindertagespflege, auch Betreuung durch eine Tagesmutter oder einen Tagesvater genannt, bietet Kindern eine familiäre und individuelle Betreuung: 

  • In kleinen Gruppen von bis zu fünf Kindern werden überwiegend Kinder bis drei Jahre betreut. Durch die kleine Gruppengröße können Kinder besonders intensiv begleitet werden und eine vertrauensvolle Beziehung zur Betreuungsperson aufbauen. 
  • Die Betreuung findet in der Regel im Haushalt der Kindertagespflegeperson statt. 
  • Der Alltag orientiert sich an einem individuellen Betreuungskonzept, das die Bedürfnisse, den Entwicklungsstand und die Interessen der Kinder berücksichtigt.  
  • Die Betreuung wird durch das Jugendamt öffentlich gefördert.  
  • Eltern leisten in der Regel einen Beitrag, dessen Höhe sich nach den regionalen Regelungen richtet und beim zuständigen Jugendamt erfragt werden kann. 
  • Im Krankheitsfall der Betreuungsperson sollte eine Ersatzbetreuung über das Jugendamt geregelt sein. In der Praxis hängt die Verfügbarkeit einer Vertretung jedoch von den regionalen Möglichkeiten und dem vorhandenen Netzwerk ab. 


 

Damit Kindertagespflegepersonen diese verantwortungsvolle Aufgabe übernehmen können, müssen sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Diese können je nach Bundesland unterschiedlich sein. Grundsätzlich gehören dazu:  

  • pädagogische Qualifikation, 
  • persönliche Eignung,  
  • geeignete und sichere Betreuungsräume, 
  • ein erweitertes Führungszeugnis zum Schutz der Kinder. 

Um Tagesmutter oder Tagesvater zu werden, benötigen Sie eine pädagogische Qualifikation. Diese können Sie durch einen Kurs zur Kindertagespflege erwerben, der von Jugendämtern oder anderen Trägern angeboten wird: Tagesmutter werden: Ausbildung & Voraussetzungen 

Die Großtagespflege als alternative Betreuungsform

Auch die Großtagespflege gehört zur Kindertagespflege. Dabei schließen sich mehrere Kindertagespflegepersonen zusammen und betreuen gemeinsam eine kleine Gruppe von Kindern – häufig in angemieteten, kindgerecht ausgestatteten Räumen.

So verbindet diese Betreuungsform die überschaubare Gruppengröße der Kindertagespflege mit der Betreuung durch mehrere Personen. Gruppengröße und Rahmenbedingungen können regional unterschiedlich sein. 

Können Kita und Tagespflege kombiniert werden? 

Ja, in bestimmten Fällen können Kita und Kindertagespflege miteinander kombiniert werden. Diese Form der Betreuung ist eher selten und wird häufig als “ergänzende Kindertagespflege” bezeichnet.  

Die Kombination kommt dann infrage, wenn  

  • die Öffnungszeiten der Kita nicht mit den Arbeitszeiten der Eltern übereinstimmen  
  • oder zusätzliche Betreuungszeiten benötigt werden. 

Ein Beispiel: Ein Kind besucht am Vormittag eine Kita und wird anschließend am Nachmittag oder in Randzeiten durch eine Kindertagespflegeperson betreut. Auch bei besonderen Arbeitszeiten oder einem erhöhten Betreuungsbedarf kann eine ergänzende Kindertagespflege eine passende Lösung sein. 

Ob eine solche Kombination möglich ist und ob sie finanziell gefördert wird, hängt von den Regelungen der jeweiligen Kommune und dem zuständigen Jugendamt ab. Familien sollten sich daher frühzeitig informieren und ihren individuellen Betreuungsbedarf gemeinsam mit dem Jugendamt oder den Betreuungseinrichtungen besprechen. 

Ein Gedanke von Rebecca Brielmaier für Eltern  

Gerade bei Kindern unter drei Jahren lohnt es sich, darauf zu achten, welche Betreuungssituation dem Kind Sicherheit und Geborgenheit vermittelt. Vertraute Bezugspersonen und verlässliche Abläufe spielen in diesem Alter eine wichtige Rolle.  

Eine Kombination aus Kita und Kindertagespflege kann eine gute Lösung sein, wenn sie zum Kind und zum Familienalltag passt und die Übergänge zwischen den Betreuungssituationen gut begleitet werden. Manche Kinder profitieren von unterschiedlichen Erfahrungen und Umgebungen, während andere mehr Ruhe und Kontinuität benötigen. 

Was ist teurer – Kita oder Tagesmutter?  

Ob eine Kita oder eine Kindertagespflege teurer ist, lässt sich nicht pauschal beantworten.  

Die Kosten hängen von verschiedenen Faktoren ab, z. B.:

  • Wohnort
  • Betreuungsumfang
  • Einkommen der Eltern
  • Regelungen des jeweiligen Bundeslandes bzw. der Kommune

Auch die Trägerschaft einer Kita kann einen Einfluss auf die Kosten haben. Es gibt z. B. städtische Kitas, private Kitas sowie Elterninitiativen:  Während sich die Beiträge bei öffentlichen Trägern häufig nach den kommunalen Gebührenordnungen richten, können private Träger eigene Beitragsmodelle haben. Elterninitiativen setzen oft ein besonderes Engagement der Familien voraus und können ebenfalls eigene Kosten- oder Beteiligungsmodelle anbieten. 


 Wie finde ich die passende Betreuung für mein Kind? 

Die Suche nach der passenden Betreuung beginnt mit der Frage: Was passt zu meinem Kind und zu unserer Familie?  

"Nicht jede Betreuungsform ist für jedes Kind und jede Familiensituation gleichermaßen geeignet. Die beste Betreuungsform ist die, die zum Kind, zum Familienalltag und zu den individuellen Bedürfnissen aller Beteiligten passt." – Rebecca Brielmaier, Erzieherin, Pädagogin und Fachberaterin im Bereich Eltern & Kind bei pme Familienservice.

1. Wünsche und Bedürfnisse herausfinden

Überlegen Sie zunächst, welche Wünsche und Bedürfnisse Sie für Ihr Kind haben und welche Rahmenbedingungen im Familienalltag wichtig sind. 

2. Betreuungsmöglichkeiten in der Umgebung finden

Informieren Sie sich, welche Betreuungsmöglichkeiten es in Ihrer Umgebung gibt und welche Angebote zu Ihrer Situation passen. Eine persönliche Beratung kann helfen, einen Überblick über die verschiedenen Betreuungsmöglichkeiten zu bekommen. 

3. Einrichtungen und Betreuungspersonen kennenleren

Lernen Sie verschiedene Einrichtungen und Betreuungspersonen kennen:  Viele Kitas bieten Tage der offenen Tür oder Besichtigungstermine an. Auch bei einer Kindertagespflegeperson kann nachgefragt werden, ob ein Kennenlernen oder ein Besuch vorab möglich ist. Der persönliche Eindruck spielt eine wichtige Rolle – denn neben den Rahmenbedingungen ist auch das eigene Gefühl entscheidend. 

Sie haben Fragen zur Kita-Eingewöhnung? In diesem Beitrag erhalten Sie Tipps zur aus der pme Elternberatung: Behutsamer Kita-Start: So klappt die Eingewöhnung

4. Angebote vergleichen

Nehmen Sie sich daher Zeit, die verschiedenen Betreuungsformen und Angebote in Ihrer Region zu vergleichen. Denn die richtige Entscheidung ist die, bei der sich Ihr Kind wohlfühlt und die den Bedürfnissen Ihrer Familie am besten gerecht wird. 

Sie sind sich unsicher, welche Betreuung zu Ihrem Kind passt? 

Unsere Elternberater:innen unterstützen Sie bei der Wahl der passenden Kinderbetreuung. Jetzt pme Elternberatung anfragen.

Persönlich und vertraulich: Wir sind online, telefonisch und vor Ort für Sie da.  

Hilfreiche Fragen, die bei der Entscheidung für die passende Kinderbetreuung helfen können: 

Was braucht mein Kind? 

  • Wie alt ist mein Kind und welcher Entwicklungsstand liegt vor? 
  • Fühlt sich mein Kind in einer größeren Gruppe wohl oder benötigt es eher eine ruhige, überschaubare Umgebung? 
  • Braucht mein Kind besonders viel Nähe, feste Bezugspersonen und einen strukturierten Alltag? 
  • Wie geht mein Kind mit neuen Situationen und Veränderungen um? 

Welche Betreuungsform passt zu unserem Alltag? 

  • Welche Betreuungszeiten benötigen wir? 
  • Brauchen wir eine flexible Betreuung oder feste Zeiten? 
  • Wie gut lassen sich Öffnungszeiten und Arbeitszeiten miteinander vereinbaren? 
  • Wie wichtig sind kurze Wege und eine gute Erreichbarkeit? 

Welche Betreuung wünschen wir uns für unser Kind? 

  • Welche Werte und Vorstellungen sind uns in der Betreuung wichtig? 
  • Welche pädagogischen Schwerpunkte passen zu unserer Familie? 
  • Wünschen wir uns eher eine familiäre Betreuung in kleiner Gruppe oder viele soziale Kontakte in einer größeren Gemeinschaft? 
  • Wie wichtig sind uns feste Bezugspersonen und eine enge Zusammenarbeit mit der Betreuungsperson? 

Fühlen wir uns mit der Betreuung wohl? 

  • Haben wir beim Kennenlernen ein gutes Gefühl? 
  • Wirkt die Umgebung freundlich, sicher und kindgerecht? 
  • Wie wird die Eingewöhnung gestaltet? 
  • Wie werden Eltern einbezogen und informiert? 
     

FAQ: Häufige Fragen zu Kita vs. Tagesmutter 

Was ist der Unterschied zwischen Kita und Kindertagespflege? 

In einer Kita werden Kinder meist in größeren Gruppen von mehreren pädagogischen Fachkräften betreut. Die Kindertagespflege bietet in der Regel eine kleinere, familiäre Betreuungsgruppe mit einer festen Kindertagespflegeperson. Eine weitere Form ist die Großtagespflege, in der sich mehrere Kindertagespflegepersonen zusammenschließen und gemeinsam eine kleine Gruppe betreuen. 

Was ist teurer: Kita oder Tagesmutter? 

Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Die Kosten hängen unter anderem von dem Wohnort, dem Betreuungsumfang, dem Einkommen der Eltern und dem jeweiligen Träger oder Jugendamt ab. Auch für die Kindertagespflege können je nach Region unterschiedliche Beiträge und zusätzliche Kosten anfallen. 

Welche Vorteile hat eine Tagesmutter gegenüber einer Kita? 

Eine Tagesmutter oder ein Tagesvater betreut Kinder meist in einer kleinen Gruppe und kann dadurch besonders individuell auf deren Bedürfnisse eingehen. Für viele Kinder bietet die familiäre Atmosphäre mit einer festen Bezugsperson zusätzliche Sicherheit und Verlässlichkeit. 

Welche Nachteile kann die Kindertagespflege haben? 

Die Betreuung hängt stärker von einer einzelnen Kindertagespflegeperson ab. Bei Krankheit oder Urlaub ist deshalb eine verlässliche Vertretungsregelung besonders wichtig. Außerdem müssen Eltern häufig zum dritten Geburtstag ihres Kindes einen neuen Betreuungsplatz suchen, wenn die Kindertagespflegeperson nur Kinder bis drei Jahre betreut. 

Für wen eignet sich eine Kita, für wen eine Tagesmutter? 

Eine Kita kann gut passen, wenn Eltern sich größere Gruppen, vielfältige soziale Kontakte und die Betreuung durch ein Team wünschen. Die Kindertagespflege kann besonders geeignet sein, wenn eine kleine Gruppe, eine familiäre Umgebung und eine feste Bezugsperson wichtig sind. Entscheidend sind immer das Kind, sein Entwicklungsstand und der Familienalltag. 

Worauf sollten Eltern bei der Auswahl achten? 

Eltern sollten insbesondere auf die Betreuungszeiten, die Gruppengröße, feste Bezugspersonen, die Eingewöhnung, den Umgang mit Krankheit und Ausfällen sowie die Atmosphäre vor Ort achten. Ein persönliches Kennenlernen hilft dabei einzuschätzen, ob sich das Kind und die Familie mit der Betreuung wohlfühlen. 

null Was macht ein gutes Team aus?

vier Personen im Blaumann posieren
Führung & HR

Was macht ein gutes Team aus?

Warum performen manche Teams mühelos, während andere auf der Stelle treten? pme-Akademie Leiterin Darina Doubravova erklärt, warum der Blick aufs Ganze entscheidend ist. Entdecken Sie die vier wichtigsten Stellschrauben und Praxis-Tipps für sofort mehr Zusammenhalt und Erfolg. 

 

Was heißt systemischer Ansatz bei Teams?

Kennen Sie das? Ein Team voller talentierter, engagierter Profis, aber die Ergebnisse bleiben aus. Die Stimmung ist angespannt, Projekte verlaufen im Sand. Man ist versucht, die Ursache bei einzelnen Personen zu suchen, doch das greift meist zu kurz. Eine aktuelle McKinsey-Studie widerlegt den Mythos, dass Talent allein ausreicht. Die wahre Ursache liegt selten bei den einzelnen Mitgliedern. Sie liegt im System. Darina Doubravova, Leiterin der pme Akademie, führt Sie durch die entscheidenden Faktoren, die aus einer Gruppe von Einzelkämpfern ein echtes Dream-Team formen.

"Ein Team, das aus ‚Superstars‘ besteht, ist nicht von Natur aus ein großartiges Team – tatsächlich kann es zu schlechterer Leistung führen.“ McKinsey, When teams get healthier, the whole organization benefits ​​​​​​​

Der erste und wichtigste Schritt zur Verbesserung ist ein Perspektivwechsel. Teams sind nicht als isolierte Inseln zu betrachten, sondern als Teil eines dynamischen Organisations-Ökosystems. „Weder einzelne Teammitglieder noch Teams kann man isoliert betrachten. Sie sind immer als Teil eines komplexen Öko-Systems in ständiger Wechselwirkung mit anderen Teams und den Dynamiken der gesamten Organisation“, erklärt Darina Doubravova, Leiterin der pme Akademie.

Dieser ganzheitliche Blick sei entscheidend, um die Zusammenarbeit im Unternehmen wirklich zu verstehen und nachhaltig zu verbessern.

Deshalb empfiehlt sie jedem Team, ganz bewusst den Austausch mit anderen Teams zu suchen und offen Fragen zu stellen wie: „Welche Erwartungen habt ihr eigentlich an uns? Wie nehmt ihr unsere Aufgaben und Beiträge wahr?“ Durch diesen Dialog können beide Seiten ihre Perspektiven offenlegen, abgleichen und gegebenenfalls anpassen – ein Prozess, der als echter Perspektivwechsel das gegenseitige Verständnis fördert. Nur wenn ein Team diesen systemischen Kontext erkennt und aktiv gestaltet, kann es sein volles Potenzial entfalten und wirklich effektiv zum Gesamterfolg beitragen.

"Mir ist in vielen Unternehmen aufgefallen, dass sich Abteilungen häufig über mangelnde Wertschätzung durch andere beschweren. Dabei lohnt es sich immer, auch selbstkritisch zu reflektieren: Wie schätze ich eigentlich die Arbeit der anderen Teams ein?", sagt Darina Doubravova. "Wenn Teams über den Tellerrand hinausblicken und den systemischen Kontext einbeziehen, entsteht nicht nur mehr Wertschätzung, sondern auch eine bessere Zusammenarbeit.

So wird aus einer guten Arbeitsbeziehung ein echter Erfolgsfaktor für das ganze Unternehmen." Wertschätzung ist keine Einbahnstraße, sondern entsteht nur im wechselseitigen Austausch und gegenseitigem Verständnis.

Fünf Stellschrauben für erfolgreiche Team-Performance 

Die Forschung zeigt, dass der Erfolg von Teams kein Zufall ist, sondern auf konkreten, erlernbaren Verhaltensweisen beruht. Studien belegen: Es sind nicht etwa zufällige Faktoren oder die Zusammensetzung allein, die ein Team erfolgreich machen, sondern gezielt gelebte Prinzipien im Arbeitsalltag.

"Unsere Forschung zeigt, dass insbesondere vier Treiber den größten Einfluss haben: Vertrauen, Kommunikation, innovatives Denken und Entscheidungsfindung." McKinsey, When teams get healthier, the whole organization benefits 

1. Vertrauen & Psychologische Sicherheit: Das Fundament 

Ohne Vertrauen ist alles nichts. Es ist die Basis, auf der Teammitglieder wagen, Risiken einzugehen, offen ihre Meinung zu sagen und Fehler zuzugeben. Nur wo Vertrauen herrscht, können Mitarbeitende ihre Ideen frei äußern, Fragen stellen und auch mal Unsicherheiten oder Zweifel ansprechen, ohne Angst vor negativen Konsequenzen zu haben. So entsteht eine Umgebung, in der gemeinsames Lernen und kontinuierliche Verbesserung möglich werden.

Aktuelle Studien zeigen, dass Teams mit hoher Vertrauenskultur deutlich leistungsfähiger sind. Laut einer Untersuchung des Beratungshauses McKinsey sind solche Teams bis zu 3,3-mal produktiver als Teams mit geringerem Vertrauen. Sie erzielen bessere Ergebnisse, treffen schneller Entscheidungen und gehen kreativer mit Herausforderungen um.

Außerdem sinken Krankenstand und Fluktuation, weil die Mitarbeitenden sich gehört und wertgeschätzt fühlen. Kurz gesagt: Vertrauen ist der Nährboden für Innovation, Zusammenarbeit und nachhaltigen Erfolg in jedem Team.

 

Praxis-Tipps zum Sofort-Umsetzen: 

  • Persönliche Check-ins: ​​​​​​​Beginnen Sie Teammeetings mit einer kurzen, persönlichen Runde. So entsteht eine offene Atmosphäre, in der sich alle als Teil des Teams fühlen und Vertrauen wachsen kann.
  • Fehler als Lernchance: Fördere eine Fehlerkultur, in der Missgeschicke offen angesprochen und gemeinsam reflektiert werden. Das stärkt das gegenseitige Vertrauen und macht innovative Teamarbeit möglich.
  • Verlässlichkeit leben: Halten Sie Absprachen konsequent ein und informieren Sie Ihr Team proaktiv über Änderungen oder Herausforderungen. Damit zeigen Sie Verlässlichkeit und bauen ein stabiles Vertrauensverhältnis auf. 

Unsere Untersuchung ergab, dass Teams, die beim Thema Vertrauen überdurchschnittlich gut abschnitten, 3,3-mal effizienter waren und mit 5,1-mal höherer Wahrscheinlichkeit Ergebnisse lieferten als Teams mit unterdurchschnittlichem Vertrauen.
McKinsey, When teams get healthier, the whole organization benefits 

2. Offene Kommunikation & Feedback: Der Motor 

Klare, offene und wertschätzende Kommunikation ist der Motor, der das Team voranbringt und Konflikte löst, bevor sie eskalieren. Nur wenn alle Teammitglieder wissen, wie sie miteinander sprechen und Feedback geben können, entsteht eine vertrauensvolle Atmosphäre und produktive Zusammenarbeit.

Praxis-Tipps zum Sofort-Umsetzen: 

  • Regeln für Kommunikation festlegen: Legen Sie gemeinsam mit Ihrem Team verbindliche Kommunikationsregeln fest. Bestimmen Sie beispielsweise, welches Kommunikationstool (z. B. E-Mail, Chat, persönliche Gespräche) in welcher Situation genutzt wird und wer bei wichtigen Themen informiert werden muss. So vermeiden Sie Missverständnisse und sorgen für Klarheit.​​​​​​​
  • Feedback-Routinen einführen: ​​​​​​​Etablieren Sie regelmäßige Feedback-Runden, zum Beispiel mit der einfachen und effektiven 5-Finger-Feedback-Methode. So erhalten alle Teammitglieder die Möglichkeit, Lob und Verbesserungsvorschläge konstruktiv zu äußern und kontinuierlich an ihrer Zusammenarbeit zu arbeiten.
  • Aktiv zuhören: Trainieren Sie echtes, wertschätzendes Zuhören. Signalisieren Sie Ihrem Gegenüber durch Nachfragen und Wiederholen, dass Sie wirklich verstehen wollen, was gemeint ist. Damit fördern Sie gegenseitigen Respekt und entlasten die Kommunikation im Team.

Arbeiten Sie an Ihrer Haltung zum Feedback: Konstruktives Feedback ist ein Geschenk und eröffnet die Möglichkeit, sich zu verbessern.
Darina Doubravova, Leiterin der pme Akademie 

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3. Innovatives Denken & Vielfalt: Der Treibstoff 

Teams, die offen für neue Ideen sind und unterschiedliche Perspektiven wertschätzen, sind nachweislich kreativer, flexibler und besser vorbereitet auf Veränderungen. Diversität bringt frische Lösungsansätze, fördert Innovationskraft und erhöht die Wettbewerbsfähigkeit. Entscheidend ist, dass jedes Teammitglied seine Stärken und Erfahrungen einbringen kann.

Praxis-Tipps zum Sofort-Umsetzen: 

  • Raum für Kreativität schaffen: Blocken Sie regelmäßig feste Zeiten für gemeinsames Brainstorming in Ihrem Kalender. Ermutigen Sie Ihr Team dazu, in diesen Sitzungen alle Ideen offen zu äußern – ganz ohne sofortige Bewertung oder Kritik. So entstehen neue Ansätze und kreative Lösungen.
  • Vielfalt bewusst nutzen: Fördern Sie den Austausch zwischen Teammitgliedern mit unterschiedlichen fachlichen und persönlichen Hintergründen. Bitten Sie gezielt um verschiedene Sichtweisen und zeigen Sie Wertschätzung für unterschiedliche Meinungen. So profitieren Sie vom gesamten Erfahrungsschatz Ihres Teams.
  • Experimente erlauben: Schaffen Sie eine Teamkultur, in der Ausprobieren und „Fehlermachen“ ausdrücklich erwünscht sind. Bestärken Sie Ihre Mitarbeitenden darin, kleine Experimente oder Pilotprojekte zu starten. Feiern Sie gemeinsam Lernfortschritte – unabhängig davon, ob der Versuch sofort erfolgreich war.

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4. Klare Entscheidungsfindung: Das Steuerrad 

Unklare Prozesse bei Entscheidungen führen schnell zu Frust und lähmen die Zusammenarbeit. Effiziente Teams hingegen wissen genau, wer in welchen Situationen wie entscheidet. So werden Entscheidungen zügig getroffen, alle Beteiligten ziehen an einem Strang und das Team bleibt handlungsfähig.

Praxis-Tipps zum Sofort-Umsetzen: 

  • Rollen klären: Schaffen Sie Klarheit im Team, indem Sie gemeinsam festlegen, wer für welche Entscheidungen verantwortlich ist, wer beratend zur Seite steht, wer Vorschläge einbringt und wer letztlich die Umsetzung übernimmt. Diese Transparenz sorgt für Orientierung und steigert die Effizienz.
  • Qualität vor Perfektion: Treffen Sie Entscheidungen zügig. Ermutigen Sie das Team, Entscheidungen zügig und auf Basis der verfügbaren Informationen zu treffen, anstatt endlos nach der perfekten Lösung zu suchen. Ein pragmatischer Ansatz spart Zeit und ermöglicht direktes Handeln.
  • Aus Fehlern lernen: ​​​​​​​Nehmen Sie sich regelmäßig Zeit, um Entscheidungen zu reflektieren – besonders dann, wenn das gewünschte Ergebnis ausbleibt. Analysieren Sie gemeinsam die Ursachen, ohne Schuldzuweisungen. So profitieren alle vom gemeinsamen Erfahrungswissen und entwickeln sich als Team kontinuierlich weiter.

"Es geht darum, nicht nur klare Rollen innerhalb des Teams zu klären, sondern auch zu betrachten, welche Erwartungen von außerhalb an die einzelnen Teammitglieder herangetragen werden. Auch das Thema ‚Silos durchbrechen‘ wird immer wichtiger.
Darina Doubravova, Leiterin der pme Akademie 

 

 


 

5. Nachhaltigkeit und der Blick von außen 

Selbstreflexion ist gut, aber oft reicht der Blick von innen nicht aus. Teams entwickeln schnell blinde Flecken für ihre eigenen Schwächen. Führungskräfte schätzen die Situation oft positiver ein als der Rest des Teams. Ein externer Impuls kann entscheidend sein, um die wahren Baustellen zu identifizieren.

Externe Teamentwicklung ist besonders dann sinnvoll, wenn ein neues Team startet, große Veränderungen anstehen oder Konflikte die Zusammenarbeit lähmen. Ein externer Coach kann helfen, festgefahrene Muster zu erkennen und dem Team neue Wege aufzuzeigen. 

Teams sind sich oft ihrer wichtigsten Lücken nicht bewusst und können gemeinsame blinde Flecken haben, was dazu führt, dass sie die falschen Dinge priorisieren.
McKinsey, When teams get healthier, the whole organization benefits ​​​​​​​

Fazit

Ein leistungsfähiges Team ist das Ergebnis eines kontinuierlichen Prozesses, der beim Verständnis des großen Ganzen beginnt. Indem Teams ihre Rolle im organisationalen Ökosystem erkennen und aktiv an den Säulen Vertrauen, Kommunikation, Innovation und Entscheidungskraft arbeiten, legen sie den Grundstein für nachhaltigen Erfolg. 

FAQ: Team-Performance steigern 

Was macht ein gutes Team aus?

Erfolgreiche Teams zeichnen sich durch gegenseitiges Vertrauen, offene Kommunikation, vielfältige Perspektiven sowie klare Entscheidungsfindung aus. Gemeinsame Ziele, wertschätzender Umgang und eine konstruktive Fehlerkultur sind weitere Schlüssel zum Erfolg.

Wie kann Vertrauen im Team aufgebaut werden?

Vertrauen entsteht durch transparente Kommunikation, Zuverlässigkeit und eine offene Fehlerkultur. Regelmäßige persönliche Gespräche, gelebte Wertschätzung und das Einhalten von Zusagen fördern das gegenseitige Vertrauen im Team.

Was fördert eine gute Kommunikation im Team?

Klare Absprachen, aufmerksames Zuhören und ein respektvoller Umgang sind entscheidend. Feedback sollte regelmäßig und konstruktiv gegeben werden. Gemeinsame Regeln für die Nutzung von Kommunikationskanälen helfen, Missverständnisse zu vermeiden.

Was versteht man unter systemischem Ansatz?

Der systemische Ansatz betrachtet Teams als Teil eines größeren organisationalen Systems. Im Mittelpunkt stehen die Beziehungen und Wechselwirkungen der Mitglieder. Ziel ist, Muster im Miteinander zu erkennen und so wertschätzende, lösungsorientierte Zusammenarbeit zu fördern.

Was hilft gegen Konflikte im Team?

Konflikte sollten frühzeitig angesprochen werden. Offene, wertschätzende Gespräche und neutrale Moderation helfen, Lösungen zu finden. Wichtig ist, Konflikte als Chance zur Weiterentwicklung zu sehen, statt Schuldzuweisungen zu machen.

Wann sollte externe Teamentwicklung eingesetzt werden?

Externe Teamentwicklung empfiehlt sich bei wiederkehrenden Konflikten, größeren Veränderungen im Team oder wenn die Zusammenarbeit langfristig verbessert werden soll. Ein neutraler Blick von außen kann festgefahrene Muster lösen.

Weiterführende Links

McKinsey Quarterly: "Go, teams: When teams get healthier, the whole organization benefits"
October 31, 2024