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Eltern & Kind

KI mit Kindern nutzen – was sollten Eltern beachten?

KI bietet viele Chancen für Lernen und Kreativität, bringt aber auch neue Risiken mit sich. Statt zu verbieten, lohnt es sich, KI gemeinsam zu entdecken und bewusst zu nutzen. In diesem Beitrag erhalten Sie Anregungen für altersgerechte Übungen, praktische Regeln für den Familienalltag, Tipps zu Datenschutz und Fake News sowie Vorschläge für kreative Lern- und Spielideen.

Fachexpertinnen: Pia Schulze Zumkley und Katrin Drescher, Fachberaterinnen Eltern & Kind.

Einfach erklärt: Was ist KI? 

Künstliche Intelligenz (KI) ist eine Sammlung von Programmen und Algorithmen, die aus Daten lernen und Aufgaben lösen können, die früher nur Menschen erledigt haben. KI kann Texte schreiben, Bilder erzeugen, Fragen beantworten oder Vorschläge machen – hat aber kein eigenes Bewusstsein, keine Gefühle und weiß nicht „was „richtig“ oder „falsch“ ist.

Wichtig: KI trifft Vorhersagen auf Basis von Mustern in Daten; sie kann Fehler machen, Vorurteile übernehmen oder Informationen erfinden (sogenannte Halluzinationen). Kindgerecht formuliert: „KI ist ein sehr schlaues Werkzeug, das bei vielen Fragen weiterhilft, aber nicht immer Recht hat“.

Können wir KI vertrauen?

Eine Untersuchung der britischen Verbraucherschutzorganisation Which? zeigt: Keiner der gängigen KI-Chatbots antwortet durchgängig zuverlässig. Testsieger war Perplexity mit 72 % richtigen Antworten, dicht gefolgt von Google (70 %), Gemini (68 %), Microsoft Copilot (67 %) und ChatGPT (65 %). Deutlich abgeschlagen war Meta AI (54 %). Auch Stiftung Warentest rät: Wer KI um Rat bittet, sollte die Antworten immer kritisch prüfen! 

Warum ist Medienkompetenz im KI-Zeitalter wichtig?

Künstliche Intelligenz gibt schon sehr lange, aber durch Chat-Bots wie ChatGPT  hat KI in den letzten Jahren einen schnellen, einfach zugänglichen Weg in unseren privaten Gebrauch gefunden. Für viele von uns ist KI ein ständiger Begleiter geworden. Daher wird es immer wichtiger, sich damit auseinanderzusetzen und die eigene Medienkompetenz zu erweitern.

Aus diesem Grund sind Verbote oder der Versuch, Kinder von KI fernzuhalten, wenig sinnvoll. Besser ist es, Kinder frühzeitig  heranzuführen und ihnen altersgerecht zu erklären, was KI kann und was nicht. 

Inzwischen ist KI – neben organisatorischen Aufgaben - auch in der pädagogischen Arbeit in Kitas im Einsatz. Lesen Sie hier „Warum KI in die Kita gehört“.

Betrachten Sie KI als Werkzeug und nicht als Bedrohung. Nutzen Sie die damit verbundenen Chancen und stärken Sie gleichzeitig die Kompetenz, die Risiken zu minimieren.“ Pia Schulze Zumkley, Fachberaterin Eltern & Kind

Was ist die Rolle der Eltern?

Eltern haben eine Vorbildfunktion und sollten ihre eigene KI-Nutzung kritisch hinterfragen. Die Aufgabe von Eltern ist auch, mit den Kindern klare Regeln zu entwickeln, wann, wofür und in welchem Umfang KI genutzt wird – und sie regelmäßig auf den Prüfstand zu stellen.  

„Wenn Regeln nicht mehr eingehalten werden, deutet das darauf hin, dass sie nicht mehr altersgerecht sind.“ Katrin Drescher, Fachberaterin Eltern & Kind

Eltern sollten auch akzeptieren dass Kinder manchmal besser Bescheid wissen. So können Sie sich von Ihren Kindern auch Dinge erklären und zeigen lassen.

Sie suchen Tipps für mehr Sicherheit im Netz? Lesen Sie unseren Artikel “Cybermobbing: Wie Eltern ihre Kinder schützen können”.

Wie können Kinder altersgerecht an KI herangeführt werden?

Probieren Sie KI gemeinsam mit Ihrem Kind aus, testen Sie neue Tools und Apps. Seien Sie neugierig und entdecken Sie die KI mit ihren Vorteilen, Gefahren und Grenzen

  • Stellen Sie der KI Aufgaben, ohne lange zu überlegen.
  • Sprechen Sie mit der KI wie mit einem Menschen.
  • Stellen Sie Fragen, z. B. „Wer bist du?“ oder „Was kannst du?“.

Hinterfragen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind die Ergebnisse, um das kritische Denken zu fördern: 

  • Wie ist KI zu der Antwort gekommen? 
  • Was passiert, wenn ich dieselbe Frage später noch mal stelle oder ein anderes KI-Modell frage? 
  • Bekomme ich dieselben Antworten? 

Erklären Sie Kindern, dass KI auch dazu genutzt werden kann, um Fakes zu erstellen. Mit kleinen Experimenten können Sie üben, Fake-Inhalte zu erkennen, z. B. mit Texten, Bildern, Videos. Tipp: Stellen Sie der KI Fragen zu Ihren Interessen (z. B. Hobbys, Sport). Damit können Sie einfacher erkennen, wie kompetent die Ergebnisse sind bzw. wo die KI Grenzen hat.  

Trendthema KI & Lernen: Spannende Veranstaltungen und Impulse

In unserer Veranstaltungsreihe "KI und Lernen" geben wir gemeinsam mit unseren Expert:innen sowie Top-Speaker:innen praxisnahe Antworten und wertvolle Impulse für den Einsatz von KI – bei der Arbeit und im Alltag!  
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KI mit Kindern entdecken: Tipps für jedes Alter

Bei Kindern bis 5 Jahren ist das Ziel, Neugier zu wecken und in Begleitung von Erwachsenen sichere erste Erfahrungen zu ermöglichen. Dazu eignen sich spielerische, medienarme Begegnungen, z. B. einfache Sprachassistenten für Liedersingen mit Erklärungen in kurzen, bildhaften Sätzen („Das ist ein Computer, der dir beim Singen hilft“). 

Bei Grundschulkindern geht es darum, ein Grundverständnis herzustellen und erste kritische Fragen anzuregen. Dafür eignen sich kleine Experimente wie:

  • KI-generierte Bilder mit echten Fotos vergleichen
  • Texte umformulieren lassen und mit dem Original vergleichen

Bei älteren Kindern und Jugendlichen (ab ca. 11 Jahren) geht es mehr darum, tiefer einzutauchen, Quellen zu überprüfen und ein Bewusstsein für ethische Aspekte zu wecken.

  • Analysieren Sie gemeinsam, warum unterschiedliche KI-Modelle unterschiedliche Antworten geben.
  • Diskutieren Sie über Datenschutz, Deepfakes und Verantwortung.
  • Regen Sie Jugendliche an, eigene Prompts zu entwerfen und die Grenzen der KI auszuloten.

Sie fragen sich, wie viel Medienzeit für Ihr Kind gesund ist? Lesen Sie unseren Artikel Medien und Kinder: Tipps gegen übermäßigen Konsum” 

Starten Sie heute eine kleine Familienübung!

Probieren Sie eine KI-Anwendung gemeinsam aus, diskutieren Sie das Ergebnis und legen Sie eine einfache Regel fest (z. B. 20 Minuten pro Nutzung und keine persönlichen Daten). So entsteht Schritt für Schritt sichere Kompetenz.

6 Tipps: KI clever in der Familie einsetzen

Antworten auf Kinderfragen

KI kann helfen, Kinderfragen kindgerecht zu beantworten, ganz einfach mit dem Prompt „Erkläre mir das so, wie du es einem fünfjährigen Kind erklären würdest“.

Hilfsmittel beim Lernen

KI kann beim Erklären von schwierigen Themen helfen, Lernpläne oder Probeklausuren erstellen, beim Vokabeltraining unterstützen und Lerninhalte spielerisch aufbereiten. 

Ausflüge oder Urlaube planen

Mit Hilfe von KI können Sie z. B. einen Städtetrip so planen, dass die Wünsche aller Familienmitglieder berücksichtigt werden.

Planung des Alltags

KI hilft bei Tages- und Wochenplänen, bei Essensplänen, bei denen die Vorlieben aller Familienmitglieder berücksichtigt werden, bei Einkaufslisten oder auch bei der Verteilung von Aufgaben im Haushalt. 

Kreative Aktivitäten mit Kindern

KI kann Bastel- und Spielideen und individuelle Gute-Nacht-Geschichten liefern.

Planung von Events

Bei der Planung von Kindergeburtstagen oder Familienfeiern kann KI eine wertvolle Hilfe sein. So kann sie einen Plan für eine Mottoparty mit Deko-Ideen, Ablauf, Spielen und passendem Essen erstellen. 

Wie können Eltern Gefahren erkennen und moderieren?

Wenn Kinder mit KI umgehen, kann es auch zu Fehlentwicklungen kommen, etwa wenn sie für schulische Aufgaben nur noch KI nutzen oder fragwürdige Inhalte konsumieren. Hilfreich ist hier:

  • Legen Sie Regeln fest, wo KI unterstützen kann und was sich Ihr Kind selbst erarbeiten müssen (Schule, Freizeit, Projekte).
  • Sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber, warum bestimmte Inhalte problematisch sein können. 
  • Weisen Sie regelmäßig darauf hin, dass die Ergebnisse der KI hinterfragt werden müssen. 

Was ist in punkto Datenschutz zu beachten?

Zur kompetenten Nutzung von KI gehört auch das Bewusstsein für den Datenschutz:

  • Keine sensiblen Daten wie Adresse, vollständiger Name oder Schule in Chats eingeben
  •  Keine Daten von anderen Personen (Freunden oder Bekannten) eingeben
  • Keine eigenen Fotos oder Bilder von Freunden oder Bekannten hochladen

Als Grundregel gilt: „Was du Fremden nicht erzählen würdest, solltest du auch der KI nicht erzählen“.

KI-Checkliste für Familien

  • Zweck klären: Wofür soll die KI genutzt werden(Lernhilfe, Kreativität, Organisation)?
  • Quellen prüfen: Woher kommt die Information? Stimmen die Fakten mit einer verlässlichen Quelle überein?
  • Persönliche Daten schützen: Keine sensiblen Angaben in Chats eingeben.
  • Ergebnis hinterfragen: Klingt die Antwort plausibel? Würde eine andere Quelle dasselbe sagen?
  • Kreativ nutzen, nicht kopieren: KI als Ideengeber verwenden, eigene Arbeit bleibt wichtig (vor allem in der Schule).
  • Zeitlimit setzen und Offline-Zeiten vereinbaren.
  • Inhalte prüfen: Wenn Inhalte verstörend, sexualisiert oder kostenpflichtig erscheinen, sofort gemeinsam anschauen und ggf. Nutzung stoppen.
  • Regeln anpassen: Mindestens einmal pro Jahr gemeinsam überprüfen, ob die Regeln noch passen.
  • Vertrauensvoll kommunizieren: Verbote führen zu heimlicher Nutzung. Besser ist es, im Gespräch zu bleiben

Kinder- und Jugendschutz

Der Kinder- und Jugendschutz im digitalen Raum ist durch zahlreiche Regelwerke auf europäischer und nationaler Ebene geprägt, insbesondere durch den Digital Services Act (DSA) sowie ergänzende nationale Gesetze wie das Jugendschutzgesetz und den Jugendmedienschutz-Staatsvertrag.

Bestandsaufnahme der Expertenkommission zum Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt

Die Expertenkommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“ hat in einer Bestandsaufnahme zentrale Aspekte des Kinder- und Jugendschutzes in der digitalen Welt analysiert. Auf der Basis der Ergebnisse erarbeitet die Kommission konkrete Handlungsempfehlungen, die Ende Juni 2026 vorgelegt werden.

Chancen und Risiken digitaler Lebenswelten sind eng verknüpft. Zu den Risiken zählen:

  • Cybermobbing, Hate Speech, Kostenfallen (Interaktionsrisiken)
  • Sexualisierte Gewalt
  • Manipulierte Plattformmechaniken, die zu exzessiver Nutzung und Datenpreisgabe verleiten
  • Deepfakes, Desinformation oder simulierte Interaktion

Gleichzeitig bieten digitale Räume und neue Technologien erhebliche Chancen – etwa für gesellschaftliche Teilhabe, Identitätsentwicklung und individualisiertes Lernen. 

Im Hinblick auf die Medienbildung zeigt die Bestandsaufnahme zwar eine große Vielfalt, aber auch deutliche strukturelle Defizite. So seien Angebote nicht flächendeckend, häufig nicht verbindlich und unterschiedlich in der Qualität. Insbesondere die frühe Kindheit werde zu wenig berücksichtigt. Die Kommission unterstreicht, dass Medienkompetenz eine Schlüsselrolle spielt und systematisch gestärkt werden muss.

FAQ - Häufige Fragen zu KI und Kindern

Was ist KI — und wie erkläre ich sie kindgerecht?

KI ist ein Werkzeug aus Programmen, das aus Daten lernt. Kindgerecht erklärt: „KI ist ein sehr schlaues Werkzeug, das hilft, aber nicht immer Recht hat.“

Warum sollten Eltern KI nicht einfach verbieten?

Verbote verhindern Lernchancen; besser ist Begleitung, altersgerechte Einführung und klare Regeln.

Ab welchem Alter kann mein Kind mit KI in Kontakt kommen – und wie?

Bis 5 Jahre spielerisch und medienarm (z. B. einfache Sprachspiele); Grundschule: erste Experimente und Vergleiche; ab etwa 11 Jahren tieferes Arbeiten (Quellenprüfung, Ethik, Prompts).

Welche Regeln können Familien im Umgang mit KI vereinbaren?

Zweck festlegen, Zeitlimits, keine sensiblen Daten eingeben, Ergebnisse prüfen, KI zur Inspiration nutzen, nicht kopieren, Regeln regelmäßig anpassen.

Wie erkenne ich falsche oder irreführende KI-Antworten (Halluzinationen)?

Quellen prüfen, dieselbe Frage bei anderen Modellen wiederholen, Plausibilitätsprüfung mit Fakten oder Expert:innen.

Worauf muss ich beim Datenschutz achten?

Keine persönlichen Daten (voller Name, Adresse, Schule, Fotos von Kindern oder Dritten) in Chats oder Uploads; „Was du Fremden nicht erzählst, sagst du auch der KI nicht.“

Welche praktischen Übungen eignen sich, um Medienkompetenz zu stärken?

Gemeinsam KI-Aufgaben stellen und Antworten vergleichen (z. B. Textumformulierung vs. Original, KI-Bild vs. Foto), Prompts entwickeln, Fake-Content-Tests und eine kleine Familienübung (z. B. 20 Minuten, keine persönlichen Daten).

null Was ist häusliche Gewalt und wo finde ich Hilfe?

Gewalt an Frauen stoppen
Psyche

Gewalt zuhause: "Es passiert in allen sozialen Schichten"

Wir sprechen mit Jutta Dreyer, Familientherapeutin und Beraterin an der Lebenslagen-Hotline des pme Familienservice. Die Lebenslagen-Hotline bietet den Beschäftigten ihrer Vertragspartner*innen eine anonyme und kostenlose Erst- und Krisenberatung für Frauen, Kinder und weitere Personen, die von häuslicher Gewalt betroffen sind.

Frau Dreyer, wo fängt häusliche Gewalt an?

Jutta Dreyer: Mit häuslicher Gewalt ist Gewalt gemeint, die in Paar- oder Ehebeziehungen passiert. Sie kann aber auch zwischen Geschwistern, gegen Kinder durch die Eltern oder gegen Eltern durch jugendliche Kinder verübt werden. Bei uns in der Beratung haben wir zudem oft den Fall, dass ältere Menschen durch ihre pflegenden Angehörigen Gewalt erfahren. Meistens passiert häusliche Gewalt in den eigenen vier Wänden.

Häusliche Gewalt reicht von Beleidigungen, Verboten, Drohungen und Demütigung bis hin zu körperlicher, seelischer, sexueller und ökonomischer Gewalt, wenn die Betroffenen finanziell abhängig sind vom Täter. Meistens erleben die Betroffenen mehrere dieser Gewaltformen gleichzeitig.

Zur häuslichen Gewalt muss immer öfter auch die digitale Gewalt dazugezählt werden. In zunehmenden Fällen sind Betroffene damit konfrontiert, dass Partner:innen oder Ex-Partner:innen intime Bilder veröffentlichen sie in sogenannte Deep-Fakes einsetzen, um die Betroffenen zu diskreditieren. Oder es wird heimlich Überwachungssoftware auf dem Mobiltelefon installiert, um die Person digital stalken und kontrollieren zu können. Ziel ist hier, dass die Person sich nirgends mehr sicher fühlen soll.

Digitale Gewalt

Welche Gegenmaßnahmen Sie ergreifen können, wenn Sie von digitaler Gewalt betroffen sind, haben wir unter dem Interview extra für Sie zusammengefasst. 

Wer ist von häuslicher Gewalt betroffen?

Häusliche Gewalt gibt es in allen sozialen Schichten und jeder kann davon betroffen sein. In der Regel sind es Frauen, die physische, psychische und sexuelle Gewalt durch ihre Partner erleben. Es gibt auch Männer, die Opfer von häuslicher Gewalt werden. In vier von fünf Fällen sind aber Frauen die Opfer.

Sie sagten, auch Kinder werden Opfer von häuslicher Gewalt.

Leben Kinder im Haushalt, sind sie häufig selbst Opfer physischer Übergriffe oder extrem beeinträchtigt, weil sie die Gewalt und das Klima der Angst und Einschüchterung miterleben müssen. Oft versuchen die Kinder die Mutter zu beschützen und sind Loyalitätskonflikten dem Vater gegenüber ausgesetzt. Die Kinder leiden meistens sehr lange an psychischen Folgen und zeigen Verhaltensausfälligkeiten sowie Angst- und Entwicklungsstörungen.

Welche unterschiedlichen Formen von häuslicher Gewalt begegnen Ihnen in der Beratung besonders häufig?

Bei häuslicher Gewalt muss unterschieden werden zwischen spontanem Konfliktverhalten und systematischem Kontrollverhalten. Bei der systematischen Gewalt geht es dem Täter darum, die Beziehung zu beherrschen und Macht auszuüben. Die Opfer sind hier fast ausschließlich Frauen. Gewalt als spontanes Konfliktverhalten entsteht aus dem Affekt, wenn ein Streit oder Konflikt eskaliert. Hiervon sind Frauen und Männer übrigens gleichermaßen betroffen.

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Warum bleiben viele Frauen in den Beziehungen?

Viele Frauen haben Angst, dass die Situation im Moment der Trennung eskalieren könnte. Deshalb ist es in der Beratung wichtig, an dieser Stelle sehr umsichtig zu sein, einen Notfallplan zu entwickeln und alles in die Wege zu leiten, damit die Frauen und ihre Kinder geschützt sind. Zum anderen haben viele Frauen finanzielle Ängste, machen sich Sorgen, ihre Kinder aus ihrer gewohnten Umgebung zu nehmen, und wissen nicht, ob sie die Veränderungen nach einer Trennung meistern können. Die meisten Männer sind phasenweise auch wieder sehr liebevoll. Oft entschuldigen sich die Täter auch, nachdem sie gewalttätig waren, und versprechen, es nie wieder zu tun. Dadurch hoffen viele Frauen, dass es wieder besser wird.

Wie könnt ihr den Frauen helfen, sich zu entscheiden?

Für viele Frauen ist es wichtig, dass sie dort abgeholt werden, wo sie stehen, und dass ihnen jemand zuhört, ohne Druck auszuüben oder sie zu einer Entscheidung zu drängen. Wir informieren sie über ihre Rechte und die Hilfs- und Unterstützungsmöglichkeiten, so dass sie sich für oder gegen eine Trennung entscheiden können. Es ist wichtig, dass wir gemeinsam mit den Frauen ein „Bild“ zeichnen, das eine Zukunft beinhaltet, die aus ihrer Sicht funktionieren kann. Wir wollen die Frauen ermutigen, ihre Stärken und Ressourcen zu erkennen und zu sehen, was sie alles schon erreicht haben.

 

Gewalt in den eigenen vier Wänden: Kinder leiden besonders stark. Expert:innen zum Kinderschutz können helfen.

 

Wenn sich eine Frau zur Trennung entscheidet, wie helfen Sie konkret weiter?

Das hängt natürlich stark von der Situation ab, in der die Frau ist. Wenn die Situation zu eskalieren droht, tun wir alles zu ihrem Schutz: Wir rufen die Polizei als Unterstützung oder ein Taxi, wenn es schnell gehen muss. Wenn die Frauen ihre Wohnungen verlassen möchten, recherchieren wir Frauenhäuser, suchen andere geschützte Plätze wie Pensionen oder überlegen, bei welchen Freundinnen oder Verwandten sie einen sicheren Ort finden könnten.

Für viele Frauen ist die Beratung aber ein erster Schritt, um in Erfahrung zu bringen, wie der Weg aus der Gewalt aussehen könnte, was ihre Möglichkeiten sind und wo es finanzielle Hilfen gibt.

Was tun, wenn Kinder von der häuslichen Gewalt betroffen sind? Wie können sie geschützt werden?

Wenn Kinder von häuslicher Gewalt betroffen sind und wir den Eindruck haben, dass sie in akuter Gefahr sind, dann sind wir auch verpflichtet zu handeln. Ich rate auch den Müttern, das Jugendamt zu informieren, wenn ihre Kinder von Gewalt betroffen sind. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Jugendämter sehr durchdacht und fachlich gut vorgehen und versuchen, die Familien sehr gut zu unterstützen. Bei uns in der Beratung haben wir auch Expertinnen zum Kinderschutz, die wir nach Wunsch hinzuziehen können.

Was viele Frauen nicht wissen: Es gibt ein Recht auf körperliche Unversehrtheit. Das bedeutet: In dem Moment, wo eine Person in der eigenen Wohnung bedroht wird, wird über Gerichtswege entschieden, dass die Wohnung dem Opfer zugesprochen wird und der Partner sie verlassen muss.

Welche Angebote gibt es für Männer, die nicht mehr Täter sein wollen?

Es gibt Täterprogramme, und die sind sehr erfolgreich, sofern die Männer bereit sind, sich darauf einzulassen und ihr Verhalten ändern möchten. Wer sich darüber informieren möchte, kann sich an die Männerberatungsstellen wenden.

Vielen Dank für das Interview!

Digitale Gewalt: Schutzmaßnahmen und rechtliche Schritte

Digitale Gewalt ist eine ernstzunehmende Bedrohung. Wenn Sie betroffen sind, gibt es konkrete Schritte, die Sie unternehmen können, um sich zu schützen und zur Wehr zu setzen.

Allgemeine Sofortmaßnahmen & wichtige Grundsätze

1. Beweise sichern

Machen Sie von allen relevanten Vorgängen Screenshots. Speichern Sie Nachrichten, Bilder und Profile. Dokumentieren Sie dabei immer Datum, Uhrzeit und die Plattform, auf der der Vorfall stattgefunden hat. Diese Dokumentation ist entscheidend für mögliche rechtliche Schritte.

2. Täter blockieren 

Blockieren Sie die betreffende Person auf allen Kanälen. Ändern Sie bei Bedarf auch Ihre Benutzernamen, um nicht mehr direkt auffindbar zu sein.

3. Konten absichern

Ändern Sie umgehend Ihre Passwörter und aktivieren Sie, wo immer möglich, die Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA). Dies gilt für all Ihre Konten, insbesondere für E-Mail, soziale Medien und Cloud-Dienste.

4. Hilfe suchen

Sie müssen diese Situation nicht alleine bewältigen. Sprechen Sie mit Personen, denen Sie vertrauen, und wenden Sie sich an professionelle Beratungsstellen.

Anlaufstellen für Betroffene:

Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen": Unter 116 016 erhalten Sie kostenlose, anonyme und rund um die Uhr verfügbare Unterstützung.

myprotectify.org: Eine Plattform von Betroffenen für Betroffene, die Gewalt in einer Beziehung erleben.

HateAid: Bietet spezialisierte Beratung und rechtliche Unterstützung bei digitaler Gewalt.

Weisser Ring: Unterstützt Kriminalitätsopfer, auch bei Fällen von Cyberstalking.

Formen digitaler Gewalt und gezielte Gegenmaßnahmen

1. Cyberstalking

Darunter versteht man das hartnäckige Verfolgen und Belästigen durch unerwünschte Nachrichten oder die Überwachung von Online-Aktivitäten.

Gegenmaßnahmen: 

  • Ignorieren & Blockieren: Reagieren Sie nicht auf Kontaktversuche. Jede Reaktion kann von der stalkenden Person als "Ermutigung" missverstanden werden. Blockieren Sie die Person konsequent auf allen Plattformen.
  • Privatsphäre-Einstellungen prüfen: Stellen Sie Ihre Profile in den sozialen Medien auf "privat". Überprüfen Sie, wer Ihre Beiträge sehen kann, und entfernen Sie die Person aus Ihren Follower- oder Freundeslisten.
  • Umfeld informieren: Geben Sie Freund:innen und Familie Bescheid, damit diese nicht unwissentlich Informationen an die stalkende Person weitergeben.
  • Standort-Daten schützen: Deaktivieren Sie die GPS-Funktion für Ihre Social-Media-Apps und verzichten Sie auf das Posten von Live-Standorten.

Rechtliche Schritte:

  • Strafanzeige bei der Polizei: Cyberstalking ist als "Nachstellung" (§ 238 StGB) strafbar. Eine Anzeige ist der wichtigste Schritt, um das Stalking zu beenden. Nehmen Sie alle gesicherten Beweise mit zur Polizei.
  • Gewaltschutzanordnung beantragen: Bei Gericht kann eine einstweilige Verfügung erwirkt werden, die es dem Täter oder der Täterin verbietet, Kontakt aufzunehmen oder sich Ihnen zu nähern. Dies gilt auch für digitale Wege.

2. Bildbasierte Gewalt (z.B. "Rachepornos")

Das unerlaubte Erstellen, Teilen oder die Androhung der Verbreitung von intimen Bildern.

Gegenmaßnahmen:

  • Plattformen informieren: Melden Sie die Inhalte sofort bei den Betreibern der Webseiten oder Social-Media-Plattformen und fordern Sie deren Löschung. Nutzen Sie dafür die vorgesehenen Melde-Buttons ("Report").
  • Tool "StopNCII.org" nutzen: Dieses Tool hilft, die Verbreitung intimer Bilder proaktiv zu verhindern. Sie können dort einen digitalen Fingerabdruck (Hash) Ihrer Bilder erstellen lassen. Teilnehmende Plattformen blockieren dann automatisch den Upload dieser Bilder, ohne dass Sie die Originale aus der Hand geben müssen.
  • Nicht auf Erpressung eingehen: Wenn mit der Veröffentlichung gedroht wird, zahlen Sie kein Geld. Dies löst das Problem in der Regel nicht und kann die Situation verschlimmern.

Rechtliche Schritte:

  • Strafanzeige bei der Polizei: Das Erstellen und Verbreiten solcher Aufnahmen ohne Einwilligung ist strafbar (§ 201a StGB, § 184g StGB, §§ 22, 33 KUG).
  • Anwaltliche Hilfe: Ein ANwalt oder eine Anwältin kann Sie dabei unterstützen, Unterlassungs- und Schadensersatzansprüche durchzusetzen und die Löschung der Inhalte zu beschleunigen.

3. Deepfakes

Täuschend echte, gefälschte Bild-, Video- oder Tonaufnahmen, die dazu dienen, Sie in einem falschen Kontext darzustellen.

Gegenmaßnahmen:

  • Melden & Löschen lassen: Melden Sie die gefälschten Inhalte umgehend bei den Plattformbetreibern.
  • Aufklärung: Je nach Fall und nach Rücksprache mit einer Beratungsstelle kann es sinnvoll sein, die Fälschung öffentlich zu machen, um die Deutungshoheit zurückzugewinnen.
  • Rückwärts-Bildersuche: Mit Tools wie Google Images oder TinEye lässt sich manchmal das Originalmaterial finden, das für die Fälschung verwendet wurde. Dies kann als Beweis der Manipulation dienen.

Rechtliche Schritte:

  • Strafanzeige: Auch wenn es kein spezielles "Deepfake-Gesetz" gibt, sind solche Taten strafbar. Je nach Inhalt können Tatbestände wie Beleidigung (§ 185 StGB), Üble Nachrede (§ 186 StGB), Verleumdung (§ 187 StGB) oder die Verletzung des Rechts am eigenen Bild erfüllt sein.

4. Digitale Kontrolle & Stalkerware

Der Missbrauch von Tracking-Apps zur Überwachung Ihrer Aktivitäten auf dem Smartphone.

Gegenmaßnahmen:

  • Smartphone überprüfen: Gehen Sie die Liste Ihrer installierten Apps durch. Achten Sie auf Anwendungen, die Sie nicht kennen oder die verdächtige Namen tragen (z.B. "System-Service").
  • Anti-Stalkerware-Apps: Programme wie Malwarebytes oder spezielle Tools von Antivirus-Herstellern können solche Überwachungs-Apps erkennen und entfernen.
  • Werkseinstellungen (letzter Ausweg): Wenn Sie sicher sind, dass Sie überwacht werden, die App aber nicht finden, ist das Zurücksetzen des Geräts auf Werkseinstellungen der sicherste Weg. Achtung: Sichern Sie vorher Ihre wichtigen Daten, aber spielen Sie kein altes Backup wieder auf, da die Spyware darin enthalten sein könnte.
  • Passwörter ändern: Ändern Sie nach der Entfernung der Software sofort alle Ihre Passwörter, insbesondere für Ihre E-Mail- und Cloud-Konten (Apple-ID, Google-Konto).

Rechtliche Schritte:

  • Strafanzeige bei der Polizei: Das heimliche Installieren von Überwachungssoftware ist strafbar (§ 202a StGB: Ausspähen von Daten, § 202b StGB: Abfangen von Daten).
  • Wichtig: Lassen Sie Ihr Gerät idealerweise von IT-Forensiker:innen oder der Polizei sichern, bevor die Software entfernt wird, um die Tat beweissicher dokumentieren zu können.

Folgende Apps können helfen, solche Software aufzuspüren:

  • Malwarebytes: Diese App ist bekannt für ihre Fähigkeit, Malware und Spyware auf mobilen Geräten zu erkennen und zu entfernen. Sie bietet auch Schutz vor Stalkerware.
  • Avira: Avira bietet mobile Sicherheitslösungen an, die auch zum Aufspüren von Stalkerware geeignet sind.
  • Avast: Auch Avast bietet mobile Sicherheitslösungen zum Schutz vor unerwünschter Spionagesoftware.
  • Clario Anti Spy: Dieses Tool durchsucht dein Gerät automatisch nach versteckter Spyware, verdächtigen Apps und Manipulationen auf Systemebene, die häufig in einer Stalkerware-App-Liste zu finden sind.
  • Protectstar Anti Spy: Diese App sucht nach verdächtigen Profilen, überhöhten Berechtigungen oder bekannten Stalkerware-Resten und gibt klare Handlungsempfehlungen.