Sarah Raupach Elena Semechin Jessica Mina-Knopp beim Health DAy 2026
News

Health Day 2026: Healthtainment, das bewegt

Über 35.000 Zuschauende, starke Impulse und persönliche Geschichten: der Health Day verbindet Gesundheitswissen mit puren Emotionen. Gestern fand der digitale Gesundheitstag powered by pme Familienservice und Mindance zum fünften Mal statt. 
​​​​​​​Redaktion: Gabi Strasser, Sabrina Ludwig, Isabel Hempel, Christin Müller

Das Erfolgsformat zeigte erneut, wie Gesundheit informativ, unterhaltsam und nahbar vermittelt werden kann. Fünf Speaker:innen beleuchteten aktuelle Gesundheitsthemen aus ganz unterschiedlichen Perspektiven – von KI in der Medizin über mentale Belastung bis zur Frage, was wir aus der Auseinandersetzung mit dem Tod über das Leben lernen können.

Neben fundiertem Wissen und bewegenden Geschichten gab es alltagstaugliche Tipps für zu Hause. Auch Ernährung, Bewegung und Entspannung kamen in den Power Breaks nicht zu kurz. So wurde Gesundheit lebendig und erlebbar.


Premiere: Die Moderatorinnen Sarah Raupach und Jessica Mina-Knopp begrüßten die Zuschauenden zusammen mit pme CEO Dr. Daniel Erler.

Doc Esser: KI als Copilot – Verantwortung bleibt beim Menschen


Dr. Heinz-Wilhelm Esser aka Doc Esser eröffnete den Health Day mit seinem Impulsvortrag.

„Ohne KI werden wir überhaupt nicht in der Lage sein, das alles zu stemmen, was auf uns zukommt im Gesundheitswesen.“ Mit dieser klaren Einschätzung eröffnete der Kardiologe und Fernseharzt Doc Esser seinen Vortrag. Künstliche Intelligenz könne Gespräche ordnen, Daten auswerten und Ärztinnen und Ärzte bei Diagnosen und Dokumentation unterstützen. So könne sie ihnen wertvolle Zeit für ihre Patientinnen und Patienten zurückgeben.

Doch Doc Esser machte auch deutlich: KI kann überzeugend klingen und trotzdem falschliegen. Die ärztliche Verantwortung dürfe deshalb nicht an eine Maschine abgegeben werden. Für ihn ist KI kein Autopilot, sondern ein „Copilot für Ärzte“. Richtig eingesetzt, kann sie Freiraum schaffen für das, was menschliche Zuwendung ausmacht: zuhören, wahrnehmen und gemeinsam mit Patientinnen und Patienten auch Unsicherheit aushalten.

Elena Semechin: Aus Rückschlägen neue Stärke gewinnen


Elena Semechin ist Paralympics-Siegerin, Mutter und Unternehmerin mit starker Persönlichkeit.

Elena Semechin verlor durch eine Augenerkrankung seit ihrer Kindheit zunehmend ihr Sehvermögen. Mit elf Jahren kam sie nach Deutschland, mit 13 sprang sie erstmals ins Schwimmbecken. Dort entdeckte sie eine neue Welt – und den Traum, Paralympics-Siegerin zu werden.

Ihr Weg führte durch Höhen und tiefe Täler. Nach Platz fünf in Rio 2016 wollte sie zunächst mit dem Schwimmen aufhören. Später wurde ihr klar, wie viel sie aus diesem Rückschlag mitnehmen konnte. 2021 gewann sie in Tokio Gold. Kurz darauf folgte die Diagnose Hirntumor. Operation, Bestrahlung und 13 Monate Chemotherapie stellten ihr Leben auf den Kopf. Schritt für Schritt kämpfte sie sich zurück – und gewann 2024 in Paris erneut Gold über 100 Meter Brust, mit Weltrekord.

Heute ist Semechin Mutter und bereitet sich auf die Paralympics 2028 in Los Angeles vor. Ihr Vortrag war emotional und mitreißend. Sie zeigte, wie sie Herausforderungen annimmt und Rückschläge nutzt, um daran zu wachsen. Ihre Botschaft: Es kommt auch darauf an, wie wir eine Situation bewerten – und ob wir daran zerbrechen oder weiterkämpfen. Ein berührender Einblick in die Stärke, die entstehen kann, wenn man sich immer wieder neue Ziele setzt.

Inga Bergen: Wie die Gen Z Gesundheit neu denkt


Digital Health-Expertin Inga Bergen erzählte, was ältere Generationen von der GenZ lernen können.

Inga Bergen gehört zu den prägenden Stimmen für Innovation, Technologie und KI im Gesundheitswesen. Als Beraterin, Investorin und Beirätin sowie Gastgeberin des Podcasts „Visionäre der Gesundheit“ beschäftigt sie sich damit, wie digitale Entwicklungen die Versorgung verändern.

In ihrem Impuls zeigte Bergen, wie selbstverständlich besonders junge Menschen digitale Angebote nutzen, um schnell verständliche Antworten auf Gesundheitsfragen zu finden – auch auf sensible Fragen. ChatGPT und andere KI-Modelle werden dabei zunehmend zu einer Anlaufstelle. Bergen zufolge wenden sich weltweit rund 40 Millionen Menschen mit medizinischen Fragen an solche Angebote. Auch soziale Medien verändern, worüber gesprochen wird: Themen wie Endometriose und Menopause sind durch Plattformen wie TikTok stärker ins öffentliche Bewusstsein gerückt.

Carolin Kebekus: Wenn die To-do-Liste nie endet


Carolin Kebekus erzählte im Interview über ihr Leben als berufstätige Mutter.

Mit Moderatorin Sarah Raupach sprach Carolin Kebekus offen und mit viel Humor über Mutterschaft, Mental Load und den Druck, alles gleichzeitig schaffen zu müssen. Seit sie Mutter ist, sieht ihr Alltag anders aus – und die Liste mit Dingen, an die sie denken muss, scheint nie zu enden.

Kebekus machte sichtbar, wie viel unsichtbare Organisations- und Sorgearbeit viele Mütter leisten. Wenn die Kraft nicht für alles reicht, ist das kein persönliches Versagen. Sie ermutigte dazu, eigene Ansprüche zu hinterfragen, Hilfe anzunehmen und Verantwortung mit dem Partner oder einem unterstützenden Netzwerk zu teilen. Zugleich brauche es strukturelle Veränderungen: mehr Betreuungsplätze sowie eine stärkere Anerkennung und fairere Verteilung von Care-Arbeit.

Philipp Möller: Was uns der Tod über das Leben verrät


Rechtsmediziner Philipp Möller fesselte die Zuschauenden mit Erkennnissen aus dem Obduktionssaal.

Zum Abschluss nahm Rechtsmediziner Philipp Möller die Zuschauenden mit in seinen außergewöhnlichen Berufsalltag – und räumte mit manchen Vorstellungen aus Krimis auf. Rechtsmedizin bedeutet weit mehr als Obduktionen: Auch Verletzungen bei überlebten Gewaltdelikten können wichtige Hinweise geben. Der Körper, so Möller, ist ein „Archiv des Lebens“.

Aus seiner Arbeit leitete er einen klaren Appell ab: „Nehmt eure Gesundheit ernst, ohne sie zum moralischen Leistungstest zu machen.“ Prävention müsse früh beginnen, denn gesundheitliche Probleme entwickelten sich oft über lange Zeit. Gleichzeitig lasse sich Gesundheit nicht vollständig kontrollieren. Wer krank ist, habe deshalb nicht automatisch etwas falsch gemacht. Mit Sachlichkeit und spürbarer Menschlichkeit erinnerte Möller daran, wie kostbar das Leben ist.

Was ist der pme Health Day?


​​​​​​​Das Team vom pme-Health Day 2026.

Der pme Health Day fand 2026 zum fünften Mal als Livestream statt (2021 noch als „Digitaler Gesundheitstag“). In den vergangenen Jahren hat er sich als ein bedeutendes Event im Bereich der betrieblichen Gesundheitsförderung etabliert. Über 35.000 Zuschauende profitierten in den letzten Jahren von den inspirierenden Impulsen namhafter Speaker:innen und Branchenprofis.

Diese Speaker:innen waren bereits auf dem Health Days zu Gast: Carolin Kebekus, Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer, Dr. Eckart von Hirschhausen, Miriam Höller, Samuel Koch, Doc Esser, Dr. Johannes Wimmer, Dr. Leon Windscheid, Steffi Jones, Elena Semechin, Dr. Pop, Michael "Curse" Kurth, Laura Fröhlich, Patricia Cammarata, Nathalie Stüben, Bastienne Neumann uvm.

Unternehmen bundesweit haben die Möglichkeit, dieses Angebot für ihre Beschäftigten zu buchen, um ihnen wertvolle Impulse für ihre Gesundheit zu vermitteln. Sie wollen mehr wissen? Weitere Informationen zu den Themen und zur Anmeldung finden Sie auf der Landing Page vom pme Health Day (Link öffnet sich in einem neuen Fenster) (Link öffnet sich in einem neuen Fenster) .

null Corona und Pubertät - eine Generation im Lockdown

Schulkinder begrüßen sich mit Maske und Elbogen.

Lockdown und Pubertät - wie Eltern unterstützen können

Jugendliche halten sich größtenteils an die Corona-Maßnahmen

Jugendliche sind besser als ihr Ruf. Die SINUS Jugendstudie 2020 hat gezeigt, dass sich die Jugendlichen größtenteils an die Corona-Maßnahmen halten und verantwortungsvoll handeln. Sie sind in den allermeisten Fällen bereit, zurückzustecken, wenn es um ihren Lebensstil, Treffen mit Freunden und andere Dinge geht, die einmal selbstverständlich waren. Sie tun das meist aus einem Verantwortungsbewusstsein für ihre Mitmenschen heraus, sei es die eigene Familie, ältere Menschen aus ihrem Umfeld oder die Gesellschaft als Ganzes.

 

Corona und Pubertät sind eine toxische Kombination

In Zeiten von Corona ist das Leben eines Heranwachsenden besonders schwierig, denn Corona und Pubertät sind eine toxische Kombination! Es geht in dieser Entwicklungsphase darum, Autonomie zu gewinnen, sich von den Eltern abzugrenzen und eigene Regeln zu entwickeln. Doch Corona macht den Jugendlichen einen Strich durch die Rechnung: Statt ihre eigenen Wege zu finden, müssen sie wegen der Ausgangsbeschränkungen ständig mit den Eltern zusammen sein – obwohl sie sich eigentlich nur für ihre Freunde interessieren.

Auch pme- Elternberaterin Kyra Wetzel betont, dass der Mangel an sozialen Kontakten besonders schwierig für Jugendliche ist. Die Peergroup stellt für Jugendliche, zusammen mit der Familie, die wichtigste Säule in ihrem Leben dar. Sie vermissen ihre Freiheit und die Leichtigkeit des Lebens. Jeder Tag gleicht dem anderen, es gibt wenig Abwechslung. Das fördert das Gefühl von Einsamkeit, und die Unbefangenheit geht verloren. Hinzu kommt, dass man in diesem Alter Kontrolle und Einschränkungen als besonders lästig empfindet. Doch gerade jetzt müssen Eltern die Corona-bedingten Restriktionen gegenüber ihren Kindern vertreten.

Konflikte in der Familie nehmen in der Corona-Krise zu Kyra Wetzel berichtet, dass die Konflikte in den Familien während der Corona-Zeit zugenommen haben. Die Familien verbringen viel mehr Zeit miteinander. Hinzu kommen Überforderung und Stress durch Homeschooling und Homeoffice. Die fehlende Abwechslung im Alltag verschärft die Situation. Die Familie wird komplett auf sich zurückgeworfen. Konflikte, denen man vorher eventuell noch aus dem Weg gehen konnte, eskalieren nun viel leichter, und neue kommen dazu. Das kostet Kraft, denn alle Familienmitglieder sind auf ihre Weise stark belastet und frustriert, und die Nerven liegen verständlicherweise oft blank.

 

Ängste, Depressionen und Essstörungen als Folgen von Corona

Auch der Mangel an Struktur, den gerade die Schule gegeben hat, hat Auswirkungen. Entwicklungsneuropsychologin Anja Karlmeier von den Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel betont, dass die Hirnentwicklung von Kindern und Jugendlichen untrennbar mit ihrer sozialen und gesellschaftlichen Entwicklung verbunden ist, also damit, welche Möglichkeiten sie haben, sich in Familie, Schule und Freizeit zu entfalten. Die Schulschließungen und Kontaktbeschränkungen haben also direkte Folgen.

Die COPSY (Corona und Psyche) Studie des Universitätsklinikums Hamburg- Eppendorf belegt, dass sich mehr als 70 % der befragten Kinder und Jugendlichen durch die Corona-Krise seelisch belastet fühlen. Dies zeigt sich u. a. in Angst, Stress und Depressionen. Psychosomatische Klinken bekommen zurzeit vermehrt Zulauf von Heranwachsenden, die mit Essstörungen, Angst- und Zwangsstörungen zu kämpfen haben. Es gibt Jugendliche, die sich immer weiter zurückziehen und kaum noch das Haus verlassen oder mit Zwangsstörungen wie übermäßigem Händewaschen reagieren. Dies ist, so paradox es klingt, ein Versuch, die Kontrolle wiederzugewinnen.

 

Medienkonsum von Jugendlichen im Lockdown

Jugendliche leiden also immens in diesen Zeiten. Aber wie geht man als Eltern in dieser Situation damit um, wenn das Konfliktpotenzial sowieso schon hoch ist? Wie gestaltet man das Familienleben? Und sollte man Regeln zum Medienkonsum etc. aufrechterhalten oder die Leine lockerlassen?

Kyra Wetzel rät, gemeinsam mit der Familie zu entscheiden, wann es eine medienfreie Zeit gibt. Ein reines Verbot oder strenge Regeln werden in den meisten Fällen zu mehr Konflikten führen. Medienkonsum ist auch nicht gleich Medienkonsum. Man muss unterscheiden zwischen Freizeit-, Lern und auch Informationskonsum. Jugendliche haben ein Recht auf Teilhabe am kulturellen Leben und ein Recht auf Zugang zu den Medien. Deshalb sollten Eltern gut abwägen, wie viel Zeit ihre Kinder in deren alternativen medialen Umfeld verbringen dürfen.
Als Eltern sollten Sie auch Alternativen anbieten. Dies kann ein gemeinsamer Spaziergang sein, ein Spieleabend oder das gemeinsame Kochen. Und: Seien Sie als Eltern Vorbild, und achten Sie darauf, wie Sie selbst die digitalen Medien nutzen. Gemeinsam getroffene, klare Absprachen stärken die Beziehung und das Vertrauen zwischen Eltern und Jugendlichen und bauen Konflikten vor.

Die Corona-Pandemie mit allen daraus resultierenden Maßnahmen betrifft uns alle. Es ist aber notwendig, einen besonderen Blick auf die nachwachsende Generation zu werfen, die gerade jetzt die Weichen für ein gelingendes Erwachsenenleben stellen sollte. Diese wertvolle Zeit ist durch die Corona-Krise geprägt von Isolation, Einsamkeit und Beschränkungen. Die Jugendlichen von heute sind das Rückgrat unserer Gesellschaft und die Entscheider von morgen. Deshalb sollten sie die bestmöglichen Voraussetzungen haben, um sich gut zu entwickeln.

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:
Corona: Wie der Lockdown Kinder psychisch belastet 
Schule zu Hause – so gelingt es!

Seelische Folgen des Lockdown – droht uns am Ende das Burnout? 

 

Unsere Elternberatung

Von der Schwangerschaft und Geburt bis zum Erwachsenwerden des Kindes – jede Phase hat ihre schönen Seiten und Herausforderungen. Unser Team aus Sozialpädagogen, Erzieherinnen und Elternberaterinnen unterstützt Eltern in jeder Phase und entlastet den beruflichen und privaten Alltag.

Mehr erfahren: www.familienservice.de/web/pme-assistance/elternberatung

 

Quellen:

https://www.barmer.de/gesundheit-verstehen/coronavirus/sinus-studie-corona-248390


https://www.zeit.de/gesellschaft/familie/2020-07/kinder-corona-krise-psychische-folgen-entwicklungspsychologie


https://www.uke.de/kliniken-institute/kliniken/kinder-und-jugendpsychiatrie-psychotherapie-und-psychosomatik/forschung/arbeitsgruppen/child-public-health/forschung/copsy-studie.html