Anja, die Hundeflüsterin

Wenn Hündin Mia die Frankfurter Kita „Kids' Chance 2" betritt, werden alle Kinder sofort ein bisschen leiser. Sie wissen, dass Lärm den Ohren der Golden-Retriever-Hündin nicht gut tut und nehmen freiwillig Rücksicht. Als festes Teammitglied begleitet Mia ihr Frauchen und Etagenleitung Anja Friedrich täglich zur Arbeit. Für uns berichtet Anja, wie Mia das Leben in der Kita bereichert.

Sollte ich mal ausnahmsweise ohne Mia kommen, ist die Aufregung groß: Wo ist sie denn? Hat sie verschlafen? Oder ist sie etwa krank? Mia ist für die Kinder ein festes Mitglied unserer Einrichtung. Schon als Welpe wurde sie langsam an das turbulente Leben in der Kita herangeführt und begleitet mich seitdem fast täglich – meistens wird sie viel freudiger begrüßt als ich.

In unseren sechs Krippengruppen und zwei Kindergartengruppen ist immer etwas los. Aber sobald Mia in der Nähe ist, sinkt der Geräuschpegel merklich. Die Kinder wissen ganz genau, dass Hunde schnell Ohrenschmerzen bekommen, weil sie viel besser hören als wir Menschen.
 

Kein Knurren, kein Springen

Für den Einsatz in einer Kita braucht ein Hund eine spezielle Ausbildung. Bevor Mia in die Kita kam, musste sie einen sogenannten Wesenstest bestehen. Mia blieb ganz entspannt, als beispielsweise ein Schirm neben ihr schnell aufgespannt und zugeklappt wurde. Sie hat nicht geknurrt und ist auch nicht schreckhaft zur Seite gesprungen. Wegen ihres sanftmütigen Wesens hat Mia die Prüfung zur Begleithündin erfolgreich bestanden. Inzwischen ist sie außerdem ausgebildete Therapiehündin.
 

Kuscheln, füttern – und lernen

Zweimal in der Woche gibt es ein Projekt, bei dem jeweils vier bis fünf Kinder den richtigen Umgang mit Hunden lernen. Die Kinder können dabei Kontakt zu Mia aufnehmen, sich beschnuppern lassen oder erste Streicheleinheiten verteilen. Wer besonders mutig ist, darf Mia auch ein Leckerchen geben. Dabei beantworten wir alle Fragen der Kinder geduldig und erklären ihnen wichtige Regeln zum Umgang mit dem Tier.





 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

                                                                                                                          (Foto: pme Familienservice)


Das alles geschieht selbstverständlich auf freiwilliger Basis, kein Kind muss mitmachen! Manche Kinder wollen erst einmal nur beobachten und trauen sich vielleicht erst Wochen später, Kontakt mit Mia aufzunehmen. Schließlich ist es schon eine große Leistung, mit einem freilaufenden Hund zusammen in einem Raum zu sein. Und selbstverständlich achten wir darauf, dass auch für Mia der Spaß im Vordergrund steht.

Durch die spezifische Therapiehund-Team-Ausbildung ist Mia für die Kinder eine wunderbare Vermittlerin für Lerninhalte. Wir haben viele Möglichkeiten gefunden, Mia in alle Lernbereiche der Kinder zu integrieren. Wenn es beispielsweise um das Erlernen von Farben geht, dürfen die Kinder Leckerlis für Mia unter verschiedenfarbige Hütchen verstecken. Bei einem Projekt zum Thema Sozialverhalten lernten die Kinder unter anderem, dass man einem Hund nicht direkt in die Augen schauen darf, weil ihn das wütend macht, dass man ihn nicht am Schwanz zieht, und wie man sich verhält, wenn andere Hunde auf einen zukommen.

Natürlich wird auch viel gespielt und gestreichelt, wir gehen raus zum Toben und Spazieren oder backen Hundekekse. Mia ist auch bei Ausflügen dabei und begleitet die Kinder in den Wald oder den Park. Mia bereichert unseren Alltag, und wir freuen uns auf viele weitere Abenteuer mit ihr!













Anja Friedrich ist Etagenleitung in der Krippe und Tierbeauftragte der Frankfurter Kita „Kids' Chance 2". Sie arbeitet seit Mai 2009 beim pme Familienservice.