„This Is The New Shit!“ – Wenn Alt von Jung lernt

Reverse Mentoring – pme Familienservice Blog

16.06.2017
Sabrina Ludwig
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Mentoring ist nichts Neues. Ein erfahrener Mentor gibt sein Wissen an einen jungen und unerfahrenen Mentee weiter. Reverse Mentoring stellt dieses Prinzip auf den Kopf: Hier zeigen die Jüngsten im Unternehmen älteren Führungskräften, welche Apps und Tools gerade angesagt sind.

Musical.ly, Instagram Stories und Wattpad sind Apps, die bei Jugendlichen momentan hoch im Kurs stehen. Auch Snapchat feiert unter Teenagern mit Live-Soaps wie iam.serafina riesen Erfolge, während Facebook zum sozialen Netzwerk für Ältere mutiert. Wussten Sie nicht oder nur zum Teil? Was für die Generation Z Alltag ist, ist für die meisten ab dreißig schon eine unbekannte Welt. Und diese wächst und wandelt sich in rasanter Geschwindigkeit.

Große Firmen wie Microsoft, AXA, Henkel oder Telekom setzen deshalb auf Reverse Mentoring, damit ihre Führungskräfte den digitalen Anschluss nicht verpassen. 20-Jährige zeigen gestandenen Führungskräften ihre Lieblings-Apps und wie und wann sie diese nutzen. Michael Jacobs ist General Manager bei Microsoft Norwegen und überzeugt von dieser neuen Lernmethode: „Reverse mentoring helps me get insight into the next generation, who they are, what they value and how to communicate with them.“
 

„iam.serafina“ ist die erste Snapchat-Soap. Bereits die erste Staffel erreichte pro Snap mehr als
14.000 Zuschauer. Im März 2017 startete die 3. Staffel, die mittlerweile auch auf Instagram und
YouTube zu sehen ist.

 

Reverse Mentoring auch für kleine Unternehmen geeignet

Auch Darina Doubravova, Diversity-Managerin beim pme Familienservice, findet, dass Reverse Mentoring eine gute Idee ist, die auch von kleineren Firmen unbedingt genutzt werden sollte: „Die kleinen und mittelständischen Unternehmen müssen sich mit der digitalen Transformation auseinandersetzen, wenn sie in den nächsten Jahren auf dem Markt nicht hinterherhinken wollen. Reverse Mentoring ist ideal, um den Wissensvorsprung der jungen Leute mit den älteren Mitarbeitern zu teilen.“ Der deutsche Mittelstand sei so wenig innovativ wie fast nirgendwo in Europa und eine digitale Service-Wüste, lautet auch die wenig erfreuliche Nachricht der sechsköpfigen Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) im Februar 2016. Die Kommission wurde 2006 von der Bundesregierung eingerichtet und legt jedes Jahr ein Gutachten zu Forschung, Innovation und technologischer Leistungsfähigkeit Deutschlands vor.

 

„Die Schulkameraden meiner Tochter sind meine Kunden von morgen“

Doubravova hat sich unter ihren Kolleginnen und Kollegen inzwischen auf die Suche nach jungen Mentoren begeben, die in der digitalen Welt zuhause sind. Bis sie die Digital Natives gefunden hat, die ihr die neuesten Apps, Geräte und Funktionen zeigen, erfährt sie durch ihre 18-jährige Tochter, welche digitalen Features junge Menschen ganz selbstverständlich nutzen. „Wenn sie auf ihrem Hochbett liegt, weiß ich inzwischen, dass ich sie am besten per WhatsApp-Nachricht dazu bewege, zum Essen runter zu kommen. Wenn ich möchte, dass sie am Wochenende das Bad putzt, schicke ich ihr eine Sprachnachricht und sie macht sich eine Notiz in ihrer Evernote-App.“ Auch beim Thema Datenschutz kann Doubravova noch einiges von ihrer Tochter lernen. „Anders als ich geht meine Tochter ganz bewusst mit Ihrem Online-Ich um. Sie hat zumindest das Gefühl, ihre Daten zu schützen, ohne auf die zahlreichen Cloud-Angebote zu verzichten.“

Ihr Leben zwar auch ohne digitalisierten Schrittzähler, Google Maps oder diverse Messenger-Dienste wie WhatsApp, sagt Darina Doubravova. Aber der Diversity-Managerin und Führungskräfte-Trainerin ist klar, dass sie auf dem neuesten digitalen Stand bleiben muss: „Die Schulkameraden meiner Tochter werden bald meine neuen Kolleginnen sein oder die Kunden meiner Trainings.“

 

Der Trend geht hin zum Bewegt-Bild. Mit Facebook Live versucht Facebook an seine Videomarkt-Konkurrenten Snapchat und Instagram Stories ranzukommen. Wer das Rennen gewinnt, entscheidet die Jugend.
 


Für welche Themen eignet sich Reverse Mentoring?

Reverse Mentoring bietet sich vor allem für Unternehmen an, die wissen wollen, auf welchen Social Media-Plattformen sich junge Menschen virtuell treffen und austauschen. Dabei kann es zum Beispiel um die Frage gehen, wie die Kunden von morgen „denken“, welche Trends sie kommen sehen und was das für die Kommunikation mit Kunden zukünftig bedeutet. Aber auch für das Recruiting von jungen Mitarbeitern kann Reverse Mentoring wichtig sein: Welche Werte und Haltungen vertritt die junge Generation und was ist ihnen am zukünftigen Arbeitsplatz wichtig?

 


4 Tipps für Reverse Mentoring in Unternehmen:

 

Auf Augenhöhe arbeiten

Wichtig ist vor allem, dass die Mentoren und Menteés als gleichberechtigte Lernpartner zusammenarbeiten. Für ältere und erfahrene Führungskräfte kann es schwierig sein, sich von jungen, fast noch Jugendlichen, etwas „sagen zu lassen“. Eine hochrangige Führungskraft, die auf Augenhöhe mit einem jungen Mentor zusammen arbeitet, kann als Vorbild für andere Kollegen fungieren.



  Ziele und Themen festlegen

Was soll gemeinsam mit den Mentoren und Menteés erreicht werden? Die Themen und Ziele des Mentoring-Programms können sich zum Beispiel aus den Unternehmenszielen ergeben (z.B. Umsetzung von Social Business)



  Prozesse und Arbeitsschritte erarbeiten

Welche Arbeitsmethode eignet sich, um den Erfahrungstausch zu unterstützen? Welchen digitalen Erfahrungsstand haben ihre Führungskräfte und wo genau soll angesetzt werden? Die jungen Mitarbeiter sollten vor Beginn des Programms gut „abgeholt“ werden. Dazu gehören beispielsweise Tipps zur Kommunikation. Auch kann der Ablauf gemeinsam mit den Mentoren erarbeitet werden.



  Feedback einholen und Wissen weitertragen

Damit die Erfahrungen nicht verloren gehen, holen Sie am besten schon während des laufenden Mentoring-Programms Feedback von den Mentoren und Menteés ein, zum Beispiel in Form einer Evaluation. So können Sie das Reverse Mentoring-Programm sukzessive weiterentwickeln und bessere Ergebnisse erzielen. Informieren Sie nach Abschluss des Programms auch so viele Mitarbeiter wie möglich über die Ergebnisse, damit das neue Wissen möglichst weit getragen wird (Mitarbeiterzeitschrift, Newsletter, Intranet etc.).
 

 

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