Preview klecks: Die stressige Jagd nach Entspannung

Preview klecks: Die stressige Jagd nach Entspannung

07.09.2016
Kerstin Altrock
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Malbücher für Erwachsene finden reißenden Absatz. Filme boomen, die Menschen bei Alltagstätigkeiten wie dem Bügeln zeigen. Und warum? Unsere Generation scheint gestresster als jede zuvor. Und keine war je so sehr auf der Suche nach neuen Entspannungstrends. Dabei gibt es wirksame Tricks, um den Alltag langfristig entspannter anzugehen. Das Gute daran: Sie kosten weder Zeit noch Geld.

Waren Sie in letzter Zeit einmal in einer Buchhandlung? Dann ist Ihnen sicher eine riesige Auswahl an Malbüchern aufgefallen. Nein, nicht für Kinder – für Erwachsene! Schön gestaltet mit Tier- und Pflanzenwelten, Fantasiestädten oder Märchenmotiven. Vor allem Frauen schwören auf den entspannenden Zeitvertreib, für den es keine zeichnerische Begabung braucht. Das sogenannte Adult Coloring erfordert kein strategisches Denken, das weitreichende Konsequenzen nach sich zieht. Die Linien sind vorgegeben und müssen nur noch bunt ausgemalt werden. Der Malvorgang ist an sich schon entspannend, und egal wie klein das Talent ist, das Ergebnis ist immer schön. Dies ruft ein inneres Schulterklopfen beim Malenden aus.

Sie möchten wissen, ob der Entspannungstrend Adult Coloring etwas für Sie ist? Testen Sie es doch ganz einfach mit dem Bild zum selber ausmalen, hier zum Download.

 

                                      

Klicken Sie auf das Bild, um es in Din A4 auf Ihrem PC runterzuladen.
 

Immer beliebter werden auch Filme, die mit Hilfe sanfter Stimmen und relaxter Geräusche ein entspannendes Gefühl beim Zuschauer auslösen sollen. Der Hit auf YouTube ist ein dreiviertelstündiges Video, in dem eine schöne Frau einen Anzug ausbreitet und bügelt und dabei sanft mit den Zuhörern spricht. Dieser Trend nennt sich ASMR (Autonomous Sensory Meridian Response) und soll tiefe Entspannung und ruhigen Schlaf bescheren. Ein Blick auf YouTube offenbart den Erfolg dieser Videos: Das Bügel-Video wurde mehr als 1,5 Millionen Mal angeklickt, ein zehnstündiges Video mit allerlei Alltagsgeräuschen hat es auf über fünf Millionen Klicks geschafft.

 

Stress findet sich überall – Entspannung auch

Die Suche nach der neuen Entspannung hat in den letzten Jahren viele Trends wie diese hervorgerufen. Yoga-Studios sind vielerorts wie Pilze aus dem Boden geschossen, autogenes Training ist der Hit für gestresste Studenten oder Geschäftsleute, Wellness-Angebote wie Ayurveda-Kuren und Forest Bathing werden immer beliebter.

Egal, welche Art zu relaxen Entspannungssuchende wählen: Ob sich die versprochene Entspannung wirklich einstellt, hängt von vielen Dingen ab – welcher Typ man ist, wie die Lebensumstände sind, woher das Gefühl kommt, gestresst zu sein.

Laut einer Studie der Techniker Krankenkasse gehört für mehr als die Hälfte der Deutschen Stress zum Alltag. 57 Prozent sagen von sich, sie seien häufig oder manchmal im Stress. Für jeden Fünften ist Stress fast schon ein Dauerzustand.

 

Die sogenannte Sandwich-Generation, die Beruf und Familie unter einen Hut bringen muss, ist am stärksten betroffen: 80 Prozent der 36- bis 45-Jährigen sind gestresst. Neben Beruf und Privatleben haben auch Kinder starken Einfluss. So sind 71 Prozent der Menschen mit Kindern gestresst. Die größten Belastungsfaktoren für Eltern sind Job, private Spannungen, die Betreuung der Kinder, eigene Ansprüche an sich selbst sowie finanzielle Sorgen.

 

In den letzten 20 Jahren hat sich unsere Welt stark verändert. Sie ist schneller und technisierter geworden. Viele Menschen haben das Gefühl, immer online und erreichbar sein zu müssen. Die Möglichkeiten haben zugenommen, damit aber auch die Verbindlichkeiten und Stressfaktoren. Es ist schwerer geworden, die Türe hinter sich zu schließen und einfach abzuschalten. Damit Stress kein Dauerzustand wird, sollte darauf immer Entspannung folgen. Der Körper und auch die Seele benötigen Ruhephasen, um neue Energie zu schöpfen.

 

Doch was hilft, Stress zu reduzieren? Ob es nun der Spaziergang mit dem Hund, der Abwasch oder eben das Malbuch ist: Menschen brauchen Auszeiten. Einigen ist Resilienz, die Fähigkeit zur inneren Ruhe, angeboren. Wem diese Fähigkeit jedoch fehlt, dem fällt es schwerer abzuschalten. Warum also nicht mal das Malbuch hervorholen und so den Stress kompensieren?

 

Entspannt im Alltag – ein Leben lang

Trends hin oder her - eine Lebensweise, die der Entspannung dient, kann langfristig helfen und so manchen Hype überflüssig machen. Wie Ihnen das gelingt, zeigen wir Ihnen hier.

  • „Eile mit Weile“: Nehmen Sie kleine Auszeiten, wenn Sie es besonders eilig haben.
  • Vermeiden Sie Multitasking.
  • Nutzen Sie Alltagstätigkeiten wie Kochen oder Abwaschen für den Ausgleich.
  • Machen Sie Sport, der Ihnen Spaß macht. Denn der reduziert die Ausschüttung von Stresshormonen. Auch wenn wenig Zeit ist, lassen sich Bewegungseinheiten in den Alltag einbauen: mit dem Fahrrad zur Arbeit, eine Station weniger fahren und den Rest zu Fuß gehen, Treppe statt Aufzug benutzen und Spaziergang statt Kantine am Mittag.
  • Erledigen Sie unangenehme Dinge sofort. Denn je länger sie etwas aufschieben, desto mehr Stress verursachen sie.
  • Planen Sie kleine Pausen ein, und genießen Sie diese bewusst. Schon fünf Minuten sind effektiv.

 

Kleine Entspannungshelfer für zwischendurch

Wenn es stressig wird: Nehmen Sie ein paar tiefe Atemzüge – hilft immer und sofort.

Stehen Sie während der Arbeit zwischendurch auf und gehen Sie ein paar Schritte durch den Raum – vorwärts, rückwärts, große Schritte, kleine Schritte.

Grün beruhigt: Gehen Sie raus in die Natur. Nichts wirkt entspannender!

Dehnen und strecken Sie sich, gähnen und seufzen Sie!

 

Text: Christin Müller und Gabi Strasser

klecks – Das Lernwelten Magazin (Ausgabe 5/16) erscheint ab dem 20. September.