Im Porträt: Kleine Wolkenstürmer Bonn

Im Porträt: Kleine Wolkenstürmer Bonn

14.08.2019
Christin Müller
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Wer Bonn als „verschnarchte“ kleine Schwester des benachbarten Köln belächelt, tut der ehemaligen Bundeshauptstadt am Rhein unrecht. Die Geburtsstadt Beethovens hat viel mehr zu bieten als Weltpolitik aus früheren Zeiten. Sie beherbergt nicht nur eine renommierte Universität und das berühmte Poppelsdorfer Schloss, sondern auch viele namhafte Wirtschaftsunternehmen und internationale Organisationen. Und drei der über 60 bundesweit angesiedelten pme-Kinderbetreuungseinrichtungen.

Linksrheinisch im beschaulichen Dottendorf gelegen, gleich hinter einem Bahnübergang versteckt, eröffnet sich das weiträumige Areal der „Kleinen Wolkenstürmer“. 2012 wurde das 2.200 qm umfassende Gelände in Zusammenarbeit mit der Telekom AG und der GIZ erbaut. Heute spielen und lernen 220 Kinder in 15 Gruppen, die „Flappy Bats“, „Flying Squirrels“ oder „Birds“ heißen.

 

Zwei Schwerpunkte: Tiergestützte Pädagogik und English-Speaker-Programm

Zwei Schwerpunkte der pme Lernwelten werden hier mit einem beispiellosen Engagement erfolgreich umgesetzt. Neben der tiergestützten Pädagogik ist es das English-Speaker-Programm, das Kinder wie Pädagogen gleichermaßen begeistert.
„Unser Team besteht aus sehr vielen verschiedenen Menschen, die interdisziplinär und interkulturell großartig zusammenarbeiten“, freut sich die Einrichtungsleiterin Sabrina Kesper. „Im Rahmen des English-Speaker-Programms holen wir regelmäßig engagierte Erzieherinnen aus unterschiedlichen Ländern an den Rhein, die nicht nur ihre Muttersprache, sondern auch ihre Kultur in den Kita-Alltag einfließen lassen“. 16 English Speaker sind derzeit in der Einrichtung tätig, darunter die britischen Erzieherinnen Gemma (35), Claire (25) und Hannah (22). Die Pädagoginnen wurden gezielt über eine Partnerschaft zwischen ihren Hochschulen in Großbritannien und den Wolkenstürmern angeworben und können nun ihr pädagogisches Know-how für mindestens ein Jahr einbringen.
 

Pädagogin Simone zeigt den Kindern den Umgang mit einer großen Achatschnecke.


Wie auf einem anderen Kita-Planeten

Für Gemma ist der kulturelle Unterschied zu den englischen Vorschulen spürbar: „Die Kinder sind hier viel unabhängiger als in England. Dort dürfen sie sich aus Sicherheitsgründen noch nicht mal alleine die Hände waschen“. Claire, die wie Gemma aus London stammt, fügt hinzu: „In England ist alles sehr strikt. Es gibt viele Dinge, die Kinder nicht tun dürfen, beispielsweise herumrennen oder zu laut werden. Hier sind sie viel freier“. Mit einer Ausnahme: „Beim Essen ist es hier in Deutschland strenger. Alle Kinder sitzen gemeinsam am Tisch. Das stärkt die Gemeinschaft. In England steht es den Kindern frei zu entscheiden, ob sie essen möchten oder nicht“.
Linda Mentner ist verantwortlich für das Programm: „Mit dem Projekt entsteht ein toller fachlicher Austausch zwischen den Kulturen, von dem die Einrichtung, aber auch die Universitäten und die Absolventinnen und Absolventen der Studiengänge profitieren“.

 

Kleine Wolkenstürmer Bonn

„Wir sind groß, bunt, professionell und liebenswert.“ (Kita-Leitung Sabrina Kesper)

 

Englisch lernen nach dem Immersionsprinzip

In allen pme-Kitas wird nach dem Immersionsprinzip gearbeitet. „Alle pädagogischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sprechen im Alltag nur eine Sprache – entweder Deutsch oder Englisch. Dabei legen wir großen Wert darauf, dass sie ihre Sprache stets mit viel Mimik und Gestik begleiten“, so Mentner weiter. Alle Rituale des Alltags werden sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch durchgeführt, wie der Morgenkreis, das Tischdecken oder das Aufräumen.
Beide Sprachen sind im pädagogischen Alltag stets präsent. So lernen nicht nur die Kinder die Fremdsprache größtenteils unbewusst und spielerisch, auch die Pädagogen mit geringen Deutschkenntnissen werden so auf natürliche Art in die neue Sprache eingeführt. „Ich bin sehr glücklich über die Chance, die deutsche Kindergartenwelt bei den Kleinen Wolkenstürmern kennenzulernen. Das Projekt gibt mir nicht nur die Gelegenheit, mit Kindern in einem anderen Land und mit einem anderen Bildungsplan zu arbeiten, sondern auch mit Kolleginnen und Kollegen aus unterschiedlichen Ländern. Ganz nebenbei lerne ich Deutsch und sehe, wie schnell die Kinder meine Muttersprache lernen“, findet Claire.

Der Erfolg spricht für sich selbst. Schon nach ca. sechs Wochen sind die Kinder in der Regel mit der Fremdsprache vertraut und gehen ganz unbefangen auf die anderssprachigen Mitarbeiterinnen zu. „Es ist schön, zu beobachten, mit welcher Freude die Kinder ihre Englischkenntnisse aktiv einbringen“, resümiert Linda Mentner.

 

 

Steckbrief Kleine Wolkenstürmer

Kitagruppen: 8 Krippengruppen mit je 10 Krippenkindern (4 Monate – 3 Jahre), 7 Gruppen der Altersmischung 2 – 6 Jahre mit jeweils 20 Kindern.
Öffnungszeiten: 7.00 – 19.00 Uhr
Pädagogikansatz: nach Pikler, im Wesentlichen auf der Autonomieentwicklung und Beziehungsqualität beruhend.
Pädagogisches Konzept: basiert auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und berücksichtigt die Arbeit mit sehr jungen Kindern (ab 4 Monaten) in besonderem Maße.
Schwerpunkte: English-Speaker-Programm, Tiergestützte Pädagogik

 

Der Artikel erschien zuerst im klecks Lernwelten Magazin 1/2018.