Home-Office gegen Pendlerstress?

Home-Office gegen Pendlerstress? - pme Familienservice Blog

19.04.2017
Daniel Sebastian Erler
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Die Zahl der Pendler und deren Arbeitswege nimmt weiter zu. Ein Zeichen erhöhter Flexibilität aber auch eine nachweisliche Belastung für die körperliche und psychische Gesundheit von Beschäftigten. Flexible Home- und Mobile-Office Angebote können hier Entlastung schaffen, wenn die richtige Mischung gefunden wird und die Arbeitskultur der Unternehmen stimmt.

Die Zahl der Pendler in Deutschland ist im vergangenen Jahr auf einen Rekordwert gestiegen. Das geht aus einer neuen Auswertung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) in Bonn hervor. 2016 pendelten bundesweit 60 Prozent aller Arbeitnehmer zum Job in eine andere Gemeinde – im Jahr 2000 waren es 53 Prozent. Auch der Weg zum Arbeitsplatz ist länger geworden: von durchschnittlich 14,6 Kilometern im Jahr 2000 auf 16,8 Kilometer im Jahr 2015.
 

Pendeln sorgt für Erschöpfung

Der Trend zu mehr und längerem Pendeln steigert die gesundheitlichen Belastungen und das Stresspotential bei Beschäftigten. Denn „je länger die Fahrzeit der Erwerbstätigen, desto größer die Belastung, auch weil weniger Zeit zum Regenerieren bleibt.“, so Simon Pfaff vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung in Wiesbaden.

Dies belegen auch Studien der Krankenkassen. So zeigt eine Studie der Techniker Krankenkasse aus dem Jahr 2012, dass Pendler ein erhöhtes Risiko haben, psychisch zu erkranken.
 

Home-Office als Lösung?

Es liegt nahe, Home-Office-Angebote als eine einfache Lösung für das zunehmende Pendlerdilemma zu sehen. Denn dank moderner Technik können Arbeitgeber ihren Beschäftigten heute vielfache Möglichkeiten bieten ihre Arbeitszeit und ihren Arbeitsort flexibel zu wählen.

Die Wirkung von Home- oder Mobile-Office Angeboten auf die Subjektive Stressbelastung von Beschäftigten hängt allerdings stark davon ab, ob Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre Arbeitszeit und ihren Arbeitsort an ihre privaten Bedürfnisse anpassen können. Das zeigen unter anderem Auswertungen des European Working Condition Surveys (2015).
 

Auf die Arbeitskultur kommt es an!

Ein hoher Grad an Selbstbestimmung von Arbeitsort und Arbeitszeit sind allerdings keine Garantie für eine bessere Balance von Beruf und Privatleben. Denn die technikgetriebenen Möglichkeiten der räumlichen und zeitlichen Flexibilität erhöhen, gerade bei beruflich engagierten Menschen, das Risiko der vollständigen Entgrenzung von Beruf und Privatleben. Deshalb sind auch oder gerade in Unternehmen mit hoher Arbeitsautonomie Leitlinien und Vorbilder für einen ausgewogenen Umgang mit Flexibilität von großer Bedeutung.
 

Quellen:

Eurofound and the International Labour Office (2017), Working anytime, anywhere: The effects on the world of work, Publications Office of the European Union, Luxembourg, and the International Labour Office, Geneva.

Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) (2017), "Auswertung des Pendlerverhaltens in Deutschland", Bonn.

Techniker Krankenkasse (2016), "TK-Stressstudie 2016. Entspann Dich, Deutschland", Hamburg.

Eurofound (2016), "Sixth European Working Conditions Survey 2015: Overview report", Publications Office of the European Union, Luxembourg.

Techniker Krankenkasse (2012), "Gesundheitsreport 2012. Mobilität, Flexibilität, Gesundeit", Hamburg.

 

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