"Man braucht Energie und Durchhaltevermögen“

Erzieher und Handballer Florian Berndt: "Man braucht Energie und Durchhaltevermögen“

05.08.2019
Sabrina Ludwig
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Dreimal die Woche Training und jeden Samstag ein Spiel: Florian Berndt ist Torhüter beim Ludwigsfelder HC und spielt in der vierten Liga Handball. Aber eigentlich ist Florian Erzieher bei den Wolkenzwergen Berlin. Wie managed der 27-Jährige diese beiden Jobs? „Man muss es zu hundert Prozent wollen“, sagt er.

Hallo Florian, wie bist du zum Handball gekommen?

Florian: Ich habe schon als Kind viel Sport getrieben. Zunächst habe ich Fußball gespielt wie viele Jungs. Aber mir wurde schnell klar, dass ich Fußball verabscheue (lacht). Mit acht Jahren bin ich dann zum Handball gewechselt – und weil ich mich gar nicht so doof angestellt habe, bin ich auf die Sportschule in Potsdam gegangen, war dann beim HSV Usedom, später beim LHC Cottbus und jetzt beim Ludwigsfelder HC.

 

Und wie kam es dann dazu, dass du Erzieher geworden bist?

Das ist eine sehr gute Frage (lacht). Ich wollte immer einen sozialen Beruf ergreifen, aber ursprünglich mit schwer erziehbaren Kindern arbeiten. Durch den Kontakt zu einer jetzigen Kollegin hab ich dann hier bei den Wolkenzwergen Berlin letztes Jahr im April hospitiert und bin geblieben.

 

Was gefällt dir am Job des Erziehers?

Das direkte Feedback der Kinder, an dem du sofort merkst, ob du deine Arbeit gut oder schlecht machst. Wenn man gute Arbeit macht, sieht man das auch an der Entwicklung der Kinder. Diese ehrliche und direkte Art macht mir Spaß.

 

Wie kannst du den Handball und den Job des Erziehers vereinbaren?

Man braucht auf jeden Fall sehr viel Energie und Durchhaltevermögen. Und man muss es zu hundert Prozent wollen. Sonst funktioniert es nicht. Ich hatte schon Momente, in denen ich dachte, jetzt hörst du auf mit dem Handball. Und wenn ich es nicht schon seit 20 Jahren machen würde, dann wäre es vielleicht auch so gekommen. Aber die Leidenschaft ist einfach zu groß. Du kannst einem Künstler auch nicht die Kunst wegnehmen.

Klar ist aber auch: Der Job geht vor. Das ist auch mit meinem Handballtrainer so abgesprochen. Natürlich kann ein Strukturtag in der Kita am Wochenende auch mal ohne mich stattfinden, wenn ich ein Auswärtsspiel habe. Das sollte aber die Ausnahme bleiben. Am wichtigsten ist, dass ich mich mit beiden Seiten gut abspreche.

 

Kannst du Erfahrungen, die du beim Handball machst, in den Job einbringen?

Ich war früher eine Zeit Handballtrainer für Kinder und kenne daher noch so einige Übungen für Körperspannung, Gleichgewicht und Koordination, die wir in unserem Bewegungsraum gut machen können.

 

Und andersrum: Hilft dir die Arbeit als Pädagoge beim Sport?

Auf jeden Fall! Vor allem, wenn negative Spannungen auf dem Feld herrschen. Handball ist ein sehr emotionaler Sport, und es gibt bei uns im Team ein paar Typen, die eigentlich die ruhigsten Menschen der Welt sind. Aber sobald sie das Handballfeld betreten, legt sich bei ihnen ein Schalter im Kopf um – und da habe ich als Pädagoge die kommunikativen Fähigkeiten parat, um sie zu beruhigen. Und wir haben viele Familienväter bei uns im Team. Da kann ich ab und zu auch den Babysitter spielen.

 

Zwei Jobs unter einen Hut bringen? Gar nicht so einfach. "Ich hatte schon Momente, in denen ich dachte, jetzt hörst du auf mit dem Handball. Aber die Leidenschaft ist einfach zu groß." (Fotos: Wolfgang Rose)