Der Sinn des Lesens

Der Sinn des Lesens: Am 17. November ist Vorlesetag - pme Familienservice Blog

13.11.2017
Christin Müller
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Lesen Sie Ihren Kindern regelmäßig vor? Dann legen Sie einen guten Grundstein für seine spätere Entwicklung. Am 17. November ist bundesweiter Vorlesetag, der bei Erwachsenen und Kindern die Lust am Vorlesen und Lesen wecken möchte.

Die Begeisterung für Bücher ist eine Leidenschaft, die bereits in den frühen Lebensjahren gesät wird. Vom Bilderbuchblättern über das Vorlesen zu Hause oder in der Kita bis zum ersten eigenen Buch: Mit dem Vorlesen – und später dem Lesen von Geschichten – entdecken wir die Welt und erhalten Antworten auf alltägliche Fragen. Es lässt uns Freundschaft, Liebe, Gut und Böse erkennen und fördert unsere Fähigkeiten in allen Bereichen des Lebens.

„Eula, Eula ... da!“. Mein Sohn streckt mir das Buch entgegen und blättert die vorletzte Seite auf. Dort ist ein Eulenjunges zu sehen, das gleich von seiner Mutter herzlich umarmt wird. Bedächtig lese ich den Satz „Armes kleines Eulenkind, ein Kuss, der hilft dir ganz bestimmt!“ und gebe meinem Sohn einen dicken Kuss. Freudig klatscht er in die Hände und ruft „Mama-Eula. Nochmal!“. Mit welcher Begeisterung er dieses und seine anderen Bücher tagtäglich anschaut, dabei immer neue Dinge entdeckt und zu benennen versucht, erstaunt mich immer wieder. Obwohl ... eigentlich auch wieder nicht.


Von Anfang an lernen

Kinder sind wissbegierig und neugierig: Schon im ersten Lebensjahr lernen sie täglich neue Worte und deren Bedeutungen. Mit kleinen Reimen oder Fingerspielen oder beim Vorsingen zum Einschlafen legen Eltern den Grundstein für die sprachliche Weiterentwicklung ihres Kindes. Das erste Bilderbuch lässt dann nicht lange auf sich warten – ob aus Pappe, Holz oder Plüsch. Kinder erkennen Personen und Tiere, benennen Gegenstände und freuen sich, wenn sie ein neues Wort lernen. Vorleserituale sind gerade für Kleinkinder besonders wichtig: Der Spracherwerb, das Begreifen der Welt und die emotionale Entwicklung hängen maßgeblich davon ab.

 

Regelmäßiges Vorlesen stärkt die Entwicklung

Eltern, die ihren Kindern regelmäßig vorlesen, schaffen einen fruchtbaren Nährboden für deren spätere Entwicklung. Denn Vorlesen macht nicht nur Spaß, es stärkt auch die Konzentrationsfähigkeit und fördert die kognitiven Fähigkeiten von Kindern. Dabei gilt: Je früher die Kinder mit Büchern in Kontakt kommen, desto besser können sich diese Fähigkeiten entwickeln. Das Kind trainiert sein abstraktes Denken und fördert seine Kreativität. Zugleich erfährt es aber auch, dass es andere gibt, die ähnliche Gefühle empfinden (zum Beispiel Liebe, Eifersucht, Wut).


Die Stiftung Lesen empfiehlt: Eltern sollten regelmäßig zum Buch greifen und ihre Kinder mit dem Umgang vertraut machen. Je früher vorgelesen wird, umso leichter fällt es den Kindern später, lesen zu lernen. Die Kleinen werden durch das Vorlesen spielerisch in die Welt der Bücher und der Literatur eingeführt, sie lernen Geschichten lieben und Sprache schätzen. Untersuchungen zeigen: Wem viel vorgelesen wurde, der wird später meist auch ein begeisterter Leser oder eine begeisterte Leserin. Kindern, denen nicht regelmäßig vorgelesen wird, werden Bildungschancen vorenthalten, so die Stiftung Lesen.

 

Die Vorlesestudie 2015

Seit 2007 führen die Stiftung Lesen, die Deutsche Bahn Stiftung und die Wochenzeitung DIE ZEIT jährlich aufeinander aufbauende Vorlesestudien durch, die die Situation des Vorlesens in Deutschland und seine Bedeutung für die Entwicklung von Kindern widerspiegeln. In der aktuellen Vorlesestudie aus dem Jahr 2015 wurden über 500 Kinder zwischen acht und zwölf Jahren und deren Eltern befragt. Das Ergebnis: Es besteht ein enger Zusammenhang zwischen dem Vorlesen in der Familie und der persönlichen Entwicklung von Kindern sowie ihrem sozialen Verhalten. Außerdem besitzen Kinder, deren Eltern ihnen vorgelesen haben, besonders gute Voraussetzungen für Bildungsfähigkeit. Sie entwickeln sich insgesamt zu offenen und vielseitig interessierten, sensiblen Individuen. Das Vorlesen leistet einen Beitrag dazu, dass sie einen weiten Horizont entwickeln und ein großes Repertoire an Verhaltensmodellen besitzen.

 

6 Tipps für entspannten Lesespaß für Eltern und Kind

Einige Erwachsene fühlen sich beim Vorlesen nicht sehr wohl. Sie sind sich unsicher, ob sie es richtig machen. Dabei ist es ganz einfach. Mit diesen Tipps von der Stiftung Lesen gelingt Ihnen die Vorlesestunde.

  1. Suchen Sie sich einen bequemen Platz zum Vorlesen.
  2. Wählen Sie zum Vorlesen und Anschauen von Bilderbüchern einen günstigen Zeitpunkt: eine Ruhephase am Tag oder die Zeit vor dem Schlafengehen.
  3. Haben Sie Geduld mit Ihrem Kind. Gehen Sie auf seine Reaktionen, Fragen und Bedürfnisse ein.
  4. Lesen Sie regelmäßig vor, so dass das Vorlesen zu einem festen Bestandteil in Ihrem Familienalltag wird.
  5. Lassen Sie auch Ihr Kind Bilderbücher auswählen, und lesen Sie sein Lieblingsbuch immer wieder vor.
  6. Lesen Sie Ihrem Kind in der Sprache vor, die Sie am besten sprechen.

 

Über die Stiftung Lesen

Seit 1988 führt die Stiftung Lesen zahlreiche Initiativen und Programme sowie Forschungs- und Modellprojekte durch, um Lesefreude zu wecken und Lesekompetenz zu stärken. Ob Buch, Zeitschrift oder neue Medien: Ziel der gemeinnützigen Organisation ist die Förderung des Lesens, der Lesemotivation und Lesekompetenz in allen Lesemedien gleichermaßen.
Zwei zentrale Projekte, die die Stiftung Lesen initiiert hat, sind der „Bundesweite Vorlesetag“ sowie das deutschlandweite, auf mehrere Jahre angelegte Programm „Lesestart – Drei Meilensteine für das Lesen“. Schon die Kleinsten sollen mit Büchern und dem Lesen in Berührung gebracht werden.
Die Stiftung Lesen steht unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten. Weitere Informationen gibt es unter www.stiftunglesen.de

 

Nähere Informationen zum Bundesweiten Vorlesetag finden Sie auf der Website der Stiftung Lesen.

Der Artikel "Der Sinn des Lesens" von Christin Müller ist erschienen im: klecks Lernwelten Magazin (4/2016)