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Corona: Wie der Lockdown Kinder psychisch belastet

17.02.2021
Sabrina Ludwig
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Kinderbetreuung im Homeoffice, kaum Treffen mit den besten Freunden. Die Corona-Pandemie belastet auch unsere Kinder. pme-Elternberater Christian Keller gibt Eltern Tipps, wie sie ihre Kinder gut durch die Corona-Zeit bringen und dabei selbst möglichst entspannt bleiben.

Angst, Stress, depressive Stimmung: Mehr als 70 Prozent der befragten Kinder fühlen sich durch die Corona-Krise seelisch belastet, lautet das Ergebnis der COPSY-Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf. Auch das Risiko für psychische Auffälligkeiten wie Schlafstörungen oder Kopf- und Bauchschmerzen habe sich verdoppelt. Der zweite Lockdown hat diese Auswirkungen laut der COSPY-Studie noch verschärft.

Gleichzeitig achten die Kinder und damit auch die Eltern weniger auf die Gesundheit. Die Kinder essen mehr Süßigkeiten und bewegen sich weniger, und der Medienkonsum ist stark gestiegen. Im zweiten Lockdown machen im Vergleich zum Frühjahr doppelt so viele Kinder überhaupt keinen Sport mehr. Der Trend zur Corona-Plauze macht also auch vor Kindern und Jugendlichen nicht Halt.

Die Studienleiterin Prof. Dr. Ulrike Ravens-Sieberer zeigte sich bei der Auswertung der rund 2.500 Fragebögen sehr überrascht über den hohen Grad der Verschlechterung der psychischen Gesundheit von Kindern. Dabei sind vor allem Kinder aus sozial schwächeren Familien betroffen. Ein geringes Einkommen, einhergehend mit beengtem Wohnraum, fördert das Auftreten psychischer Auffälligkeiten. Die mangelnde Rückzugsmöglichkeit und die durch den Lockdown fehlende Tagesstruktur führen darüber hinaus zu Streit und Konflikten innerhalb der Familie.

 

Kinder aus sozial schlechtergestellten Familien leiden mehr unter Corona

Auch die Studie „Kind sein in Zeiten von Corona“ des Deutschen Jugendinstituts bestätigte die Beobachtung, dass Kinder aus finanziell schlechtergestellten Familien häufiger mit emotionalen Problemen zu kämpfen haben. Familiäre Schwierigkeiten verstärken bei Kindern das Gefühl von Einsamkeit und damit auch Verhaltensauffälligkeiten. Die Studie zeigte auf, dass Kinder, die Geschwister zum Spielen haben, besser durch die Pandemiezeit kommen, älteren Kindern hilft insbesondere der Kontakt mit Freunden und Lehrkräften.

 

Durch Corona-Krise vermehrt Essstörungen bei Jugendlichen

Die Klinik für Kinder- und Jugendpsychosomatik in München-Schwabing berichtet, dass durch die Pandemie vor allem bei Jugendlichen vermehrt Essstörungen auftreten. Die Corona-Krise wirkt hierbei wie ein Brennglas. Probleme, die schon latent vorhanden sind, bekommen durch die fehlende Alltagsroutine richtig Feuer. Solange die Kinder in die Schule gehen, haben Sie eine klare Struktur. Zudem stehen sie durch den Kontakt mit Mitschülern und Lehrern unter einer gewissen sozialen Kontrolle und werden dadurch zum Essen animiert. Allein zu Hause haben sie nun alle Zeit der Welt, sich über ihren Körper und ihre Essgewohnheiten Gedanken zu machen.

Eltern fühlen sich oft hilflos, wenn ihre Kinder psychisch auffällig werden. Um die Kinder gut durch die Pandemie zu bringen, ist es wichtig, vermehrt Beratung für Eltern anzubieten.

pme-Elternberater Christian Keller berichtet, dass es von Seiten der Eltern großen Gesprächsbedarf gibt. Viele Eltern fühlen sich trotz Familie allein und wünschen sich einen Austausch mit Gleichgesinnten.

 

Tipps von pme-Elternberater Christian Keller:

1. Struktur in den Tagesablauf bringen

Damit Kinder mit weniger Stress durch die Corona-Zeit kommen, ist es wichtig, dass auch die Eltern gelassener werden. Christian Kellers Rat ist, den Alltag so gut wie möglich zu strukturieren und sich dafür auch wirklich Zeit zu nehmen. Praktikabel ist hierbei ein Wochenplan, bei dem man das Wichtigste priorisiert, bevor man wild versucht, die anstehenden Dinge abzuarbeiten.

Planen Sie auch Zeiten ein, in denen man den Kindern zumuten kann, allein zu sein. Denn außer einer zeitlichen Struktur ist auch räumliche Trennung wichtig, um einen Lagerkoller zu vermeiden.

Ein praktischer Tipp ist, ein Ampelsystem für die Bürotür einzuführen. Bei Grün trifft das Kind auf offene Türen, Gelb bedeutet, dass man in dringenden Fällen ansprechbar ist, bei Rot darf auf keinen Fall gestört werden. Mit einem solchen System schafft man eine Erwartbarkeit, sowohl für die Kinder als auch für Sie als Eltern.

2. Bedürfnisse erkennen und kommunizieren

Eine weitere Maßnahme für ein gutes Miteinander ist die Einrichtung eines Familienrats, den man wöchentlich abhält. Dort bespricht man als Familie, wie man gemeinsam durch die Woche gehen will. Welche Bedürfnisse habe ich? Wie wollen wir es anstellen, uns draußen zu bewegen? Dabei zählen nicht nur die Bedürfnisse der Kinder, sondern auch die der Eltern. Binden Sie die Kinder zudem im Haushalt ein. Das schafft Struktur für die Kinder und Entlastung für Sie als Eltern.

Eine Routine, die für Christian Keller und seine Familie sehr wichtig ist, sind gemeinsame Essenszeiten. Hier wird dann nicht über Schule und Arbeit geredet, sondern wirklich auf den Pauseknopf gedrückt.

3. Verständnis und gewaltfreie Kommunikation

Wenn es doch zu schwerwiegenden Konflikten kommt oder Kinder unter Problemen in der Schule leiden, ist es wichtig, sich Zeit zu nehmen, Verständnis zu zeigen und nicht noch mehr Druck aufzubauen. Auch bei Auseinandersetzungen wegen ausufernden Medienkonsums sollten Sie sich in einer vertrauensvollen Beziehung zusammen mit dem Kind die Nutzungszeiten anschauen und über die Sinnhaftigkeit des Konsums sprechen. Die Art und Weise der Kommunikation ist in diesen schwierigen Zeiten besonders wichtig, und es ist essenziell, eine kommunikativ gewaltfreie Umgebung für Kinder zu schaffen.

Damit es den Kindern gutgeht, ist es wichtig, dass auch Sie als Eltern nicht zu kurz kommen. Christian Keller betont, dass Eltern für sich selber Sorge tragen müssen, um nicht ihren Stress und ihre Ängste auf die Kinder zu übertragen – sei es, sich Zeit für ein Mittagsschläfchen freizuschaufeln oder sich beim Lieferservice mal ein schönes Abendessen zu gönnen. Natürlich sind die Rahmenfaktoren in jeder Familie unterschiedlich. Entscheidend ist, sich möglichst gelassen den Herausforderungen zu stellen und nicht zu erwarten, dass alles funktioniert.

 

Christian Keller ist Produktverantwortlicher für Elternberatung beim pme Familienservice

 

 

 

 

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