Seelische Folgen des Lockdowns: Droht uns am Ende das Burnout?

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Burnout im Lockdown

22.02.2021
Josephin Hartmann
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Völlig ausgebrannt? Wochenlanges Mobile Office, fehlende Kontakte, Doppelbelastung durch Kinderbetreuung und dazu fehlende Ruhephasen: Bei vielen Beschäftigten ist das Maß voll. Spätestens nach dem zweiten Lockdown läuft das Glas nun über. Die Ressourcen sind aufgebraucht, der Optimismus verflogen. Wir zeigen Ihnen, woran Sie erste Burnout-Symptome erkennen, warum uns die Pandemie so zu schaffen macht und wie wir unsere psychische Gesundheit in dieser Zeit schützen können.

Was ist Burnout?

Wer seinen Job gut machen will, brennt dafür. Doch zu großer Zeitdruck und eine hohe Arbeitsbelastung lassen Beschäftigte schnell ausbrennen. Burnout ist ein Zustand einer beruflichen und/oder außerberuflichen Arbeitsüberlastung. „Die Beschwerden bei Burnout bestehen oft über mehrere Wochen bis hin zu Monaten. Bei gleichbleibend schlechten Arbeitsbedingungen werden Sie nicht von alleine verschwinden“, erklärt Psychologin und pme-Lebenslagencoach Mandy Simon.

 

Was sind die ersten Symptome von Burnout?

Die ersten Symptome für ein Burnout zeigen sich in Form emotionaler Erschöpfung. Es dominiert das Gefühl, dass einem alles zu viel wird und Ermüdungserscheinungen sich intensivieren. „In dieser ersten Phase beginnt der Körper bereits zu rebellieren. Es kommt zu Kopfschmerzen, Schlafstörungen, emotionalen Ausbrüchen, Konzentrationsproblemen, sozialer Abgrenzung und Freudlosigkeit. Unterm Strich schreit der Körper nach Ruhe und Geborgenheit, während der Kopf einen antreibt weiterzumachen, da sonst das schlechte Gewissen angerollt kommt“, verdeutlicht Sarah Morzinek, Psychotherapeutin und pme-Akademieleiterin.

 

Studie zeigt hohe Belastung von Erwerbstätigen im ersten Lockdown

Seit einem Jahr befinden sich vor allem Berufstätige in einem Dauerzustand des Schaffens und Gebens. Zur beruflichen Belastung kommt wegen Kita- und Schulschließungen auch noch die Kinderbetreuung hinzu. Laut einer Studie der Technischen Universität (TU) Chemnitz in Kooperation mit der Techniker Krankenkasse (TK) gaben rund 60 Prozent der Befragten, die von zu Hause aus arbeiten, an, dass im Homeoffice die Grenzen zwischen Arbeits- und Privatleben verschwimmen. Während des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 empfand mehr als jeder Vierte das als Belastung.

 

Frauen stärker von Burnout betroffen als Männer

Von Burnout betroffen sind nicht nur Führungskräfte mit besonders hoher Arbeitsbelastung. Die Studie verdeutlicht, dass vor allem berufstätige Frauen im Homeoffice mit kleinen Kindern wegen der Doppelbelastung erschöpft sind. In den Phasen besonders harter Corona-Einschränkungen nahm die Belastung noch mehr zu. Verglichen mit der Gruppe der Männer sind Frauen deutlich stärker belastet und von Burnout betroffen. „In Zeiten von Corona, im Besonderen des Lockdowns, wird Burnout durch das ständige Dauer-Multitasking begünstigt. Berufstätige Eltern, die im Homeoffice arbeiten, parallel die Kinderbetreuung übernehmen und Homeschooling sicherstellen, tanzen dauerhaft auf mehreren Hochzeiten. Die fehlende Fokuszeit, Me-Time oder Ruhephasen lassen das Fass überlaufen“, berichtet pme-Expertin Morzinek.

 

Zweiter Lockdown kann Burnout begünstigen

Seit Beginn der Pandemie befindet sich unsere Arbeitswelt in einem Ausnahmezustand. Wie das New Normal nach Corona aussehen wird, ist noch nicht klar. Fakt ist, dass die veränderten Arbeitsbedingungen und die Mehrfachbelastung im ersten und zweiten Lockdown die Entwicklung von Burnout-Symptomen beeinflussen können.

 

Stressfaktoren im Arbeitsumfeld können sein:

• Hohe Arbeitsbelastung
• Mangelnde Wertschätzung
• Mangelnde Fairness
• Geringer Tätigkeitsspielraum
• Zu viel Verantwortung
• Unklare Rolle am Arbeitsplatz
• Problembeladene Kunden/Patienten/Klienten
• Zu wenig Transparenz am Arbeitsplatz
• Mangelnde Unterstützung durch Vorgesetzte oder Kollegen (Zusammenbruch des
Gemeinschaftsgefühls)
• Zu wenig Feedback
• Zu viel Überwachung oder Kontrolle durch Vorgesetzte oder Computer, auch im
Rahmen von Qualitätsmanagement
• Zu hohe Leistungserwartungen
• Mangelnde Kontrolle, zu geringe Einflussmöglichkeiten und Aufstiegschancen
• Vor allem bei älteren Berufstätigen: Überforderung durch Computer und
andere Innovationen
• Ständige Erreichbarkeit durch E-Mail und Handy

(aus dem Buch „Was ist Burn-out“ von pme-Beraterin Mandy Simon, 2018)

 

Treffen mehrere Faktoren gleichzeitig aufeinander, wird Burnout begünstigt. Der Lockdown kann genau die Menge an Faktoren zusammenbringen, die letztendlich dazu führt, dass Beschäftigte sich ausgebrannt und stark erschöpft fühlen. Sarah Morzinek gibt jedoch zu bedenken: „Nichtsdestotrotz bedeutet der zweite Lockdown nicht automatisch, dass eine Burnout-Welle über die Bevölkerung kommt. Es sind immer multikontextuelle Faktoren und vor allem Stressmanagementstrategien entscheidend für die Entstehung und den Ausbruch eines Burnouts“.

 

So schützen Sie sich im Lockdown vor Burnout

Gerade in herausfordernden Zeiten ist es wichtig, auf Auszeiten zu achten und sich an den kleinen Dingen im Alltag zu erfreuen. Wer im Job und im Privatleben täglich Leistung erbringt, braucht Ruhephasen, um Kraft zu tanken. Sarah Morzinek hat dazu einige Empfehlungen:

 

Konzentrieren Sie sich trotz Turbulenzen auf das Positive. Seien Sie dankbar für die kleinen Dinge und betrachten Sie täglich, was Schönes in Ihrem Leben an diesem Tag passiert ist. Notieren Sie Ihren kleinen Glücksmoment und halten Sie ihn so fest.

 

Wenn mal wieder alles zu viel wird, machen Sie z. B. die 4-6-8 Atemtechnik. Setzen oder legen Sie sich bequem hin und schließen Sie die Augen. Falls es Ihnen schwerfällt, sich zu fokussieren, setzen Sie sich Kopfhörer auf, entweder zur Geräuschunterdrückung oder für die musikalische Untermalung mit Ihrer Lieblingsmusik. Atmen Sie nun 4 Sekunden ein, halten Sie für 6 Sekunden die Luft an, und atmen Sie 8 Sekunden aus. Achten Sie darauf, dass Sie die Bauchatmung verwenden und tief in den Bauch atmen. Zur Unterstützung können Sie beide Hände auf den Bauch legen und gegen Ihre Handflächen atmen. Mit jedem Ausatmen lassen Sie den Stress los, als würden Sie ihn aus Ihrem Körper hinauspusten.

 

Zeit- und Selbstmanagement sind besonders wichtig, damit Ihnen nicht alles über den Kopf wächst. Priorisieren Sie Ihre Vorhaben, lassen Sie das Telefonat mit der Freundin mal weg, wenn Ihre Ressourcen gerade nicht mehr ausreichen, und nehmen Sie stattdessen ein Bad. Planen Sie bewusst ein paar Minuten Me-Time am Tag. Vielleicht ist es ein kleiner Spaziergang, ein virtueller Yoga- oder Fitnesskurs, eine Achtsamkeitsübung über eine App oder YouTube, oder ein gemeinsames Abendessen mit der Familie, bei dem Sie mit Ihrer Aufmerksamkeit nur dort sind und nicht bei der Arbeit. Vielleicht ist es der gute Film am Abend oder die kleine Mindmap mit Inhalten zu zukünftigen Urlauben und Unternehmungen, auf die Sie sich schon freuen.


 

Mandy Simon ist Diplom-Psychologin und systemischer Coach in Organisationsentwicklung beim pme Familienservice. Außerdem ist sie zertifizierte Online-Beraterin. Als Fachberaterin unterstützt sie Führungskräfte und Mitarbeiter*innen sowohl in akuten Überlastungssituationen als auch in der Burnout-Prävention. Seit 2009 arbeitet sie an der Lebenslagen-Coaching-Hotline des pme Familienservice.

 

 

 

Sarah Morzinek leitet die Zentrale Akademie der pme Familienservice Gruppe. Ihre Schwerpunkte sind BGM, Blended Learning und Krankenkassen Kooperationen. Zudem hat Sie eine Praxis für Coaching & Psychologische Beratung und mehrjährige Erfahrung als Dozentin in der Hochschullehre mit dem Fokus BGM.

 

 

 

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