Berufstätig, pflegend, überlastet

Altersreport

20.09.2016
Gabriele Strasser
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Von wem wird informelle Pflege geleistet? Wie ist die Situation der Pflegenden? Wie sind die Langzeitperspektiven für die informelle Pflege? Diesen Fragen ging das Deutsche Zentrum für Altersfragen (DZA) nach. Die Ergebnisse finden sich in ihrem „Report Altersdaten“.

Immer mehr Menschen brauchen im Alter Pflege. Derzeit wird ein Großteil der Pflege wird informell, also von Angehörigen geleistet. Doch noch immer sind Pflegeaufgaben nur sehr schwer mit einer Berufstätigkeit zu vereinbaren. Das ist eines der zentralen Ergebnisse eines aktuellen Reports des Deutschen Zentrums für Altersfragen, in den unter anderem die Ergebnisse vorhandener Studien wie der amtlichen Pflegestatistik und dem Deutschen Alterssurvey eingeflossen sind.

Derzeit sind 2,6 Millionen Menschen pflegebedürftig anerkannt – sehr viel mehr Hilfsbedürftige erhalten Unterstützung durch Angehörige Die Zahl der Pflegebedürftigen ist zwischen1999 und 2013 um 30 Prozent gestiegen. Fast drei Viertel der Pflegebedürftigen werden zu Hause versorgt. Da nicht alle Unterstützungsbedürftigen Leistungen aus der Pflegeversicherung beziehen, ist die Zahl der Menschen, die informelle Unterstützung und Pflege erhalten, wesentlich größer. Um sie kümmern sich dem Report zufolge zwischen 3 und 5 Millionen private Pflegepersonen.


Pflege ist weiblich
Jeder Sechste zwischen 40 und 85 Jahren unterstützt Angehörige. 40- bis 54-Jährige unterstützen im Durchschnitt 8,1 Stunden pro Woche, 55- bis 69-Jährige 11,8 Stunden. Oft verteilt sich die Pflege auf mehrere Schultern – aber die Hauptlast tragen meist weibliche Familienmitglieder. Jede dritte Pflegeperson fühlt sich stark oder sehr stark belastet. Zwei Drittel der informell Pflegenden unter 65 Jahren sind erwerbstätig Doch schränken 34 Prozent der bei Pflegebeginn erwerbstätigen Hauptpflegepersonen aufgrund der Pflege ihren Erwerbsumfang ein, 15 Prozent geben die Erwerbstätigkeit ganz auf. Für das DZA ist das auch Ausdruck für mangelnde Möglichkeiten, Pflege und Erwerbstätigkeit zu vereinbaren.


Kaum Angebote von Arbeitgebern
72 Prozent der Erwerbstätigen schätzen die derzeitigen Möglichkeiten der Vereinbarkeit von Beruf und Pflege als eher schlecht oder sehr schlecht ein. Beschäftigte wünschen sich vorrangig Möglichkeiten, ihre Arbeitszeit oder die Arbeitsgestaltung im Fall der Pflege flexibler gestalten zu können. Obwohl die Unternehmen die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf zunehmend als bedeutsam erkennen, geben nur 20 Prozent von ihnen an, betriebsinterne Angebote für pflegende Angehörige zu haben.


Ein Fazit des Reports: Die Zahl der Pflegebedürftigen wird weiter steigen, das Potenzial an pflegenden Angehörigen jedoch abnehmen Bis 2030 sind bis zu 3,5 Millionen Pflegebedürftige zu erwarten, die für informelle Pflege verfügbare Zahl von Angehörigen wird dagegen rückläufig sein. Dafür sorgen Veränderungen in der demografischen Struktur der Bevölkerung, aber auch andere Faktoren wie veränderte Familienstrukturen, größere Wohnentfernungen zwischen den Generationen und steigende Erwerbsquoten von Frauen im mittleren und höheren Erwerbsalter. Angesichts des Beitrages, den Angehörige bei der Pflege und Unterstützung leisten, wird sich hieraus eine der großen Herausforderungen für die zukünftige Sicherstellung einer zufriedenstellenden Pflege ergeben, die sowohl den Bedürfnissen der Gepflegten entspricht, als auch die Situation der Pflegenden in den Blick nimmt


Quelle: Report Altersdaten, Deutsches Zentrum für Altersfragen, 2016