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27.06.2010

Kinder profitieren von Ganztagsschulen

Der Besuch einer Ganztagsschule wirkt sich auf Schulkinder bereits nach zwei Schuljahren positiv aus. Sie weisen bessere Sprachkompetenzen, ein positiveres Sozialverhalten sowie bessere Alltagsfertigkeiten auf.

Ähnlich wie in den meisten deutschen Bundesländern stellt die Ganztagsschule auch in der Schweiz weiterhin die Ausnahme dar. Allerdings haben auch in der Schweiz die meisten Kantone in den letzten Jahren ihr ganztägiges Bildungs- und Betreuungsangebot ausgebaut und damit auf die steigende Nachfrage in der Bevölkerung reagiert.

Eine vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) unterstützte Studie belegt nun, dass Ganztagsschulen nicht nur den Bedürfnissen berufstätiger Eltern zu Gute kommt, sondern gleichzeitig auch die kognitive und soziale Entwicklung von Kindern fördert.

Die Erziehungswissenschaftler Walter Herzog und Marianne Schüpbach von der Universität Bern, haben untersucht, wie sich verschiedene Schulformen auf die schulischen Leistungen und die sozio-emotionale Entwicklung der Kinder auswirken. Die Längsschnittstudie bezog 521 am Anfang ihrer Schulzeit stehende Primarschulkinder aus 11 Deutschschweizer Kantonen mit ein.

Bessere Sprachkompetenzen

Das auffälligste Ergebnis der Studie: Die Ganztagsschulkinder wiesen nach den ersten zwei Schuljahren bessere sprachliche Kompetenzen auf als ihre Altersgenossen, die den Blockzeitenunterricht oder den traditionellen Halbklassenunterricht besuchten. Sie konnten Wörter besser und schneller lesen und verstehen. Bei den mathematischen Kompetenzen schnitten die Ganztagsschulkinder hingegen weniger gut als die Vergleichsgruppe ab.

Sozial gefestigt

Ganztagsschulkinder schnitten auch bei der sozialen und emotionalen Entwicklung sowie den Alltagsfertigkeiten besser ab. Sie erwiesen sich im Umgang mit Gleichaltrigen als kompetenter und zeigten ausgeprägtere Verhaltensstärken – so konnten sie sich beispielsweise besser konzentrieren, hatten weniger Angst und begegneten neuen Situationen gelassener. Bei den Alltagsfertigkeiten konnten sie zum Beispiel eher die Schuhe selber schnüren oder Messer, Gabel und Messer angemessen benutzen.

Kompensatorische Wirkung der Ganztagsschulkinder

Bei ihrer Untersuchung bezogen die Forscher auch den familiären Hintergrund der Kinder mit ein. Hier zeigt sich, dass Kinder, die von ihren Eltern gefördert werden, grundsätzlich bessere schulische Leistungen erbringen als Kinder, die von den Eltern kaum unterstützt werden – unabhängig davon, welche Schulform sie besuchen. Die Studie zeigt aber auch, dass die Ganztagsschule nachteilige Bedingung einer geringen familiären Unterstützung kompensieren kann, und zwar bei den Alltagsfertigkeiten und beim Selbstbild bezüglich der Fähigkeiten in Mathematik.

Quelle:
Schweizerischer Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung

Marianne Schüpbach: Ganztägige Bildung und Betreuung im Primarschulalter. Qualität und Wirksamkeit verschiedener Schulformen im Vergleich. VS Verlag, Wiesbaden 2010. 487 S.

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